Auch die Februar-Veranstaltung fällt leider aus :(

Liebe Weird-Xperience-Freunde,

schweren Herzens haben uns entschlossen, die Veranstaltung am Freitag abzusagen.
Der Grund dafür ist, dass es derzeit extrem unsicher ist, ob uns die etage3 am Freitag den Raum für unsere Veranstaltung zur Verfügung stellt.

Wie Ihr ja wisst, war für Freitag die Vorführung von „Motorpsycho“ mit einer anschließend stattfinden 60s-Party geplant. Der Termin stand seit November.

Vor zwei Wochen wurden wird davon überrascht, dass die 60s-Party auf Facebook abgesagt wurde.
Auf Nachfrage bei den Party-Veranstaltern haben wir erfahren, dass nicht sie, sondern die etage3 die Party gecancelt hat. Der Raum wird für eine Karnevals-Veranstaltung gebraucht.

Seitdem versuchen wir jemanden von der etage3 zu sprechen, was das denn dann für „Weird Xperience“ bedeuten würde. Denn bisher hat uns niemand mitgeteilt, dass der Raum am 17.2. nicht zur Verfügung steht. Leider hatte wir da bisher keinen Erfolg.

Nun gäbe es für Freitag also drei Szenarien

– Alles gut, die Absage betraf nur die Party und Weird Xperience findet wie ausgemacht statt
– Es kommt noch im Laufe der Woche eine Absage von Seiten der etage3
– Es kommt keine Absage und wir stehen am Freitag trotzdem vor verschlossenen Türen.

Nummer eins ist in Anbetracht der Umstände recht unwahrscheinlich, Nummer Zwei für alle Beteiligten sehr nervig und Nummer 3 für uns absolut indiskutabel.

Deshalb haben wir uns nun nach vielen inneren Kämpfen entschlossen, diesen Schritt zu gehen. Freitag fällt also (wieder) aus. Wie es weitergeht wird man sehen.

Wir können Euch nur eins versprechen: Weird Xperience ist nicht tot und arbeiten gerade intensiv daran, dass es ganz schnell weitergeht.

Liebe Grüße an Euch alle und Danke für Eure Geduld,

Marco & Stefan

Weird Xperience im Februar: MOTORPSYCHO… WIE WILDE HENGSTE + 60s Party

Nachdem wir die letzte Veranstaltung leider kurzfristig absagen mussten, startet das neue Weird-Xperience-Jahr jetzt wirklich am 17. Februar. Und das gleich mit einem Doppelkracher. Zunächst zeigen wir einen Film unseres Hausgotts Russ Meyer und zwar seinen tollen MOTORPSYCHO – WIE WILDE HENGSTE. Eintritt ab 20:00 Uhr, der Film beginnt um 20:30 Uhr. ACHTUNG: Diesmal sind wir aus organisatorischen Gründen nicht am 2., sondern erst am 3. Freitag in Aktion!

Der Film geht dann dann nahtlos in die 60s Party unseres diesmaligen Kooperationspartners über:  A Tribute To Sir Mindbubbles Lightshow Experience vol. 2. Ein akustischer und optischer Trip durch Raum und Zeit! Alte und neue Perlen des Mod- und Freakbeat, Garage-Punk & Psychedelic… mit Ex Agent Wolfinger, Lord Becker und reklovski. Darauf freuen wir uns schon sehr!

Russ Meyers „Motorpsycho… wie wilde Hengste“ ist eine Vorstudie zu seinem Opus Magnum „Faster Pussycat, kill, kill“. In „Motorpsycho“machen drei junge Männer, unter der Führung des traumatisierten Vietnam-Veteranen Brahmin, auf ihren Motorrädern die Gegend unsicher und vergewaltigen die hübsche junge Frau des liebenswerten Veterinärs Maddox. Da der zynische Sheriff – Regisseur Russ Meyer höchstpersönlich als Ausbund von gefühlskalter Ekelhaftigkeit – mehr Interesse an den Geschlechtsteilen des Opfers, als in der Verfolgung der Übertäter hat, macht sich Maddox selber auf den Weg, die drei „wilden Hengste“ zu stellen. Auf der Jagd nach den Dreien findet er eine junge Frau namens Ruby, gespielt von der späteren „Pussycat“ Haji.

