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Weird Xperience Open-Air – Teil 2: „Frankensteins Todesrennen“/“Die Gewalt bin ich“-Double-Feature am 25. Juni

Schlag auf Schlag geht es für Weird Xperience im Juni. Gerade haben wir uns noch von Godzillas Kampf gegen MechaGodzilla und dem Sternenduell rund um Stella Star erholt – da steht schon das nächste Großereignis ins Haus. Am Sonntag, den 25. Juni ab 20:00 Uhr heißt es beim Open-Air-Kino am Schlachthof ACTION!

Zuerst zeigen wir „Frankensteins Todesrennen“ von 1975 aus der Roger-Corman-Schmiede. In den faschistoiden USA der damaligen Zukunft wird die Masse mit einem gewaltverherrlichenden TV-Programm ruhig gehalten. Höhepunkt ist das „Death Race 2000“ (so auch der Originaltitel). An den Lenkern: David Carradine (bekannt aus der TV-Serie „Kung Fu“ und natürlich „Kill Bill“) und ein junger Sylvester Stallone vor seinem Durchbruch mit „Rocky“. Sly darf hier den bösen Wicht Machine Gun Joe Viterbo spielen, der förmlich über Leichen fährt, denn für das Töten von Passanten gibt es bei diesem Todesrennen schließlich Bonuspunkte, die von Geschlecht und Alter der Opfer abhängig sind. Der gefeierte Fahrer Frankenstein (Carradine) gilt als Mann der Regierung und ahnt nicht, dass seine Copilotin Annie Mitglied einer Widerstandsbewegung ist, die ihm nach dem Leben trachtet. Frankenstein ist jedoch keine Marionette des Systems und verfolgt eigene Pläne.

Trashfilm-Pionier und Kultfigur Paul Bartels (immerhin Jurymitglied der Berlinale im Jahr 1979) führte bei diese actionreichen Polit-Satire Regie. Produziert wurde sie von der Legende Roger Corman, der sich damit an den Erfolg von „Rollerball“ heften wollte. 2008 folgte ein erstes Remake mit Jason Statham in der Carradine-Rolle, welches noch zwei Direct-to-video-Sequels bekam. Eine offizielle Fortsetzung produzierte Roger Corman letztes Jahr unter dem Titel „Death Race 2050“ dann selber. Der Film kam Anfang des Jahres in den USA veröffentlicht. Seine Spuren hinterließ „Frankensteins Todesrennen“ seit Anfang der 80er Jahre auch in zahlreichen Computerspielen, dies ich von dem blutigen Treiben auf der Piste inspirieren ließen.

 

 

 

 

 

Danach geht es gleich weiter mit einem Klassiker des Poliziottesco – jener italienischen Spielart des Polizeifilms in der es immer ordentlich kracht und rumst.

Kaum ist „der Chinese“ (Tomas Milian) aus dem Gefängnis geflohen, lässt er umgehend den Mann exekutieren, der ihn einst hinter Gitter brachte: Den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli). Doch Tanzi überlebt den Mordanschlag. Offiziell für Tod erklärt, macht sich Tanzi auf eigene Faust daran, dem „Chinesen“ das Handwerk zu legen. Währenddessen hat dieser mit dem mächtigen Gangsterboss Di Maggio (John Saxon) einen Pakt geschlossen. Doch die Zusammenarbeiten zwischen den beiden läuft nicht reibungslos, und Tanzi gelingt es immer wieder, neuen Sand ins Getriebe zu streuen. Bald schon steuert Rom auf einen blutigen Bandenkrieg zu…

Nach dem Erfolg von „Die Viper“ drehte Umberto Lenzi 1977 diese Quasi-Fortsetzung namens „Die Gewalt bin ich“. Maurizio Merli darf dabei wieder in die Rolle des Kommissar Tanzi schlüpfen, der hier allerdings den Dienst quittiert hat und nunmehr als Privatmann die Unterwelt aufmischt. Und so pflügt der wilde Ex-Cop durch die Reihen der Gangster. Immer mit akkuratem Seitenscheitel und korrekt gestutzten Schnauzer. Das üppige Brusthaar aus dem zu weit aufgeknöpften Hemd wallen lassend und einen bedenklichen Faible für Goldkettchen zu Schau stellend.

Ebenfalls aus „Die Viper“ wurde Tomas Milian übernommen, der hier wie dort den Part des Bösewichts übernimmt. Sein „Chinese“ ist durchtrieben, skrupellos und mit einer großen Bauernschläue gesegnet. Neben Merli und Milian, ist Genre-Vertan John Saxon zu sehen. Saxon konnte schon 1977 auf eine lange und ereignisreiche Karriere zurückblicken. So war er nicht nur im „ersten“ Giallo mit von der Partie, sondern spielte auch den Hauptcharakter in „Der Mann mit der Todeskralle“. In den 70er Jahren tauchte er vermehrt in italienischen Polizeifilmen auf. 1980 war er bei Antonio Margheritis „Asphalt-Kannibalen“ dabei und ab 1984 in dem Horrorklassiker „A Nightmare on Elm Street“ nebst zwei der Sequels. In „Die Gewalt bin ich“ spielt er einen eleganten Gangsterboss, der auch schon mal selbst Hand anlegt, wenn er einen Verräter mit Golfschläge aus kurzer Distanz foltert. In einigen Szenen meint man, dass er sich einen Spaß daraus macht, Marlon Brandos „Paten“ zu parodieren.

