Weird Xperience im April: Wenzel Storchs “Die Reise ins Glück” mit Lesung

Im April begrüßen wir den Regisseur und Autor Wenzel Storch.

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“Die Reise ins Glück” ist der dritte Teil der sogenannten Jürgen-Höhne-Trilogie. Doch keine Angst, man muß nicht Teil 1 und 2 kennen, da sich die Filme nicht inhaltlich aufeinander beziehen. Jürgen Höhne ist in allen drei Filmen der Hauptdarsteller und es sind seine einzigen Filme.

In “Die Reise ins Glück” geht es um die Reisen Gustavs, Knuffis und Evas in ihrem Schneckenschiff zu unentdeckten Inseln und weit entfernten Schlössern. Auf diesen begegnen sie Ungeheuern, Schneemännern, Tyrannen und eine schwimmende Leinwand.

Mehr von der Handlung zu verraten hieße, euch jetzt schon den staunenden Mund zu schließen. Denn es ist unglaublich, was und wer in diesem Film alles so passiert. Es flimmert zwischen Märchen und Surrealismus, es ist schön und seltsam zugleich.

Allein die Ausstattung, die über Jahre liebevoll zusammengesammelt und -gebaut wurde, erinnert an tschechische Märchenfilme der 70er ebenso wie an Werke Jean-Pierre Jeunets und Terry Gilliams. Sie sind aber vor allem Teile des unverwechselbaren  Kosmos Wenzel Storchs.

StorchbunteranzugWenzel Storch, geboren 1961 in Braunschweig, drehte nicht viel neben den Filmen der Trilogie, “Der Glanz der Tage” (1989), “Sommer der Liebe” (1993) und eben “Die Reise ins Glück” (2004). Durch den extrem niedrigen Produktionsetat dauerten die Dreh- und Produktionsarbeiten auch immer sehr lang, zur “Reise ins Glück” ganze 12 Jahre. Die ehrenamtliche Arbeit der Schauspieler und die Hilfe von anderen Künstlern wie Max Raabe, Jörg Buttgereit oder Friedrich Schoenfelder sowie seine eigene Arbeit an Regie, Kamera, Drehbuch, Produzent und Verleiher machten diese Filme möglich. Trotz seinem weitestgehenden Verzicht auf professionelle Schauspieler (“Selbst wenn mir zehn Heiner Lauterbachs zur Verfügung ständen, ich würde Jürgen Höhner nehmen.” Storch in der ZEIT 04/2000) sind seine FIlme keine Amateurarbeiten, sondern fantasievoller Ausdruck eines Künstlers.

Desweiteren drehte er einen Videoclip für Bela B. (“Altes Arschloch Liebe”) und schreibt Kolumnen für die Zeitschrift konkret. Diese sind gesammelt als “Der Bulldozer Gottes” erschienen. Weitere Bücher sind “Das ist die Liebe der Prälaten und “Die Filme”, aus welchem er vor dem Film für uns lesen wird.

Wir freuen darauf, ihn begrüßen zu dürfen und mit ihm in seine Welt zu reisen.

reise-ins-glueck-anzugDas Geo schrieb: “Wenn es so etwas gibt wie Recycling durch Fantasie, dann hat Wenzel Storch das Patent darauf. Er nimmt Sperrmüll und Schrott, kreuzt es mit anderem Strandgut des Alltags und erweckt es zu neuem Leben. Das ist Wenzel Storchs Kunst: Er macht aus Mangel Märchen. Das kostet Zeit. Davon hat er eine Menge. Geld hat er keines. So entstehen seine Meisterwerke.”

Und die epd film formuliert: „Wenzel Storchs dritter Film ist sein größter, sein bester und sein versiertester, genau das Meisterwerk, auf das wir so lange gewartet haben. Es gibt eine spezielle Poetik des Lichts in den Storch-Filmen, die die Objekte lebendig macht. Man achte auch bei Gelegenheit auf die Rhythmik der Montage, Helldunkel-Wechsel oder Bewegungslinien. Ganz zu schweigen von Farbkompositionen, Raum-Installationen und Choreographie.  Man könne sogar von der mythischen Tiefenstruktur der scheinbaren Nonsenserzählung reden, die sich Bildelemente und Sprachpartikel in einem dreisten Piratenakt aneigne. Daraus entstehe die unkorrupteste Film-Sprache, derzeit.“

Besucht ihn hier: www.wenzelstorch.de und am Donnerstag, den 24.April 2014, um 20:30 im City46, Bremen.