In diesem für Meyers Verhältnisse ungewöhnlich männerzentrierten und frauenarmen Film ist Haji die Überfrau Ruby, die voller Energie und Selbstbewusstsein zunächst vehement ihren schwächlichen Ehemann beschimpft und dann später mit vollem Körpereinsatz versucht, sich mittels Verführungskunst aus der Schlinge zu befreien. Kein Wunder, dass den drei Rowdys bei soviel geballter Weiblichkeit nichts weiter einfällt, als Ruby über den Haufen zu schießen. Überhaupt zeigen die Drei nichts von der gefährlichen Stärke und dem Selbstbewusstsein, welches ihre drei weiblichen Nachfolger auszeichnet. Brahmin und seine Jungs vergreifen sich grundsätzlich an Schwächeren und scheuen den offen Kampf. Sie sind gefährliche Feiglinge, die sich am Ende nur mit Flucht oder Waffengewalt zu wehren wissen.

In dem nachfolgenden Film „Faster Pussycat, kill, kill“ wird Meyer dann die Geschlechter seiner Antagonisten einfach umdrehen und Aus den drei feigen Rowdys werden drei starke Frauen. Aus den leichten Motorrädern schwere Autos. Andere Dinge bleiben aber gleich. So sind Varla und Rosie die Spiegelbilder von Brahmin und Dante in „Motorpsycho“. Besonders deutlich werden die Parallelen bei dem bzw. der Dritten im Bunde. Billie und Slick sind jeweils die Außenseiter in der Gruppe, und werde von den anderen beiden nicht für voll genommen. Auffälligerweise benutzen beiden dasselbe Taschenradio, aus dem der jazzig-swingende Soundtrack der Filme plärrt. Allerdings ist Slick ein naiver Idiot, während Billie eine eigenwillige, unabhängige Frau ist, die trotz der Dominanz ihrer Partnerinnen ihr eigenes Ding durchzieht.

„Motorpsycho“ zog bei seiner Deutschlandpremiere gleich den Zorn des Evangelischen Filmbeobachters auf sich, der schrieb: „Amerikanischer Film unterster Machart, der mit drei Motorradgangstern und durch Vergewaltigung und Mord gern ein Geschäft machen möchte. Abzulehnen.“ Schön, dass sich diese christlich-konservative Meinung nicht durchsetzte, denn „Motorpsycho“ ist heute ein Kultfilm (sowie Namensgeber einer der legendären Band) und ein wichtiger Film der sechziger Jahre. War er doch einer der ersten, der die Traumatisierung amerikanischer Soldaten im Vietnamkrieg thematisierte.

ABSAGE: Weird Xperience im Januar fällt morgen leider aus

Liebe Weird-Xperience-Freunde,

leider müssen wir die Vorstellung morgen, am Freitag, den 13. (das ist wohl diesmal ein böses Omen) ausfallen lassen.
Grund hierfür sind technische Probleme, die bis morgen nicht behoben werden können. Uns ist selber gerade ziemlich zum Heulen.
Wir werden John Waters „Polyester“ aber zu gegebener Zeit nachholen. Versprochen!

Weiter geht es dann am 17. Februar (Achtung: Das ist diesmal der dritte Freitag im Monat) mit Russ Meyers „Motorpsycho!“. Mehr Infos dazu folgen noch.

Traurige Grüße,

Marco & Stefan

FÄLLT LEIDER AUS (Weird Xperience im Januar: John Waters‘ POLYESTER)

Wir hoffen Ihr seit gut ins neue Jahr gestartet. Wir legen am Freitag, den 13. wieder los und begrüßen das neue Weird-Xperience-Jahr nicht mit dem gleichnamigen Film, sondern mit einem Klassiker aus dem Haus des guten schlechten Geschmacks. Wir sind in der Vergangenheit öfters angesprochen worden, ob wir nicht mal einen Film von John Waters zeigen könnten. Wir haben den Wunsch erhört und präsentieren Euch zum Jahresauftakt in der etage3/Lagerhaus seinen 1981 entstandenen Film POLYESTER. Eintritt ab 20:00 Uhr, der Film beginnt um 20:30 Uhr.