„Die Gewalt bin ich“ ist gute alte Action-Unterhaltung aus dem sonnigen Italien mit tollen Hauptdarstellern und perfekter Musikuntermalung durch Franco Micalizzi. Da hoffen wir doch mal auf gutes Wetter, damit das südländische Flair auch so richtig rüberkommt.

Weird Xperience Open-Air: „Die Brut des Teufels“/“Star Crash“-Double-Feature am 08. Juni

Wir sind schon ganz aufgeregt, denn am Donnerstag, den 08. Juni um 20:00 Uhr geht es mit unserer Reihe Weird Xperience schon wieder weiter! Und wir sind wieder dort, wo wir uns schon in den letzten Jahren sauwohl gefühlt haben: Beim tollen Open-Air-Kino am Schlachthof! Wir hoffen, dass das Wetter wieder so toll mitspielt wie in den Vorjahren und wieder viele Filmfreunde den Weg zu finden werden.

Für dieses Jahr haben wir wieder ein kunterbuntes Programm zusammengeschnürt. Am ersten von zwei Abenden springen wir zwischen den Kontinenten hin und her und präsentieren Science Fiction aus Japan und Italien. Und eine kleine Einführung vor jedem Film gibt es natürlich auch wieder.

Die Brut des Teufels (1975)

In „King Kong gegen Godzilla“ wurde der Riesenroboter MechaGodzilla vom Original zerstört und seine Einzelteile im Meer verstreut. In „Die Brut des Teufels“ macht sich zunächst ein japanisches U-Boot auf, diese Teile zu bergen. Doch die Mission endet jäh, als das U-Boot von einem geheimnisvollen Monster zerstört wird. Interpol-Agent Murakoshi (Katsumasa Uchida) und Biologe Ichinose (Katsuhiko Sasaki) hegen den Verdacht, dass hinter dem Unglück der Titanosaurus stecken könnte…

Nach dem durchaus erfolgreichen „King Kong gegen Godzilla“ kehrte der große Ishirō Honda auf den Regiestuhl zurück. Honda hatte 1954 den ersten „Godzilla“-Film inszeniert und blieb der Serie nicht nur bis Ende der 60er treu, sondern bracht noch zahlreiche andere Kaijū-Klassiker wie „ Die fliegenden Monster von Osaka“ (mit dem Flugsaurier Rodan), „Mothra bedroht die Welt“ (mit der gleichnamigen Riesen-Motte) oder „ Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht“ auf den Weg. Es sollte sein letzter eigenständiger Spielfilm bleiben. In den 80er und 90er Jahre arbeitete er ausschließlich als enger Mitarbeiter seines guten Freundes und Kollegen Akira Kurosawa.

In einem recht geschickten Schachzug brachten die Produzenten gleich noch MechaGodzilla wieder zurück. Jenes Monster, dass beim letzten Film so gut eingeschlagen hatte. Und gerade in der zweiten Hälfte sehr temporeiche Film liefert wieder gute Monsterunterhaltung und entfernt sich deutlich von der zuvor Einzug gehaltenen Infantilisierung. Leider war 1975 die große Zeit des japanischen Monster-Films vorbei und dem Publikum stand der Sinn nach anderer Unterhaltung. Gerade mal 980.000 Besucher wollten den neuen Godzilla-Film sehen. Das war ein neuer Minus-Rekord. Toho stellte daraufhin die Produktion von Monsterfilmen ein. Erst zu seinem 30jährigen Jubiläum sollte Godzilla in „Godzilla – Die Rückkehr des Monsters“ wieder aus der Versenkung auftauchen.

Direkt im Anschluss duellieren sich die Sterne.

Star Crash – Sterne im Duell (1978)

Die berüchtigte Schmugglerin Stella Star und ihr treuer Robotorfreund Akton werden vom Chef der galaktischen Polizei gefangen genommen. Doch der galaktische Imperator lässt sie wieder frei. Dafür sollen sie ihm helfen, seinen einzigen Sohn Simon zu finden, der auf der Suche nach dem bösen Graf Zarth Arn war, welcher eine Superwaffe entwickelt hat. Damit beginnt für Stella Star eine aufregende und gefährliche Reise kreuz und quer durchs Weltall, bei der sie auf wilde Amazonen, Höhlenmenschen und die geheime Basis des bösen Grafen trifft.

Wir schreiben das Jahr 1978. Die ganze Welt staunt noch über den phänomenalen Erfolg von George Lucas‘ Sternenoper „Star Wars“. Die ganze Welt? Nein. Die Italiener haben schon längst die Ärmel hochgekrempelt und frei nach dem Motto „Selbst ist der Mann“ damit begonnen, ihre eigenen Sternenkriege zu inszenieren. Natürlich mit einem Bruchteil des Budgets, welches Lucas zur Verfügung stand, dafür mit viel Enthusiasmus. Unter ihnen ein junger Mann,namens Luigi Cozzi, der ein riesiger Fan des phantastischen Films war und sich bei „Star Crash – Sterne im Duell“ nach Herzenslust austoben durfte. Er baut eine Hommage an den großen Stop-Motion-Künstler Ray Harryhausen mit ein, lässt quietschbunte Raumschiffe durch ein ebenso buntes All gleiten, in dem die Sterne in allen Farben leuchten.