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Weird Xperience im März: “Blutgletscher”

„Weird Xperience“ startet mit österreichischen Mutanten-Horror in die neue Saison.

A1-Blutgletscher.inddRegisseur Marvin Kren sorgt bereits mit seinem Spielfilmdebüt für Aufsehen, als es ihm gelang dem alt ehrwürdigem ZDF Geld für einen waschechten Zombiefilm aus den Rippen zu leiern. „Rammbock“ lief dann nicht nur erfolgreich auf diversen Festivals, sondern erlebte auch seine TV-Premiere als „Kleines Fernsehspiel“.

Vom Berliner Hinterhof seines Debüts, führte ihn sein Weg für seinen Zeiten Spielfilm in die Alpen seiner Heimat Österreich. Wie weiland in John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ muss sich hier eine Gruppe Menschen gegen den Terror aus dem Eis zur Wehr setzen.

Aus einem schmelzenden Gletscher in den Alpen tritt eine rote Flüssigkeit aus. Die Wissenschaftler der nahe gelegenen Klimaforschungsstation sind alarmiert. Schnell erweist sich das Gletscherblut als ganz besonderer Saft – Mikroorganismen, die ungeahnte genetische Veränderungen bei Tieren bewirken. Janek, der Techniker, muss sich und die Station gegen eine wachsende Fülle von Monstrositäten verteidigen: draußen lauern die biologischen, drinnen sind es menschliche.

 

GletscherblutErfreulicherweise setzt Marvin Kren bei seinen Monstern nicht nur auf CGI, sondern auch auf handgemachte Spezialeffekte, was das Herz der Fans sicherlich sehr erfreuen dürfte. Aber nicht nur auf Effekte wird Wert gelegt, sondern auch auf schauspielerische Leistungen, was mit dem Preis für den besten männlichen Hauptdarsteller, Gerhard Liebmann, beim Österreichischen Filmpreis 2014 – wo er sich u.a. gegen Schwergewicht Klaus Maria Brandauer durchsetzte – gewürdigt wurde.

Und endlich einmal wurde einer deutschsprachigen Genre-Produktion kein Pseudo-international klingender englischer Titel Titel gegeben, sondern ein knackiger Name, wie aus einem John-Sinclair-Roman: “Blutgletscher”.

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Negativ nennt den Film „einen blitzscharfer Splitter im somit stark ins Rumpeln gekommenen deutschsprachigen Förder-Kino“. Cineastic.de stellt fest: „Mit seiner erst zweiten Regiearbeit beweist Marvin Kren erneut welch Potential in ihm steckt, wenn man ihn nur einmal machen lässt.“ Harald Steinwender schreibt auf filmgazette: „Allein das imposante Alpensetting, die hervorragend kadrierten CinemaScope-Bilder von Kameramann Moritz Schultheiß und die überraschend guten Schauspieler heben Marvin Krens mit österreichischer Filmförderung entstandenen “Blutgletscher” weit über den Durchschnitt des B-Films.Filmstarts.de findet: „[Marvin Kren und Drehbuchautor Benjamin Hesler] haben ein Stück Kino abgeliefert, das packend unterhält und gleichzeitig sehr selbstbewusst in eine genrehistorische Traditionslinie eingeordnet ist.

Und um mit den Worten von Sebastian Selig auf kino-zeit.de zu schließen: „Bitteres österreichisches Kino, wie es sehr viel schöner nicht geht und gleichzeitig auch noch ein verdammt spannender Monsterfilm mit richtig großen Kinobildern. BLUTGLETSCHER, du rockst.“

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Österreich 2013, Regie: Marvin Kren, mit Gerhard Liebmann, Edita Malovici, 96 Min.

Der Film läuft am Donnerstag, den 27.März. um 20:30 Uhr im Kommunalkino Bremen, City 46. Wie gewohnt mit einer Einführung durch Stefan & Marco vom Weird-Xperience-Team!

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Weird Xperience 2014

weird Xperience 2014_front“Weird Xperience” ist zurück!

Nach einer kleinen Zwangspause meldet sich unsere Reihe “Weird Xperience” im Bremer Kommunalkino City 46 im März wieder zurück.