POLYESTER ist ein Film des Übergangs. Nicht ganz so ekelig und underground, wie Waters vorherige Filme PINK FLAMINGOS oder DESPERATE LIVING, aber noch nicht ganz so subversiv Mainstream-Kino imitierend wie HAIRSPRAY oder CRY BABY. Auch das komplette Waters-Ensemble ist dabei: Divine, Mink Stole, Edith Massey und all die anderen. In einer Nebenrolle ist ferner Punk-Legende Stiv Bators von The Dead Boys und The Lords of the New Church zu sehen. Das passt. POLYESTER ist eine bitterböse Satire auf das ideale amerikanische Vorstadtleben mit allem was dazu gehört: Scheidung, Abtreibung, Fremdgehen, Alkoholismus, Fussfetischismus und der religösen Rechten. Da können die „Desperate Housewives“ einpacken.

Francine Fishpaw (Divine) möchte ein ganz normales Leben in einer ganz normalen Familie in einer ganz normalen Vorstadt von Baltimore führen. Das ist ihr aber nicht vergönnt. Die Familie Fishpaw droht auseinanderzubrechen: Ehemann Elmer, Besitzer eines Pornokinos, hat eine Affäre mit seiner Sekretärin (Mink Stole), die Tochter lässt sich von einem stadtbekannten Rowdy (Stiv Bators) schwängern, der Sohn ist der berüchtigte „Baltimore-Fußstampfer“. Trost und Rückhalt findet Francine im Alkohol und bei ihrer Freundin Cuddles ((Edith „The Egglady“ Massey). Der Held ihrer Tagträume ist der Playboy Todd Tomorrow (50er Jahre Hollywood-Beau Tab Hunter).

Bei der Uraufführung wurde der Film im Odorama-Verfahren (Geruchskino) gezeigt. Die Kinobesucher erhielten Rubbelkarten, die bei Benutzung den zur Szene passenden Geruch verströmen. Die Gerüche beinhalteten: 1. Rosen, 2. Flatulenz, 3. Klebstoff, 4. Pizza, 5. Benzin, 6. Stinktier, 7. Gas, 8. Neuer PKW (innen), 9. Schmutzige Schuhe, 10. Lufterfrischer. Bei unser Aufführung haben wir leider keine Odorama-Karten dabei. Angesichts der Nummern 2, 6 und 9 ist dies aber vielleicht kein allzu großer Verlust.

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Weird Xperience im Dezember: Das Haus an der Friedhofsmauer

friedhof_bildEin Nebel legt sich über Bremen, von der Weser aus schiebt er sich über die Innenstadt, der Dom ist kaum noch zu sehen. Noch unheimlicher als das? Am 9. Dezember könnt ihr das unheimliche Haus an der Friedhofsmauer (Quella villa accanto al cimitero, 1981) sehen, um 20 Uhr (Einlass) in der Etage 3 des Kulturzentrum Lagerhaus.

Lucio Fulci schuf 1981 ein Monster des durchgeknallten Haus – Horror – Films und geht natürlich viel weiter als die amerikanischen Vorgänger wie Shining oder Amityville Horror.

Versuch einer Handlungsbeschreibung:Dr. Peterson ermordet seine Geliebte und sich selbst, was etwas mit seinen Experimenten zu tun hat. Sein Kollege, Dr. Norman (!) Boyle, möchte herausfinden, was Peterson dazu trieb, und zu diesem Zweck die Forschungen weitermachen. Dazu zieht er mit seiner Familie in ein Haus direkt neben einem Friedhof, das 100 Jahre vorher dem nicht gut beleumdeten Forscher Dr. Freudstein (!!!) gehörte. Normans Sohn Bob hat eine unsichtbare Freundin, die vor dem Haus warnt.

friedhofsmauer_schlitzAuch wir halten Dr. Boyles Plan eigentlich nicht für durchdacht, aber durch diese Ideen der Drehbuchautoren bekommen wir dieses herrliche Stück Horror. Denn Dr. Freudstein ist mitnichten tot, viel mehr benutzt er die Toten als eigenes Ersatzteillager, um im Keller eine Unsterblichkeit zu leben. Ob das so erstrebenswert ist?