Und mittendrin sie: STELLA STAR! Die wunderschöne, aufregende Caroline Munro. Schwerbewaffnet und im Lederbikini gibt sie die harte Schmugglerin. Da kann Han Solo einpacken. Wie vielen Heranwachsenden hat diese Überfrau wohl die Nächte geraubt? Auch Joe Spinell (als böser Graf Zarth Arn) sollte zwei Jahre später für schlaflose Nächte sorgen. Allerdings aus anderen Graden, denn da spielte er die Titelrolle im berüchtigten Slasher „Maniac“.

Des Weiteren mit am Bord des Sternenkreuzers „Star Crash“: Christopher Plummer als guter Imperator und ein blutjunger David Hasselhoff (!) als sein einziger Sohn Simon. Ja, für „The Hoff“ gab es ein Leben vor „Knight Rider“, auch wenn er da heute vielleicht nicht mehr gerne drüber spricht. Erwähnenswert auch die grandiose Musik, denn sie stammt aus der Feder des berühmten „James-Bond“-Komponisten John Barry!

Weiter geht es dann am Sonntag, den 25. Juni, wieder um 20:00 Uhr.

Mehr dazu später…

Weird Xperience im Mai: KING KONG GEGEN GODZILLA in der Schwankhalle

Darauf haben wir alle sehr lange gewartet: WEIRD XPERIENCE ist zurück. Weiter geht es am 12. Mai um 21:30 Uhr. Dann sind wir erstmals in der Schwankhalle zu Gast. Hintergrund ist das Projekt A.r.G.da.Na.ni (Aus rechtlichen Gründen darf Name nicht genannt werden) des Bremer Künstlers Jan van Hasselt, welches am 18. und 19.5. in der Schwankhalle läuft. Ein Ton-Bild-Vortrag über „eine Art Dino mit Stacheln auf dem Rücken, der eine Kulisse aus Miniaturhäusern zertrampelt und einen Schrei ausstößt, der klingt, als wäre ein Grammophon kaputt. Er darf nicht gezeigt werden, und sein Name nicht genannt. Denn die japanische Produktionsfirma Toho achtet peinlich genau auf den Schutz der Trademark. Was fasziniert so an Argdanani? Wer ist er? Und was will er eigentlich hier? Antworten sucht der Filmemacher Jan van Hasselt auf der Bühne und im Video-Interview mit Experten wie Jörg Buttgereit, Sebastian Krehl, Dietrich Kuhlbrodt, Jürgen Palmtag und Christoph Spehr.“ Im Vorfeld hatte uns Jan gefragt, ob wir von WEIRD XPERIENCE nicht einen Film mit diesem ominösen Dino zeigen könnten. Und dieser Bitte sind wir nur zu gerne nachgekommen. Und wir haben sogar dafür gesorgt, dass wir den Namen des Untieres nennen dürfen!

Laut einer alten Legende aus Okinawa, soll wenn ein schwarzer Berg in den Bergen hoch über die Wolken hinaus ragt, ein Monster auftauchen und versuchen, die Welt zu zerstören. Als diese Prophezeiung eintrifft ist es zum allgemeinen Erstaunen Godzilla, der dort als Weltenzerstörer agiert. Erst zertrümmert Godzilla einige Häuser, dann bringt er fast seinen alten Kumpel, den Igel-ähnlichen Anguirus, um. Doch schnell ist das Geheimnis gelüftet. Dieser Godzilla ist gar nicht der echte Godzilla, sondern ein riesiger Roboter namens „King Kong“ (zumindest in der deutschen Fassung), der von Außerirdischen hergestellt wurde, um ihnen zu helfen, die Erde zu unterjochen. Da hat die Menschheit Glück, dass bald schon der echte Godzilla auftaucht und sich schließlich zusammen mit Okinawas Schutz-Gottheit King Caesar dem stählernen Unhold stellt…

Der Ruf der in den 70er Jahren unter der Regie von Jun Fukuda entstanden Godzilla-Streifen mag nicht der beste sein. Tatsächlich sind sie sehr viel bunter, kindischer und lustiger als jene Filme aus den 50er und 60er, für die noch Godzilla-Schöpfer Ishirô Honda verantwortlich war. Wer darüber hinwegsehen kann und sich ein junges Gemüt bewahrt hat, wird aber besonders mit „King Kong gegen Godzilla“ seine Freude haben. Insbesondere, da hier auf nervige Kinderdarsteller verzichtet wurde und mit Mech-Godzilla einer der coolsten Gegner Godzillas seinen ersten Auftritt hat. GoMecha-Godzilla hört in der deutschen Fassung – wie vor ihm schon der Roboter Jet Jaguar – auf den Namen „King Kong“. Ob man in Deutschland – wo der Film am 20. Dezember 1974 anlief – darauf spekulierte, dass er von dem damals erwarteten Erfolg des amerikanischen „King Kong“-Remakes, partizipieren könne oder einfach eine Kontinuität zum Vorgänger herstellen sollte (die 60er Filme waren ja in Deutschland durch einen imaginären „Frankenstein“ im Titel miteinander verbunden) sei dahingestellt.