Und dies mit neuen Kräften an Bord. Stefan und ich erhalten ab dieser Saison Unterstützung von dem Damen-Trio Janna, Tanja und Jihae. Dies schlägt sich einerseits in der Programmgestaltung nieder, andererseits auch in einem wundervollen Flyer, den Janna für uns gebastelt hat und den wir in den nächsten Wochen in Bremen streuen wollen.

Wer von Euch gerne etwas Werbung für unsere kleine, aber feine Reihe machen möchte, kann dies gerne tun, sich den Flyer hier runterladen und weiterverschicken. Wer den Flyer gerne physisch in seinem Bekanntenkreis verteilen möchte, möge bitte oben links auf “Kontakt” gehen und uns eine kurze Email schicken, wir organisieren dann, dass ein Kontingent zur Verfügung steht.

Was ändert sich? Die größte Veränderung ist der Tag an dem “Weird Xperience” gezeigt wird. Nachdem sich Freitag, 22:30 Uhr, und Sonntag, 18:00 Uhr, als beim Publikum als nicht besonders beliebt erwiesen hatten sind wir jetzt auf jeden vierten Donnerstag im Monat, 20:30 Uhr, gerutscht und hoffen, dass dieser Termin nun besser angenommen wird. Ferner bieten wir erstmals eine günstige Dauerkarte für alle vier “Weird Xperience”-Vorstellungen bis Juni an. Sonst ändert sich nicht so schrecklich viel. Es wird weiterhin vor jedem Film eine Einführung geben, die zunächst einmal Stefan und ich halten. Was aber nicht heißt, dass nicht auch mal eine unserer neuen Kolleginnen vorne auf der Bühne stehen wird.

In der 1. Hälfte der 2014er Saison ist jetzt leider kein Klassiker auf 35mm dabei, was aber nicht automatisch bedeutet, dass das kategorisch ausgeschlossen ist.

Über Programm wurde von Janna, Tanja, Jihae, Stefan und mir gemeinschaftlich abgestimmt. Für das 2. Halbjahr 2014 werden wir dann im Sommer entscheiden.

Das “Weird Xperience”-Programm auf einem Blick:

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Weird Xperience im Januar: “Horror Infernal”

horror_infernalMit ganz besonderem Stolz präsentieren wir am Sonntag, den 26. Januar um 18:00 Uhr auf 35mm ein Juwel des europäischen Genrekinos: Dario Argentos „Horror Infernal“.

Dario Argento gehört zu den ganz Großen des italienischen Horror- und Thrillerkinos und genießt eine fast kultische Verehrung. Zumindest für seine Film, die er in den 70ern und 80ern gedreht hat. Über seinen späteren Output wird in Fankreisen durchaus kontrovers diskutiert. Zu der Zeit als er „Horror Infernal“ drehte, hatte er den Höhepunkt seiner schöpferischen Kraft erreicht. Gerade hatte er mit „Profondo Rosso“ (aka „Deep Red“) den „Citizen Kane des Giallo“ gedreht und mit „Suspiria“ den Horrorfilm in bisher kaum gekannte, delirierenden Höhe gehoben. Mit „Horror Infernal“ setzte er dann seine Trilogie der drei Mütter, die er mit „Suspiria“ begann, fort.

inferno4Einst entwarf der Architekt Varell drei Häuser, die den drei Müttern Mater Suspiriorum, Mater Tenebrarum und Mater Lacrimarum als Tor zur Hölle dienen. Eines steht in Freiburg, eins in New York und das letzte in Rom. Die junge New Yorkerin Rose Elliot liest in einem alten Buch darüber und hegt den Verdacht, selber im Hause der Mater Tenebrarum – der Mutter der Finsternis – zu leben. Sie schreibt darüber ihrem Bruder Mark, der in Rom studiert, und macht sich auf die Suche nach Beweisen für ihre Theorie. Mark kehrt nach New York zurück, doch Rose ist verschwunden und jeder, den er nach dem Verbleiben seiner Schwester und dem Geheimnis des Hauses befragen, stirbt einen grausamen Tod…

inferno3Mit hypnotischen, surreal-psychedelischen Bildern verabschiedet sich Argento vom traditionellen Erzählkino und kreiert eine dichte Atmosphäre des Grauens. Das Böse lauert buchstäblich in allen Dingen, immer bereit zuzuschlagen und zu vernichten. Für sein Opus des Schreckens sicherte sich Argento der Hilfe seines großen Vorbildes und genialen Meisters des Horrorfilms, Mario Bava. Dieser half bei den Effekten und inszenierte die berühmte Szene im überschwemmten Keller des Hauses. Für den eindrucksvollen Soundtrack waren diesmal nicht Argentos Stammmusiker von der Band „Goblin“, sondern Keith Emerson zuständig. Emerson hatte 1970 die supergruppe „Emerson, Lake & Palmer“ gegründet, eine der populärsten und erfolgreichsten Progressive-Rock-Bands.