Fulci lässt es krachen: In bester italienischer Tradition fügt er alten Gothic-Horror und amerikanische moderne Mythen zusammen, und garniert das mit furchtbaren Masken und viel viel Blut und Innereien. Es gelingt ihm kein artifizieller Höhenflug wie seinen Zeitgenossen Romero und Argento, doch entwickelte er seinen eigenen Stil. Er ist derber, direkter und in Sachen Explizität wohl ungeschlagen. Gut, die Logik wird an der Garderobe abgegeben, aber dafür sieht man keinen Fulci.friedhofsmauer_freudstein

Mit Sergio Salvati hat er einen ebenbürtigen Partner an der Kamera gefunden. Die Einstellungen, die Farben, die Perspektiven, wie die Szenen aufgelöst werden passt sehr gut zu Fulcis Stil und lässt ja auch andere gemeinsame Filme wie „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“, „Ein Zombie hing am Glockenseil“ und „Über dem Jenseits“ erstrahlen.

Um sich herum versammelte er eher eine unbekannte, aber sehr passende Schauspielerschar, die einzige mit weiteren bekannten Meriten ist Dagmar Lassander, die in vielen deutschen und italienischen Genre-Produktionen der 60er bis 80er die laszive Verführerin gab. Ihr habt sie bestimmt an der Seite von Bud Spencer in „Plattfuß in Afrika“ gesehen.

So freuen wir uns, dass dieses Werk seit 2014 nicht mehr indiziert ist und wir ihn euch in der dunklen Jahreszeit zeigen können. Einen noch dunkleren Film, der euch in die düstere Welt Lucio Fulcis führt, aus der es kaum ein Entkommen gibt…

Schattenlichter drückt es so aus: „Ein Schauer-Splatter-Märchen, das uns im besten Fall für 82 Minuten zu Traumwandlern werden lässt,…“ (Quelle: http://schatten-lichter.blogspot.de/2014/02/quella-villa-accanto-al-cimitero-1981.html)

Das Haus an der Friedhofsmauer, Regie: Lucio Fulci, Darsteller: Catriona MacColl, Paolo Malco, Ania Pieroni, Giovanni Frezza, Silvia Collatina, Dagmar Lassander, Giovanni De Nava, Daniela Doria, Giampaolo Saccarola, Carlo De Mejo, Kenneth A. Olsen, Teresa Rossi Passante, I 81 Minuten

Weird Xperience im November: WE ARE THE FLESH

wearetheflesh_aAm Freitag, den 11.11. verzichten wir großzügig auf närrisches Treiben und präsentieren Euch einen hammerharten Schocker, der nichts für zartbesaitete Gemüter ist: WE ARE THE FLESH! Los geht es wie immer um 20:30 Uhr (Einlass ab 20:00 Uhr) in der etage3 des Kulturzentrums Lagerhaus.

In einer möglichen Post-Apokalypse treffen die Geschwister Fauna (María Evoli) und Lucio (Diego Gamaliel) auf den verwilderten Mariano (Noé Hernández), der in einem der letzten halbwegs intakt gebliebenen Gebäude haust. Als Gegenleistung für Unterkunft und Verpflegung müssen sie für ihn mit Holzlatten, Pappe und Unmengen von Paketklebeband eine Art Filmset bauen, welches an eine Mischung aus Geburtskanal und B-Movie-Hölle erinnert. Mariano hat allerdings noch mehr Pläne mit ihnen und so erleben Fauna und Lucio bald ihr ganz eigenes Inferno…

Das klingt noch recht banal, entwickelt sich aber schnell zu einem wahren Höllentrip aus Kannibalismus, Defäkationen, Geburtsmetaphern und -szenen, Menschenopfer, pornografischer Sex und Großaufnahmen von Genitalien beiderlei Geschlechts. WE ARE THE FLESH lief in diesem Jahr auch auf dem Fantasy Filmfest und vor Kurzem auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg. Hier ein paar Pressestimmen, um Euch darauf einzustimmen, was Euch erwartet.

wearetheflesh2WE ARE THE FLESH lässt das transgressive Kino der 70er- und frühen 80er-Jahre wieder aufleben und saut rum, dass es eine Freude ist. – Thorsten Hanisch, Das Manifest

Als Aktualisierung einer wichtigen Traditionslinie des Kinos, als Beitrag zu einer Poesie der Transgression und Fleischlichkeit, als Film über das Unbehagen des Geboren-Seins und die romantische Sehnsucht der Kunst danach, zu einer Zone des Erlebens jenseits der Tabus zurückzugelangen, ist „We are the Flesh“ (…) ein rundum starker, toller Film. – Thomas Groh, perlentaucher.de

