Weird Xperience im Dezember: Das Haus an der Friedhofsmauer

friedhof_bildEin Nebel legt sich über Bremen, von der Weser aus schiebt er sich über die Innenstadt, der Dom ist kaum noch zu sehen. Noch unheimlicher als das? Am 9. Dezember könnt ihr das unheimliche Haus an der Friedhofsmauer (Quella villa accanto al cimitero, 1981) sehen, um 20 Uhr (Einlass) in der Etage 3 des Kulturzentrum Lagerhaus.

Lucio Fulci schuf 1981 ein Monster des durchgeknallten Haus – Horror – Films und geht natürlich viel weiter als die amerikanischen Vorgänger wie Shining oder Amityville Horror.

Versuch einer Handlungsbeschreibung:Dr. Peterson ermordet seine Geliebte und sich selbst, was etwas mit seinen Experimenten zu tun hat. Sein Kollege, Dr. Norman (!) Boyle, möchte herausfinden, was Peterson dazu trieb, und zu diesem Zweck die Forschungen weitermachen. Dazu zieht er mit seiner Familie in ein Haus direkt neben einem Friedhof, das 100 Jahre vorher dem nicht gut beleumdeten Forscher Dr. Freudstein (!!!) gehörte. Normans Sohn Bob hat eine unsichtbare Freundin, die vor dem Haus warnt.

friedhofsmauer_schlitzAuch wir halten Dr. Boyles Plan eigentlich nicht für durchdacht, aber durch diese Ideen der Drehbuchautoren bekommen wir dieses herrliche Stück Horror. Denn Dr. Freudstein ist mitnichten tot, viel mehr benutzt er die Toten als eigenes Ersatzteillager, um im Keller eine Unsterblichkeit zu leben. Ob das so erstrebenswert ist?

Fulci lässt es krachen: In bester italienischer Tradition fügt er alten Gothic-Horror und amerikanische moderne Mythen zusammen, und garniert das mit furchtbaren Masken und viel viel Blut und Innereien. Es gelingt ihm kein artifizieller Höhenflug wie seinen Zeitgenossen Romero und Argento, doch entwickelte er seinen eigenen Stil. Er ist derber, direkter und in Sachen Explizität wohl ungeschlagen. Gut, die Logik wird an der Garderobe abgegeben, aber dafür sieht man keinen Fulci.friedhofsmauer_freudstein

Mit Sergio Salvati hat er einen ebenbürtigen Partner an der Kamera gefunden. Die Einstellungen, die Farben, die Perspektiven, wie die Szenen aufgelöst werden passt sehr gut zu Fulcis Stil und lässt ja auch andere gemeinsame Filme wie „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“, „Ein Zombie hing am Glockenseil“ und „Über dem Jenseits“ erstrahlen.

Um sich herum versammelte er eher eine unbekannte, aber sehr passende Schauspielerschar, die einzige mit weiteren bekannten Meriten ist Dagmar Lassander, die in vielen deutschen und italienischen Genre-Produktionen der 60er bis 80er die laszive Verführerin gab. Ihr habt sie bestimmt an der Seite von Bud Spencer in „Plattfuß in Afrika“ gesehen.

So freuen wir uns, dass dieses Werk seit 2014 nicht mehr indiziert ist und wir ihn euch in der dunklen Jahreszeit zeigen können. Einen noch dunkleren Film, der euch in die düstere Welt Lucio Fulcis führt, aus der es kaum ein Entkommen gibt…

Schattenlichter drückt es so aus: „Ein Schauer-Splatter-Märchen, das uns im besten Fall für 82 Minuten zu Traumwandlern werden lässt,…“ (Quelle: http://schatten-lichter.blogspot.de/2014/02/quella-villa-accanto-al-cimitero-1981.html)

Das Haus an der Friedhofsmauer, Regie: Lucio Fulci, Darsteller: Catriona MacColl, Paolo Malco, Ania Pieroni, Giovanni Frezza, Silvia Collatina, Dagmar Lassander, Giovanni De Nava, Daniela Doria, Giampaolo Saccarola, Carlo De Mejo, Kenneth A. Olsen, Teresa Rossi Passante, I 81 Minuten

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