 

 

 

 

 

Trailer für A.r.G.da.Na.ni

Weird Xperience im März: Ein geheimnisvoller Vampirfilme und „Unknown Pleasures“-Party

Aller guter Dinge sind drei. Nachdem ja sowohl die Januar- als auch die Februarvorstellung zu unserer großen Enttäuschung kurzfristig ausfallen mussten, hoffen wir sehr, dass es diesmal endlich wieder klappt. Die Vorzeichen sind auf jeden Fall gut.

Weird Xperience kehrt am 10. März in die etage3 im Kulturzentrum Lagerhaus zurück. Eintritt ist wie immer ab 20:00 Uhr. Der Film beginnt um 20:30 Uhr – wieder mit einer Einführung von uns.

Diesmal haben wir einen Kooperationspartner dabei. Die Jungs von „Unknown Pleasures“ bieten in Anschluss an den Film „ein apokalyptisches Abendprogramm“. Das erweiterte UP-DJ-Team bestehend aus A.I., Slow Pulse Boy und Deaster Area (Souterrain Bizarre) auch einen musikalischen Horrortripp durch verschiedene Genres, wie Postpunk, EBM, Darkwave, Gothic Rock, Folk Noir und Artverwandtem.

 

 

Dafür haben wir dann den passenden Film im Gepäck. Aus gewissen Gründen können wir den Titel des Filmes hier nicht nennen. Darum nur einige Hinweise. Es handelt sich um einen Vampirfilm des großen französischen Meisters Jean Rollin. Rollin wurde vor allem durch seine erotisch-surrealen Vampirfilme bekannt und schuf in den 70ern seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil, der leider allzu häufig auf das Schlagwort „Sexvampire“ reduziert wird. Tatsächlich sind seine Filme traumwandlerische Meisterwerke, die einem langsam unter die Haut kriechen und Elemente von Märchen, Groschenromanen und diesen merkwürdigen Träumen kurz vor dem Aufwachen vermischen.

Dies gilt auch für den von uns gezeigten Film, der 1982 entstand. Erhandelt von der tragisch-blutigen Liebesgeschichte zwischen der unfreiwillig von den Toten auferstandenen Catherine, die sich nun von Blut ernähren muss, und ihrer besten Freundin Hélène, die sich weigert an dem Tod des geliebten Menschen zu glauben und sie mit immer neuen Opfern versorgt. Leider sah man in Deutschland den Film nicht als melancholisches und tieftrauriges Märchen, sondern starrte lediglich auf die zugeben teilweise recht deftigen Splatterszenen. So dass der Film derart in Ungnade fiel, dass wir die Geschichte um das „lebende tote Mädchen“ hier nicht beim Namen nennen können.

Im Ausland hat man seine Qualitäten sehr viel besser erkannt.

„(Titel des Filmes) stands out as one of Rollin’s most powerfully acted films, with Blanchard’s doll-like demon in particular resonating with the memory of an earlier French heroine of horror cinema: Catherine Deneuve in Roman Polanski’s REPULSION (1965)“ Tim Lucas, Video Watchdog

„(Titel des Films) stands as a near masterpiece of gothic horror filmmaking. It combines just the right amount of horror, sexuality and sensuality, and social commentary overtop of a few bookends that tie everything into a sense of childhood naivety which does manage to get under your skin and into your head at the same time.“ – Ian Jane, Rock! Pop! Shock!

„(Titel des Films) is something that I didn’t expect. I knew that it was one of Rollin’s bloodier films, and I knew that it was technically a zombie film, but I didn’t expect it to be so touching (…) a great film more spite of its gore than because of it. Definitely worth checking out.“ – Charlie Hobbs, Screen Anarchy

Wir denken, der Film passt perfekt in diesen Abend mit den Freunden von Unknown Pleasures und freuen uns sehr auf den 10. März, wenn es dann endlich wieder „Willkommen bei Weird Xperience“ heißt.

Weird Xperience im Februar: MOTORPSYCHO… WIE WILDE HENGSTE + 60s Party

Nachdem wir die letzte Veranstaltung leider kurzfristig absagen mussten, startet das neue Weird-Xperience-Jahr jetzt wirklich am 17. Februar. Und das gleich mit einem Doppelkracher. Zunächst zeigen wir einen Film unseres Hausgotts Russ Meyer und zwar seinen tollen MOTORPSYCHO – WIE WILDE HENGSTE. Eintritt ab 20:00 Uhr, der Film beginnt um 20:30 Uhr. ACHTUNG: Diesmal sind wir aus organisatorischen Gründen nicht am 2., sondern erst am 3. Freitag in Aktion!

Der Film geht dann dann nahtlos in die 60s Party unseres diesmaligen Kooperationspartners über:  A Tribute To Sir Mindbubbles Lightshow Experience vol. 2. Ein akustischer und optischer Trip durch Raum und Zeit! Alte und neue Perlen des Mod- und Freakbeat, Garage-Punk & Psychedelic… mit Ex Agent Wolfinger, Lord Becker und reklovski. Darauf freuen wir uns schon sehr!