Inzest, Nekrophilie und Sexszenen im Wärmebild-Look: Das ebenso skandalträchtige wie experimentelle Debüt des Mexikaners Emiliano Rocha Minter erinnert an die Filme Gaspar Noés. Und führt vor, wie limitiert die Filmsprache im alltäglichen Kinobetrieb sonst ist. – Martin Gobbin, critic.de

wearetheflesh3jpgEmiliano Rocha Minter is very much the author of all the chaos wrought here, and his thoroughly arresting vision could squat quite comfortably alongside Hieronymus Bosch’s depiction of hell. – Catherine Bray, variety.com

WE ARE THE FLESH is a singular vision unlike anything else you may experience, even if that experience is just as likely to entrance as it is to alienate. – Ken W. Hanley, fangoria.com

Das Spielfilmdebüt des 26-jährigen mexikanischen Regisseur Emiliano Rocha Minter sorgte entweder für absolute Begeisterung und wearetheflesh1unverhohlene Abscheu. Kalt lässt es niemanden. Wir freuen uns, Euch dieses kontroverse Stück Grenzüberschreitung als Bremen-Premiere zeigen zu können.

Tritt ein, wenn Du Dich traust!

OT: Tenemos la carne, R: Emiliano Rocha Minter, D: Noé Hernández, María Evoli, Diego Gamaliel, Mexiko/Frankreich 2016, 79 Minuten

Betriebsausflug: “Deliria Italiano” – 7. öffentliches Forentreffen in Düsseldorf

dift_2016Wie jedes Jahr ist es für Stefan und mich ein großer Höhepunkt, unsere Freunde und Bekannte von Deliria-Italiano.de wiederzutreffen. Um einmal zu erklären, was wir da jedes Jahr eigentlich machen (und warum dafür Weird Xperience um eine Woche verschoben wird) nutze ich mal einen Text, den ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe.

Bereits im siebten Jahr in Folge treffen sich die Mitglieder des Internetforums Deliria-Italiano.de, um gemeinsam ihrer große Leidenschaft zu frönen: Dem italienischen Genrekino. Nachdem die von den Foren-Administratoren stets mit viel Liebe und großem Engagement organisierten Treffen bereits in Hamburg, Bremen, Frankfurt, Magdeburg, Nürnberg und sogar Wien stattfanden, zieht es Deliria-Italiano.de nun erstmals in den Westen der Republik. Das diesjährige Forentreffen findet am nächsten Wochenende, dem 14. und 15. Oktober in der BLACK BOX (dem Kino des Düsseldorfer Filmmuseums) statt. In Kooperation mit „Mondo Bizarre“, einer in Düsseldorf beheimaten Filmreihe, die dort einmal im Monat bizarre Filmkost aus aller Herren Länder serviert.

di7_ddorfWie immer ist das Treffen keine geschlossene Veranstaltung, sondern jeder ist herzlich eingeladen, dabei zu sein. Wer in den vergangenen Jahren die Forentreffen besucht hat weiß, dass „Neulinge“ stets mit offenen Armen willkommen geheißen werden. Daher ist es auch kein Wunder, wenn von Treffen zu Treffen die Schar derer wächst, die auch beim nächsten Mal dabei sind. Im letzten Jahr verzeichnete das Forentreffen dann auch einen neuen Besucherrekord – und dies, obwohl der überwiegende Teil der Besucher dafür bis nach Wien reisen musste. Auch in Düsseldorf, wird wieder mit einem vollen Haus zu rechnen sein.

