Am Sonntag, den 10. Mai bringen wir um (Achtung, geänderte Anfangszeit!) 19:30 Uhr im Cinema Ostertor das sehr harte belgische Sozialdrama SKUNK auf die große Leinwand.
Nachdem es im April bei „Vampire Zombies… From Outer Space“ noch fröhlich und gewollte trashig zuging, ist unser Mai-Film das komplette Gegenteil. Gleich vorweg: Hier sind starke Nerven erforderlich.
SKUNK ist der neue Film des von uns sehr verehrten Belgiers Koen Mortier, dessen schonungslosen Meisterwerks „Ex-Drummer“ wir bereits vor ein paar Jahren bei Weird Xperience gezeigt haben. Hier kehrt er in „Ex-Drummer“-Gefilde zurück und zeigt schonungslos den traurigen und hoffnungslosen Werdegang einer durch die eigene Familie völlig zerstörten Seele.
TRIGGER WARNUNG: Das ist teilweise
sehr schwer zu ertragen. Die Gewalt, physisch wie verbal, die hier gegen Kinder und Heranwachsende ausgeübt wird, führt einen schnell an die Grenze. Dass man aber nicht fluchtartig das Kino verlässt, ist Mortiers großer Sensibilität zu verdanken. Denn er schafft es Respekt und Mitgefühl für seine Figuren aufzubringen, die dadurch nicht zum Kuriositätenkabinett werden, sondern vielschichtige Menschen, für deren teilweise unfassbaren Gewaltausbrüche gegen sich und andere man nicht unbedingt Verständnis, wohl aber Mitgefühl aufbringt.
Endlich werden die Behörden aktiv und befreien den 17-jährigen Liam aus seinem von Gewalt, Drogenexzessen und Missbrauch geprägten Elternhaus. Unter der Obhut einer staatlichen Einrichtung für traumatisierte und schwer erziehbare Jugendliche soll dem Jungen dabei geholfen werden, die Schrecken der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Wut, Hass und Verzweiflung sitzen tief, Angst hemmt die Bereitschaft sich zu öffnen, und auf jeden Schritt nach vorn folgen zwei nach hinten. Zwar geraten die Jugendlichen in der Einrichtung endlich in Kontakt mit Empathie und Verständnis, doch zeigen sich schnell auch die institutionellen Probleme von Machtlosigkeit und Überforderung. Nicht nur entlang dieser Grenzen des Möglichen, sondern vor allem auch anhand der eskalierenden Auseinandersetzungen zwischen Liam und einem anderen Jugendlichen entbrennt die Frage danach, ob und auf welche Weise sich die Spirale der Gewalt überwinden lässt.
Ein starker Film, aber auch einer wie ein kräftiger und gut gezielter Hieb in die Magengrube. Ausgezeichnet bei den Tallinn Black Nights, beim Film Festival Oostende und beim Fantasy Filmfest.
„Der neue Film von Koen Mortier ist wie seine Vorgänger wieder kein Film, der ein breiteres Publikum ansprechen wird. Zu eigen, zu radikal, zu sehr sich Erwartungshaltungen verweigernd, macht er es dem Zuschauer nicht einfach. Er bietet keine Lösungen an, zeigt stattdessen die reale Überforderung staatlicher Institutionen und eigentlich wohlwollender Sozialarbeiter und die schrecklichen Folgen von jahrelang erlebter physischer und psychischer Gewalt, die hier in einer grausamen Logik aus den Opfern Täter machen. Wer sich dieser cineastischen Zumutung aussetzen kann und möchte, wer Film als radikale Erfahrung ohne Gebrauchsanweisung versteht, dem sei SKUNK hiermit unbedingt empfohlen. Es ist ein Film, der einem noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Nicht zuletzt wegen Thibaud Dooms erschütternd intensiver Darstellung eines Jugendlichen, der durch die Hölle gegangen ist. Auch das Sounddesign und die Kameraarbeit von Nicolas Karakatsanis machen viel von der Intensität des Films aus. Koen Mortier hat längst eine eigene Handschrift entwickelt, die ihn ein weiteres Mal als einen der interessantesten und radikalsten flämischen Filmemacher empfiehlt. Man darf auf seine kommenden Werke gespannt sein.“ Jan Urnau, Deadline – Das Filmmagazin
Wir zeigen den Film im flämischen Original mit deutschen Untertiteln und einer Einführung.