Russ Meyers „Motorpsycho… wie wilde Hengste“ ist eine Vorstudie zu seinem Opus Magnum „Faster Pussycat, kill, kill“. In „Motorpsycho“machen drei junge Männer, unter der Führung des traumatisierten Vietnam-Veteranen Brahmin, auf ihren Motorrädern die Gegend unsicher und vergewaltigen die hübsche junge Frau des liebenswerten Veterinärs Maddox. Da der zynische Sheriff – Regisseur Russ Meyer höchstpersönlich als Ausbund von gefühlskalter Ekelhaftigkeit – mehr Interesse an den Geschlechtsteilen des Opfers, als in der Verfolgung der Übertäter hat, macht sich Maddox selber auf den Weg, die drei „wilden Hengste“ zu stellen. Auf der Jagd nach den Dreien findet er eine junge Frau namens Ruby, gespielt von der späteren „Pussycat“ Haji.

In diesem für Meyers Verhältnisse ungewöhnlich männerzentrierten und frauenarmen Film ist Haji die Überfrau Ruby, die voller Energie und Selbstbewusstsein zunächst vehement ihren schwächlichen Ehemann beschimpft und dann später mit vollem Körpereinsatz versucht, sich mittels Verführungskunst aus der Schlinge zu befreien. Kein Wunder, dass den drei Rowdys bei soviel geballter Weiblichkeit nichts weiter einfällt, als Ruby über den Haufen zu schießen. Überhaupt zeigen die Drei nichts von der gefährlichen Stärke und dem Selbstbewusstsein, welches ihre drei weiblichen Nachfolger auszeichnet. Brahmin und seine Jungs vergreifen sich grundsätzlich an Schwächeren und scheuen den offen Kampf. Sie sind gefährliche Feiglinge, die sich am Ende nur mit Flucht oder Waffengewalt zu wehren wissen.

In dem nachfolgenden Film „Faster Pussycat, kill, kill“ wird Meyer dann die Geschlechter seiner Antagonisten einfach umdrehen und Aus den drei feigen Rowdys werden drei starke Frauen. Aus den leichten Motorrädern schwere Autos. Andere Dinge bleiben aber gleich. So sind Varla und Rosie die Spiegelbilder von Brahmin und Dante in „Motorpsycho“. Besonders deutlich werden die Parallelen bei dem bzw. der Dritten im Bunde. Billie und Slick sind jeweils die Außenseiter in der Gruppe, und werde von den anderen beiden nicht für voll genommen. Auffälligerweise benutzen beiden dasselbe Taschenradio, aus dem der jazzig-swingende Soundtrack der Filme plärrt. Allerdings ist Slick ein naiver Idiot, während Billie eine eigenwillige, unabhängige Frau ist, die trotz der Dominanz ihrer Partnerinnen ihr eigenes Ding durchzieht.

„Motorpsycho“ zog bei seiner Deutschlandpremiere gleich den Zorn des Evangelischen Filmbeobachters auf sich, der schrieb: „Amerikanischer Film unterster Machart, der mit drei Motorradgangstern und durch Vergewaltigung und Mord gern ein Geschäft machen möchte. Abzulehnen.“ Schön, dass sich diese christlich-konservative Meinung nicht durchsetzte, denn „Motorpsycho“ ist heute ein Kultfilm (sowie Namensgeber einer der legendären Band) und ein wichtiger Film der sechziger Jahre. War er doch einer der ersten, der die Traumatisierung amerikanischer Soldaten im Vietnamkrieg thematisierte.

FÄLLT LEIDER AUS (Weird Xperience im Januar: John Waters‘ POLYESTER)

Wir hoffen Ihr seit gut ins neue Jahr gestartet. Wir legen am Freitag, den 13. wieder los und begrüßen das neue Weird-Xperience-Jahr nicht mit dem gleichnamigen Film, sondern mit einem Klassiker aus dem Haus des guten schlechten Geschmacks. Wir sind in der Vergangenheit öfters angesprochen worden, ob wir nicht mal einen Film von John Waters zeigen könnten. Wir haben den Wunsch erhört und präsentieren Euch zum Jahresauftakt in der etage3/Lagerhaus seinen 1981 entstandenen Film POLYESTER. Eintritt ab 20:00 Uhr, der Film beginnt um 20:30 Uhr.

POLYESTER ist ein Film des Übergangs. Nicht ganz so ekelig und underground, wie Waters vorherige Filme PINK FLAMINGOS oder DESPERATE LIVING, aber noch nicht ganz so subversiv Mainstream-Kino imitierend wie HAIRSPRAY oder CRY BABY. Auch das komplette Waters-Ensemble ist dabei: Divine, Mink Stole, Edith Massey und all die anderen. In einer Nebenrolle ist ferner Punk-Legende Stiv Bators von The Dead Boys und The Lords of the New Church zu sehen. Das passt. POLYESTER ist eine bitterböse Satire auf das ideale amerikanische Vorstadtleben mit allem was dazu gehört: Scheidung, Abtreibung, Fremdgehen, Alkoholismus, Fussfetischismus und der religösen Rechten. Da können die „Desperate Housewives“ einpacken.

Francine Fishpaw (Divine) möchte ein ganz normales Leben in einer ganz normalen Familie in einer ganz normalen Vorstadt von Baltimore führen. Das ist ihr aber nicht vergönnt. Die Familie Fishpaw droht auseinanderzubrechen: Ehemann Elmer, Besitzer eines Pornokinos, hat eine Affäre mit seiner Sekretärin (Mink Stole), die Tochter lässt sich von einem stadtbekannten Rowdy (Stiv Bators) schwängern, der Sohn ist der berüchtigte „Baltimore-Fußstampfer“. Trost und Rückhalt findet Francine im Alkohol und bei ihrer Freundin Cuddles ((Edith „The Egglady“ Massey). Der Held ihrer Tagträume ist der Playboy Todd Tomorrow (50er Jahre Hollywood-Beau Tab Hunter).