Neben dem geselligem Beisammensein und der fröhlichen Fachsimpelei, stehen natürlich Filme im Mittelpunkt der Veranstaltung. Diese werden von den Organisatoren mit großer Sorgfalt ausgesucht und – das ist ein ehernes Gesetz – von alten 35-Millimeter-Rollen gezeigt. In diesem Jahr wurden einige ganz besondere Leckerbissen für italophile Filmfreunde ausgegraben.

di7_ddorf2Den Auftakt macht der großartige Film „Flavia – Leidensweg einer Nonne“, der unter dem weitaus spekulativeren Alternativ-Titel „Nonnen bis auf’s Blut gequält“ größere Berühmtheit erlangte. Regie führt Gianfranco Mingozzi, die Hauptrolle spielt die wundervolle Florinda Bolkan. Weiter geht es mit einem Werk des mittlerweile zum Forentreffen-Maskottchen beförderten Bruno Mattei, der Miles O’Keeffe als „Der Kampfgigant“ ins Rennen schickt. Am nächsten Tag heißt es: „Mein Name ist Nobody“. Terence Hill trifft auf Henry Fonda, und beide lassen in einem großen Klassiker des Italo-Western die Luft vibrieren. Zu diesem Film werden Stefan und ich dann eine Einführung machen. Ihr kennt das ja von unseren Veranstaltungen.

gorilla2Den Abschluss macht eine echte Sensation. Die Jungs von Deliria-Italiano.de haben tatsächlich eine deutsche 35-Millimeter-Kopie von Tonino Valeriis Actionfilm „Der Gorilla“ mit Fabio Testi entdeckt. Von diesem Film ist bisher nicht bekannt gewesen, dass er einmal für eine deutsche Kinoauswertung vorgesehen war. Es gibt weder deutsche Plakate, noch Aushangfotos. Umso größer war die Überraschung und Freude, als die 35-Millimeter-Kopie einem Testlauf unterzogen wurde. Eine Kopie zum Träumen. Wahrscheinlich noch nie abgespielt und tatsächlich in deutscher Sprache. Recherchen haben ergeben, dass es wohl noch eine weitere Kopie zu diesem Film gab, diese aber aller Wahrscheinlichkeit nach im Müll gelandet ist. Warum es der Film nie in die deutschen Kinos geschafft hat, kann nicht rekonstruiert werden. Aber nach exakt 40 Jahren ist es jetzt soweit und „Der Gorilla“ erblickt in Düsseldorf erstmals das Licht einer deutschen Kinoleinwand!

Zu jedem Film gibt es noch weitere fachkundige Einführungen, u.a. von Oliver Nöding und Michael Cholewa. Und spannende Verlosungen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Also, wer nächstes Wochenende noch nichts vor hat: Kommt mit uns nach Düsseldorf! Es lohnt sich.

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Weird Xperience im Oktober: TRUE LOVE WAYS (zweiter Versuch)

Vor genau einem Jahr wollten wir bei Weird Xperience den Film „True Love Ways“ zeigen. Aufgrund technischer Probleme hat das leider nicht geklappt. Jetzt – ein Jahr später – holen wir die ausgefallenen Vorstellung nach. Allerdings diesmal nicht am zweiten Freitag im Monat, sondern ausnahmsweise einmal am dritten Freitag, den 21. Oktober! Grund ist ein „Betriebsausflug“ des Weird Xperience-Teams nach Düsseldorf zum 7. Öffentlichen Forentreffen von Deliria Italiano. Der Ort bleibt aber derselbe: Die Etage 3 im Lagerhaus (Schildstr.12-19, 28203 Bremen). Und „True Love Ways“ ist auch weiterhin eine Bremen-Premiere. Einlass beginnt um 20:00 Uhr, der Film startet um 20:20 Uhr.

TRUE LOVE WAYS (2015)

Da soll noch einmal einer behaupten, aus Deutschland kommen keine guten Genrefilme! Zur Not wird auch mal eben ein Schweizer, wie den Filmemacher Mathieu Seiler, importiert, um zu zeigen, dass auch hier genremäßig die Axt kreist.

Mit „True Love Ways“ hat Seiler einen Giallo-Slasher-Thriller-Hybrid mit Retro-Charme geschaffen, der u.a. auf dem Brussels International Fantastic Film Festival lief und dort für begeisterte Kritiken sorgte. So wurde der Film in einem Atemzug mit dem frühen Polanski genannt. Was nicht nur daran liegt, dass sich Seiler für Schwarz-Weiß als Stilmittel entschieden hat. Harald Mühlbeyer schreibt beispielsweise auf kino-zeit.de: „Der ganze Film hat einen eigenen Pulp-Charme, und das latent bis akut Trashige erscheint fast als bewusstes Stilmittel.“true-love-ways-07