 

inferno2„Inferno ist ein Manifest des filmischen Antirealismus und eine perfekte Vorlage für das moderne Blockbusterkino, das allerdings bis heute nie auch nur halb so weit gegangen ist wie der Meister. Argento spielt mit offenen Karten – und gewinnt trotzdem mit Leichtigkeit.“ – Lukas Foerster, Dirty Laundry

„INFERNO ist nur noch Stimmung, reines Kino, das man nicht hermeneutisch entschlüsseln muss, um der dahinterliegenden “echten” Bedeutung auf den Grund zu gehen.“ – Oliver Nöding, Remember It For Later

Ein Gruselstück, das in Spannungsaufbau und Kameraführung Könnerschaft verrät, aber mit seinen Blut- und Mordorgien abstößt. –Katholischer Filmdienst

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Weird Xperience präsentiert: Das Phantastival Bremen (05.-08. Dezember)

Phantastival_CoverLetztes Jahr wurden Stefan und ich vom Kino gefragt, ob wir neben der “Weird Xperience”-Reihe, nicht auch Lust hätten, bei der Organisation eines Filmfestivals für Horror, Fantasy und Science Fiction mitzuarbeiten. Natürlich hatten wir und das letztjährige Phantastival hat uns eine Menge Freude bereitet. Gut, die Zuschauerzahlen hätten insgesamt etwas besser sein können, aber für einen ersten Versuch war das schon nicht schlecht, und Filme wie „Zombies From Outer Space“ und „The Whisperer in Darkness“ waren sehr gut besucht.

Umso mehr waren wir dann in diesem Jahr darüber erfreut , dass es auch 2013 ein Phantastival gibt, welches nun zwischen dem 05. und 08. Dezember stattfindet. Es ist sogar das 10., denn das erste Phantastival fand bereits 1991 statt, lag dann aber viele Jahre brach. Stefan und ich sind, wie gesagt, seit dem letzten Jahr dabei und werden auch vor jeder Vorstellung etwas über den Film erzählen und die Verlosungen leiten. Wir beißen auch nicht, d.h. wer mag kann uns gerne während des Festivals ansprechen, Fragen stellen, Kritik äußern oder auch z.B. Vorschläge für die „Weird Xperience“-Reihe machen.

Die Vorbereitungen laufen schon seit einigen Monaten und ich finde, wir haben ein ziemlich gutes Paket zusammengeschnürt. Wir konnten sogar die OFDb als Partner gewinnen, die mit einem Verkaufsstand anwesend sein wird und uns auch mit zahlreichen Gewinnen für Verlosungen ausgestattet hat. Herzlichen Dank dafür! Ebenfalls neu ist die „Phantastival-Lounge“ im ehemaligen Saal 3 des Citys, wo heute die Filmschule untergebracht ist. Wer mag, kann sich dort zwischen den Filmen zurückziehen, klönen, Musik hören oder unsere Trailershow ansehen.

Für den diesjährigen Vortrag konnten wir Georg Seeßlen nach Bremen holen, auf den ich mich persönlich sehr freue. Immerhin war eins der ersten Filmbücher, die ich mir als kleiner Junge von meinem sauer angesparten Taschengeld gekauft habe, sein „Mord im Kino“ über den Detektivfilm. Seitdem haben mich seine zahlreichen Veröffentlichungen und Essays durch mein ganzes Filmliebhaber-Leben begleitet. Außerdem haben wir eine waschechte Weltpremiere auf die wir ganz besonders stolz sind: Jörg Buttgereits neustes Werk „Kannibale und Liebe“. Ein Kurzfilmprogramm gibt es auch, wo es ordentlich was auf die Ohren gibt. Z.B. ein sehr gelungenes Video mit der Musik der Gruppe Sospetto und den tollen Kurzfilm „Liebe, Tod, Abendbrot“ der talentierten Hanna Seidl.