Bei der Uraufführung wurde der Film im Odorama-Verfahren (Geruchskino) gezeigt. Die Kinobesucher erhielten Rubbelkarten, die bei Benutzung den zur Szene passenden Geruch verströmen. Die Gerüche beinhalteten: 1. Rosen, 2. Flatulenz, 3. Klebstoff, 4. Pizza, 5. Benzin, 6. Stinktier, 7. Gas, 8. Neuer PKW (innen), 9. Schmutzige Schuhe, 10. Lufterfrischer. Bei unser Aufführung haben wir leider keine Odorama-Karten dabei. Angesichts der Nummern 2, 6 und 9 ist dies aber vielleicht kein allzu großer Verlust.

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Weird Xperience im Dezember: Das Haus an der Friedhofsmauer

friedhof_bildEin Nebel legt sich über Bremen, von der Weser aus schiebt er sich über die Innenstadt, der Dom ist kaum noch zu sehen. Noch unheimlicher als das? Am 9. Dezember könnt ihr das unheimliche Haus an der Friedhofsmauer (Quella villa accanto al cimitero, 1981) sehen, um 20 Uhr (Einlass) in der Etage 3 des Kulturzentrum Lagerhaus.

Lucio Fulci schuf 1981 ein Monster des durchgeknallten Haus – Horror – Films und geht natürlich viel weiter als die amerikanischen Vorgänger wie Shining oder Amityville Horror.

Versuch einer Handlungsbeschreibung:Dr. Peterson ermordet seine Geliebte und sich selbst, was etwas mit seinen Experimenten zu tun hat. Sein Kollege, Dr. Norman (!) Boyle, möchte herausfinden, was Peterson dazu trieb, und zu diesem Zweck die Forschungen weitermachen. Dazu zieht er mit seiner Familie in ein Haus direkt neben einem Friedhof, das 100 Jahre vorher dem nicht gut beleumdeten Forscher Dr. Freudstein (!!!) gehörte. Normans Sohn Bob hat eine unsichtbare Freundin, die vor dem Haus warnt.

friedhofsmauer_schlitzAuch wir halten Dr. Boyles Plan eigentlich nicht für durchdacht, aber durch diese Ideen der Drehbuchautoren bekommen wir dieses herrliche Stück Horror. Denn Dr. Freudstein ist mitnichten tot, viel mehr benutzt er die Toten als eigenes Ersatzteillager, um im Keller eine Unsterblichkeit zu leben. Ob das so erstrebenswert ist?

Fulci lässt es krachen: In bester italienischer Tradition fügt er alten Gothic-Horror und amerikanische moderne Mythen zusammen, und garniert das mit furchtbaren Masken und viel viel Blut und Innereien. Es gelingt ihm kein artifizieller Höhenflug wie seinen Zeitgenossen Romero und Argento, doch entwickelte er seinen eigenen Stil. Er ist derber, direkter und in Sachen Explizität wohl ungeschlagen. Gut, die Logik wird an der Garderobe abgegeben, aber dafür sieht man keinen Fulci.friedhofsmauer_freudstein

Mit Sergio Salvati hat er einen ebenbürtigen Partner an der Kamera gefunden. Die Einstellungen, die Farben, die Perspektiven, wie die Szenen aufgelöst werden passt sehr gut zu Fulcis Stil und lässt ja auch andere gemeinsame Filme wie „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“, „Ein Zombie hing am Glockenseil“ und „Über dem Jenseits“ erstrahlen.

Um sich herum versammelte er eher eine unbekannte, aber sehr passende Schauspielerschar, die einzige mit weiteren bekannten Meriten ist Dagmar Lassander, die in vielen deutschen und italienischen Genre-Produktionen der 60er bis 80er die laszive Verführerin gab. Ihr habt sie bestimmt an der Seite von Bud Spencer in „Plattfuß in Afrika“ gesehen.

So freuen wir uns, dass dieses Werk seit 2014 nicht mehr indiziert ist und wir ihn euch in der dunklen Jahreszeit zeigen können. Einen noch dunkleren Film, der euch in die düstere Welt Lucio Fulcis führt, aus der es kaum ein Entkommen gibt…

Schattenlichter drückt es so aus: „Ein Schauer-Splatter-Märchen, das uns im besten Fall für 82 Minuten zu Traumwandlern werden lässt,…“ (Quelle: http://schatten-lichter.blogspot.de/2014/02/quella-villa-accanto-al-cimitero-1981.html)

Das Haus an der Friedhofsmauer, Regie: Lucio Fulci, Darsteller: Catriona MacColl, Paolo Malco, Ania Pieroni, Giovanni Frezza, Silvia Collatina, Dagmar Lassander, Giovanni De Nava, Daniela Doria, Giampaolo Saccarola, Carlo De Mejo, Kenneth A. Olsen, Teresa Rossi Passante, I 81 Minuten

Weird Xperience im November: WE ARE THE FLESH

wearetheflesh_aAm Freitag, den 11.11. verzichten wir großzügig auf närrisches Treiben und präsentieren Euch einen hammerharten Schocker, der nichts für zartbesaitete Gemüter ist: WE ARE THE FLESH! Los geht es wie immer um 20:30 Uhr (Einlass ab 20:00 Uhr) in der etage3 des Kulturzentrums Lagerhaus.