„True Love Ways“ handelt von der jungen und selbstbewussten Séverine. Bevor sie für ein paar Tage Tage ans Meer fährt, trennt sie sich von ihrem Freund Tom. Der betrinkt dieser sich in einer Kneipe, wo er von einem Mann angesprochen wird, der eine Lösung für sein Problem anbietet. Séverine soll während ihrer Fahrt ans Meer überfallen und dann von Tom gerettet werden. So würde Tom seine Séverine zurückerobern. Doch der Plan gerät außer Kontrolle: Séverine entkommt ihren Entführern. Als sie in einer Villa im Wald Hilfe sucht, wird sie Zeugin eines brutalen Verbrechens und muss um ihr Leben kämpft…

Mathieu Seiler mischt in seinem Film Splatter und klassischen Backwood-Slasher mit einer traumgleichen, kunstvollen Atmosphäre. Seine Heldin wird von finsteren Gestalten durch labyrinthische Kellergewölbe gejagt, gerät an eine grausame Snuff-Video-Bande und wird immer tiefer in einen Strudel aus Mord und Vergewaltigung gezogen. Doch wie der Schweizer Filmkritiker Michael Sennhauser schreibt: „Severine mag die schmollende Prinzessin geben, das trotzige Kind oder auch die erschreckte oder wütende junge Frau: Wenn es dann zur Sache geht und blutig wird, handelt sie entschlossen und schnell und vor allem unzimperlich. Schliesslich ist auch der Alptraum noch immer ihr Traum, und sie hat ihn gesucht.

Regie: Mathieu Seiler, Darsteller:Anna Hausburg, David C. Bunners, Kai-Michael Müller, Spielzeit: 1h 45 min

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Weird Xperience im September: LIQUID SKY

Am 9. September 2016 (Einlass 20 Uhr, Beginn circa 20:30) ist es wieder soweit: Weird Xperience präsentiert:

LIQUID SKY (1982)

ls4Wir befinden uns in der unheimlichen Welt New Yorks Anfang der 80er Jahre.
Drogen, Modells, New Wave und Sex bestimmen das Leben in Greenwich Village. Ein UFO landet auf dem Appartement des androgynen Modells Margaret. Infolge dessen sterben ihre häufig wechselnden Sexualpartner durch kristalline Pfeile, die sich durch die Köpfe bohren.
Der West-Berliner Forscher Johann beobachtet dies, er ist den Ausserirdischen schon länger auf der Spur. Seine Theorie: Sie ernähren sich von den Endorphinen, die sich bei Sex und Drogenkonsum freisetzen.
Margaret hingegen macht sich hingegen bewusst, dass sie immer nur eine Rolle war, sucht sich selbst und fängt an zu glauben, dass die UFO-Bewohner ihr helfen, sich zu erfahren und befreien. Irgendwann kommt es zum Zusammentreffen Johanns und Margarets…ls3
Ein wilder Mix der frühen Achtziger Themen: Sex, Drogen, Selbsterfahrung, Genderdefinition. Und das alles in der präzisen Ästhetik des New Wave. Kalte Neon Farben, grelle Einstellungen, Synthesizer Musik, die pluckert und blubbert. Eine androgyne Hauptdarstellerin, die auch ein männliches Model spielt. Und tatsächlich immer noch oder wieder aktuell. Ein Film wie aus einer Mischung aus Liquid Sky (damaliges Slangwort für Heroin) und Koks.
Geschrieben wurde der Film vom Regisseur Slava Tsukerman, seiner Frau und Mitproduzentin Nina V. Kerova und Hauptdarstellerin Anne Carlisle.
Anne Carlisle war zu der Zeit noch Kunststudentin, half aber auch den Film entstehen zu lassen. So wurde auch in ihrem Appartement, sozusagen an original Schauplatz, gedreht. Später wurde sie eine bekannte Performance Künstlerin, die auch Auftritte in Desperately Seeking Susan, Miami Vice und Crocodile Dundee hatte.
Slava Tsukerman war ein erfolgreicher TV-Dokumentarfilmer in Israel, bevor er nach New York ging. Leider drehte er danach nicht mehr viel, nach Deutschland kam keiner seiner späteren Filme. Er plant aber seit 2014 einen zweiten Teil mit Anne Carlisle.
Der Film bekam Preise auf unterschiedlichsten Filmfestivals weltweit, Montreal, Sidney, Manila, Brüssel und Cartagena, Kolumbien. Und wurde zu einem Underground-Klassiker.
Die zeitgenössische Kritik war auch begeistert:
„The funniest, craziest, most perversely beautiful, science-fiction movie ever made!“ schrieb zum Beispiel NY Magazine Kritiker Danny Denby. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer:
Viel Spaß auf unserer Zeitreise!