Wir würden uns freuen, viele Zuschauer beim Phantastival begrüßen zu können. Wer mag, kann gerne über Facebook oder andere soziale NetzwerkeWerbung für uns machen. Wir sind da über jede Hilfe dankbar. Es gibt auch eine Homepage (http://phantastival.city46.de/) und auf Facebook ist das Phantastival als Event (https://www.facebook.com/events/181393342066706/) eingetragen.

Hier das Programmheft (zum Vergrößern drauf klicken):

Phantastival_Programmheft Noch ein kurzer Hinweis zu “regulären” Reih: Im Dezember wird es leider aufgrund des Phantastivals keinen eigenständigen “Weird Xperience”-Film geben. Der für Dezember vorgesehene “Horror Infernal” von Dario Argento wird auf Januar verschoben.

Weird Xperience im November: Mad Circus (2011)

Mad_Circus_Eine_Ballade_von_Liebe_und_Tod_7Spanien, 1937, Bürgerkrieg. Republikanische Truppen überfallen während einer Aufführung einen Zirkus und zwingen die Artisten mit ihnen gegen Franco-Faschisten zu kämpfen. Der Clown des Zirkus bezwingt viele Gegner nur mit seiner Machete, bis er kampfunfähig gemacht und in ein Arbeitslager verfrachtet wird. Bei dem Versuch seines Sohnes Javier, ihn zu befreien, wird er getötet und der Colonel des Arbeitslagers verstümmelt.

Spanien, 1973, Franco-Regime. Javier arbeitet inzwischen als Weiß-Clown mit Sergio zusammen, der vor den Kulissen die Kinder erheitert, hinter den Kulissen sich jedoch als Sadist herausstellt. Javier verliebt sich in dessen Geliebte, die Trapezkünstlerin Natalia. Mehrere handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen den beiden führen dazu, dass Sergio nicht mehr als Clown arbeiten kann und Javier fliehen muß.

Zuflucht findet er in einer Höhle, doch alles spitzt sich dort zu einem großen Finale mit Javier, Sergio, Natalia, den Colonel des Arbeitslagers und sogar Franco selbst zusammen.

Álex de la Iglesia mischt hier artifizielle Aufarbeitung neuerer Geschichte seines Landes mit Mitternachtskino. Inspirieren ließ er sich durch verschiedenste Größen: Pasolini, Fellini, Hitchcock, Almodóvar. Desweiteren schien ihm Unterschiedlichstes wie Platons Höhlengleichnis, sadistische Filme der 70er, katholischer Blutfetischismus und zeitgenössischer Splatterfilm durch den Kopf zu gehen. Heraus kam eine explosive Mischung aus comichafter Action, die sich nie selbst genügt und politischer Fabel, die keine Moral vorschreiben will.mad-circus_680

Kritiker Peter Claus drückte es auf www.getidan.de so aus: „Knallig, farbenfroh, grell, satirisch überspitzt und mit kräftiger Romantik gewürzt – das sind wesentliche gestalterische Bausteine. Man denkt oft an einen Comicstrip. Wer zudem Action mag, die sich nicht selbst genügt, sondern wirklich aus der erzählten Geschichte erwächst, wird bestens bedient.

Álex de la Iglesia verknüpft die persönliche, sehr anrührende Lebens- und Leidensgeschichte des Clowns Javier geschickt und effektsicher mit dem Geschick Spaniens in der Zeit des Faschismus. Die Gewalt, in die sämtliche Protagonisten immer wieder verstrickt werden, wird dabei eindeutig als Folge der gesellschaftlichen Missstände deutlich. Damit illustriert der Film überaus effektvoll die bekannte Tatsache, dass es die Umstände des Lebens sind, die den einzelnen Menschen entscheidend prägen.“

Der Film provozierte nach der Uraufführung die unterschiechsten Kritiken, bekam aber auch den Silbernen Löwen für Regie in Venedig und wurde 14 mal für den Goya nominiert.

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Spanien/F 2010, Regie: Alex de la Iglesia, mit Carlos Areces, Antonio de la Torre, Carolina Bang, 105 Min., OmU, Venedig Film Festival 2010 Gewinner Best Director, Best Screenplay

Der Film läuft am Sonntag, 24.11.2013 um 18 Uhr im City 46, mit einführenden Worten des gewohnten Weird Xperience – Teams. Übrigens diesmal nur die eine Chance, eine Wiederholung am folgenden Donnerstag gibt es nicht.