In einer möglichen Post-Apokalypse treffen die Geschwister Fauna (María Evoli) und Lucio (Diego Gamaliel) auf den verwilderten Mariano (Noé Hernández), der in einem der letzten halbwegs intakt gebliebenen Gebäude haust. Als Gegenleistung für Unterkunft und Verpflegung müssen sie für ihn mit Holzlatten, Pappe und Unmengen von Paketklebeband eine Art Filmset bauen, welches an eine Mischung aus Geburtskanal und B-Movie-Hölle erinnert. Mariano hat allerdings noch mehr Pläne mit ihnen und so erleben Fauna und Lucio bald ihr ganz eigenes Inferno…

Das klingt noch recht banal, entwickelt sich aber schnell zu einem wahren Höllentrip aus Kannibalismus, Defäkationen, Geburtsmetaphern und -szenen, Menschenopfer, pornografischer Sex und Großaufnahmen von Genitalien beiderlei Geschlechts. WE ARE THE FLESH lief in diesem Jahr auch auf dem Fantasy Filmfest und vor Kurzem auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg. Hier ein paar Pressestimmen, um Euch darauf einzustimmen, was Euch erwartet.

wearetheflesh2WE ARE THE FLESH lässt das transgressive Kino der 70er- und frühen 80er-Jahre wieder aufleben und saut rum, dass es eine Freude ist. – Thorsten Hanisch, Das Manifest

Als Aktualisierung einer wichtigen Traditionslinie des Kinos, als Beitrag zu einer Poesie der Transgression und Fleischlichkeit, als Film über das Unbehagen des Geboren-Seins und die romantische Sehnsucht der Kunst danach, zu einer Zone des Erlebens jenseits der Tabus zurückzugelangen, ist „We are the Flesh“ (…) ein rundum starker, toller Film. – Thomas Groh, perlentaucher.de

Inzest, Nekrophilie und Sexszenen im Wärmebild-Look: Das ebenso skandalträchtige wie experimentelle Debüt des Mexikaners Emiliano Rocha Minter erinnert an die Filme Gaspar Noés. Und führt vor, wie limitiert die Filmsprache im alltäglichen Kinobetrieb sonst ist. – Martin Gobbin, critic.de

wearetheflesh3jpgEmiliano Rocha Minter is very much the author of all the chaos wrought here, and his thoroughly arresting vision could squat quite comfortably alongside Hieronymus Bosch’s depiction of hell. – Catherine Bray, variety.com

WE ARE THE FLESH is a singular vision unlike anything else you may experience, even if that experience is just as likely to entrance as it is to alienate. – Ken W. Hanley, fangoria.com

Das Spielfilmdebüt des 26-jährigen mexikanischen Regisseur Emiliano Rocha Minter sorgte entweder für absolute Begeisterung und wearetheflesh1unverhohlene Abscheu. Kalt lässt es niemanden. Wir freuen uns, Euch dieses kontroverse Stück Grenzüberschreitung als Bremen-Premiere zeigen zu können.

Tritt ein, wenn Du Dich traust!

OT: Tenemos la carne, R: Emiliano Rocha Minter, D: Noé Hernández, María Evoli, Diego Gamaliel, Mexiko/Frankreich 2016, 79 Minuten

Weird Xperience im Oktober: TRUE LOVE WAYS (zweiter Versuch)

Vor genau einem Jahr wollten wir bei Weird Xperience den Film „True Love Ways“ zeigen. Aufgrund technischer Probleme hat das leider nicht geklappt. Jetzt – ein Jahr später – holen wir die ausgefallenen Vorstellung nach. Allerdings diesmal nicht am zweiten Freitag im Monat, sondern ausnahmsweise einmal am dritten Freitag, den 21. Oktober! Grund ist ein „Betriebsausflug“ des Weird Xperience-Teams nach Düsseldorf zum 7. Öffentlichen Forentreffen von Deliria Italiano. Der Ort bleibt aber derselbe: Die Etage 3 im Lagerhaus (Schildstr.12-19, 28203 Bremen). Und „True Love Ways“ ist auch weiterhin eine Bremen-Premiere. Einlass beginnt um 20:00 Uhr, der Film startet um 20:20 Uhr.

TRUE LOVE WAYS (2015)

Da soll noch einmal einer behaupten, aus Deutschland kommen keine guten Genrefilme! Zur Not wird auch mal eben ein Schweizer, wie den Filmemacher Mathieu Seiler, importiert, um zu zeigen, dass auch hier genremäßig die Axt kreist.