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R: Slava Tsukerman, D: Anne Carlisle, Paula E. Sheppard, Jack Adalist, Elaine C. Grove, Otto von Wernherr, Stanley Knap, Susan Doukas, Bob Brady, M: Brenda I. Hutchinson, USA 1982, 112 Minuten

Weird Xperience im August: TOTALER SPERRBEZIRK

Am 12. August machen wir schon weiter, keine Sommerpause, um 20 Uhr (Einlass) sind wir wieder im Haus, im Lagerhaus, 3. Etage, und zeigen:

TOTALER SPERRBEZIRK (1980)
Originaltitel:
FORBIDDEN ZONE

fz2Wer kennt das nicht? Diese geheimnisvolle Tür im Keller, wo führt die eigentlich hin? Die im Keller der Hercules-Familie führt jedenfalls in die sechste Dimension, der „Forbidden Zone“. Tochter Frenchy muss da natürlich durch, der von seiner Familie genervte König verliebt sich in sie, so dass die Königin Fenchy in den Kerker werfen muss. Zum Glück sind Bruder Flash und der stumme Opa schon auf dem Weg, die Ereignisse nehmen ihren Lauf.
Was ein wilder Ritt:
Regisseur Richard Elfman gründete 1972 zusammen mit seinem Bruder Danny Elfman die Musiktheater-Gruppe The Mystical Knights Of Oingo Boingo. Danny wurde später für seine Soundtrackarbeiten für Tim Burton (von Pee Wee’s Abenteuer bis heute) und der Titelmelodie der Simpsons bekannt. 1979 verließ Richard die Band, um Filme zu drehen; Danny formte aus den Resten der Knights die New Wave Band Oingo Boingo, aber Richards Debutfilm bedient sich all der verrückten Elemente und des verrücktem Personals ihrer gemeinsamen Bühnenshows.
Filmisch gibt es hier allerhand Trashreferenzen: John Waters, Rocky Horror Picture Show, Ed Wood, die Animationen erinnern an Ralf Bakshi (Fritz The Cat), und ich bin sicher, Wenzel Storch hat da auch mal ein Blick draufgeworfen.fz1
Andererseits bedient sich die Story bei klassischem: Der Faust-Mythos, Orpheus in der Unterwelt, Alice im Wunderland, dreht sie durch den Wolf und lässt einen unglaublichen Cast darauf los: allen voran der bekannteste Kleinwüchsige Hollywood, Hervé Villechaize, bekannt als Schnickschnack aus „Der Mann mit dem goldenen Colt“, als geiler König; aus dem Warhol-Umfeld machten Viva und Susan Tyrell mit, Joe Spinell, ein vielbeschäftigter und gesichtsbekannter Nebendarsteller Hollywoods.
Die Musik ist natürlich großartig: Hier wird amerikanischer New Wave mit Wissen der Popmusik der 60er bis 80er geboten, DEVO ist eine Referenz, aber auch alter Jazz der 20er und 30er als Hommage an das Vaudeville-Theaters gibt sich sein Stelldichein , Danny Elfman hat so auch einen wunderschönen Auftritt als Satan, der „Minnie the Moocher“ trällert. Aber man hört auch schon Anklänge an seine späteren Soundtracks und sein Wissen um die Popmusik der 60er bis 80er.
Also: Folgt uns in den totalen Sperrbezirk, wer weiß, ob wir überhaupt wieder einen Weg herausfinden wollen.
R: Richard Elfman, D: Hervé Villechaize, Susan Tyrrell, Gisele Lindley, Jan Stuart Schwartz, Marie-Pascale Elfman, Virginia Rose, Ugh-Fudge Bwana, Phil Gordon, Hyman Diamond, Toshiro Boloney, Danny Elfman, Viva, Joe Spinell, The Kipper Kids, M: Danny Elfman, 74 min

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