Mit „True Love Ways“ hat Seiler einen Giallo-Slasher-Thriller-Hybrid mit Retro-Charme geschaffen, der u.a. auf dem Brussels International Fantastic Film Festival lief und dort für begeisterte Kritiken sorgte. So wurde der Film in einem Atemzug mit dem frühen Polanski genannt. Was nicht nur daran liegt, dass sich Seiler für Schwarz-Weiß als Stilmittel entschieden hat. Harald Mühlbeyer schreibt beispielsweise auf kino-zeit.de: „Der ganze Film hat einen eigenen Pulp-Charme, und das latent bis akut Trashige erscheint fast als bewusstes Stilmittel.“true-love-ways-07

„True Love Ways“ handelt von der jungen und selbstbewussten Séverine. Bevor sie für ein paar Tage Tage ans Meer fährt, trennt sie sich von ihrem Freund Tom. Der betrinkt dieser sich in einer Kneipe, wo er von einem Mann angesprochen wird, der eine Lösung für sein Problem anbietet. Séverine soll während ihrer Fahrt ans Meer überfallen und dann von Tom gerettet werden. So würde Tom seine Séverine zurückerobern. Doch der Plan gerät außer Kontrolle: Séverine entkommt ihren Entführern. Als sie in einer Villa im Wald Hilfe sucht, wird sie Zeugin eines brutalen Verbrechens und muss um ihr Leben kämpft…

Mathieu Seiler mischt in seinem Film Splatter und klassischen Backwood-Slasher mit einer traumgleichen, kunstvollen Atmosphäre. Seine Heldin wird von finsteren Gestalten durch labyrinthische Kellergewölbe gejagt, gerät an eine grausame Snuff-Video-Bande und wird immer tiefer in einen Strudel aus Mord und Vergewaltigung gezogen. Doch wie der Schweizer Filmkritiker Michael Sennhauser schreibt: „Severine mag die schmollende Prinzessin geben, das trotzige Kind oder auch die erschreckte oder wütende junge Frau: Wenn es dann zur Sache geht und blutig wird, handelt sie entschlossen und schnell und vor allem unzimperlich. Schliesslich ist auch der Alptraum noch immer ihr Traum, und sie hat ihn gesucht.

Regie: Mathieu Seiler, Darsteller:Anna Hausburg, David C. Bunners, Kai-Michael Müller, Spielzeit: 1h 45 min

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Weird Xperience im September: LIQUID SKY

Am 9. September 2016 (Einlass 20 Uhr, Beginn circa 20:30) ist es wieder soweit: Weird Xperience präsentiert:

LIQUID SKY (1982)

ls4Wir befinden uns in der unheimlichen Welt New Yorks Anfang der 80er Jahre.
Drogen, Modells, New Wave und Sex bestimmen das Leben in Greenwich Village. Ein UFO landet auf dem Appartement des androgynen Modells Margaret. Infolge dessen sterben ihre häufig wechselnden Sexualpartner durch kristalline Pfeile, die sich durch die Köpfe bohren.
Der West-Berliner Forscher Johann beobachtet dies, er ist den Ausserirdischen schon länger auf der Spur. Seine Theorie: Sie ernähren sich von den Endorphinen, die sich bei Sex und Drogenkonsum freisetzen.
Margaret hingegen macht sich hingegen bewusst, dass sie immer nur eine Rolle war, sucht sich selbst und fängt an zu glauben, dass die UFO-Bewohner ihr helfen, sich zu erfahren und befreien. Irgendwann kommt es zum Zusammentreffen Johanns und Margarets…ls3
Ein wilder Mix der frühen Achtziger Themen: Sex, Drogen, Selbsterfahrung, Genderdefinition. Und das alles in der präzisen Ästhetik des New Wave. Kalte Neon Farben, grelle Einstellungen, Synthesizer Musik, die pluckert und blubbert. Eine androgyne Hauptdarstellerin, die auch ein männliches Model spielt. Und tatsächlich immer noch oder wieder aktuell. Ein Film wie aus einer Mischung aus Liquid Sky (damaliges Slangwort für Heroin) und Koks.
Geschrieben wurde der Film vom Regisseur Slava Tsukerman, seiner Frau und Mitproduzentin Nina V. Kerova und Hauptdarstellerin Anne Carlisle.
Anne Carlisle war zu der Zeit noch Kunststudentin, half aber auch den Film entstehen zu lassen. So wurde auch in ihrem Appartement, sozusagen an original Schauplatz, gedreht. Später wurde sie eine bekannte Performance Künstlerin, die auch Auftritte in Desperately Seeking Susan, Miami Vice und Crocodile Dundee hatte.
Slava Tsukerman war ein erfolgreicher TV-Dokumentarfilmer in Israel, bevor er nach New York ging. Leider drehte er danach nicht mehr viel, nach Deutschland kam keiner seiner späteren Filme. Er plant aber seit 2014 einen zweiten Teil mit Anne Carlisle.
Der Film bekam Preise auf unterschiedlichsten Filmfestivals weltweit, Montreal, Sidney, Manila, Brüssel und Cartagena, Kolumbien. Und wurde zu einem Underground-Klassiker.
Die zeitgenössische Kritik war auch begeistert:
„The funniest, craziest, most perversely beautiful, science-fiction movie ever made!“ schrieb zum Beispiel NY Magazine Kritiker Danny Denby. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer:
Viel Spaß auf unserer Zeitreise!

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R: Slava Tsukerman, D: Anne Carlisle, Paula E. Sheppard, Jack Adalist, Elaine C. Grove, Otto von Wernherr, Stanley Knap, Susan Doukas, Bob Brady, M: Brenda I. Hutchinson, USA 1982, 112 Minuten