 

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Weird Xperience im Oktober: “Sie tötete in Ekstase”

plakatAls herauskommt, dass Dr. Johnson heimlich genetische Experimente an menschlichen Embryonen durchführt, verliert er seine Approbation und wird von seinen Kollegen in den Selbstmord getrieben. Seine wunderschöne Ehefrau schwört, dafür grausame Rache an den Verantwortlichen zu nehmen. Einen nach den anderen verführt Mrs. Johnson, um ihre Opfer dann in der Liebesnacht kaltblütig zu ermorden.

 

Im April dieses Jahres verstarb der Regisseur des Filmes, Jess Franco, im Alter von 82 Jahren. Vom Feuilleton oftmals als Viel- und Schmuddelfilmer belacht, wird er doch von seinen Fans und Filmfreunden in aller Welt kultisch verehrt. Mittlerweile hat auch die Filmkritik Francos Stellenwert erkannt und so wurde er z.B. 2009 mit dem spanischen „Oscar“, dem Goya, für sein Lebenswerk ausgezeichnet. „Sie tötete in Ekstase“, den für soledad-miranda-L-ML2dADden legendären Filmproduzenten Artur Brauner drehte, gehört zu einer Reihe von Filmen, in denen seine damalige Muse, die betörend schöne Soledad Miranda (alias „Susann Korda“) die Hauptrolle spielte. Unterlegt ist das Ganze mit dem psychedelischen Ohrwurm-Beat des Dous Manfred Hübler und Sigi Schwalb. „Sie tötete in Ekstase“ ist Jess Franco at his best: Sex, Mord, Wahnsinn, Delirium.

D 1971, Regie: Jesús Franco, mit Soledad Miranda, Fred Williams, Paul Muller, Horst Tappert, Howard Vernon, Ewa Strömberg u.a.73 Min.

Wie immer freuen wir uns sehr darüber den Film als 35mm-Kopie für echtes Kino-Feeling zeigen zu können.

Der Film läuft am Sonntag, den 27.10. um 18:00 Uhr im Kommunalkino Bremen, City 46, mit einer Einführung durch das Weird-Xperience-Team!

Wer das verpasst, kann den Film auch noch einmal am Do., den 31.10. um 20:30 – dann allerdings ohne Drumherum – sehen.

 

Noch einige Links:

 

Deutsch:
http://hardsensations.com/2012/02/sie-totete-in-ekstase/
http://filmreviews.gemeinschaftsforum.com/sie-toetete-in-ekstase-1971/
http://somedirtylaundry.blogspot.de/2006/04/sie-ttete-in-extase-jess-franco-1971.html

Englisch:
http://www.cinesploitation.com/she-killed-in-ecstasy-1971/
http://www.eccentric-cinema.com/cult_movies/she_killed_in_ecstasy.htm
http://www.mondo-digital.com/jessfranco2.html

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Weird Xperience im September: DIE FARBE (2010)

Endlich ist sie vorbei, die viel zu lange Sommerpause ohne Abseitiges im Kino; Weird Xperience meldet sich am Sonntag, den 22.9., um 18 Uhr zurück:
DIE FARBE (D,2010) ist eine vielfach prämierte H. P. Lovecraft Verfilmung, nicht aus seinem Cthulu-Mythos, sondern einer eigenständigen Kurzgeschichte zwischen Horror und Science Fiction.

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1975 macht sich der Landvermesser Jonathan Davies auf die Suche nach seinem Vater, die Spur führt ihn bis in die schwäbische Provinz, in der Geschichten von einem natur- und menschbeeinfliessenden Meteor erzählt werden, der in den 30ern in der Nähe der Kaserne seines Vaters abgestürzt sein soll.

Der Regisseure Huan Vu und Jan Roth verlegen den Schauplatz des Originals, und es spielt auch in einer anderen Zeit. Trotzdem halten sie sich erstaunlich nah am Lovecraftschen Text und fangen dessen typische Atmosphäre gekonnt ein. Gedreht wurde in HD und auf schwarz/weiß, was hervorragend zu der unheimlichen Grundstimmung des Films paßt.

Wir sind froh, nach „The Whisperer in Darkness“ Beim letztjährigen Phantastival, diese deutsche Adaption eines Lovecraft-Werkes zu zeigen. Marcus Stiglegger schrieb in seinem Magazin „Ikonen“ zu dem Film: DIE FARBE beweist eindrucksvoll, dass sich der Independent-Genrefilm in keiner Weise hinter thematisch ähnlich gelagerten Großproduktionen verstecken muss. Nicht nur Freunde des Lovecraft-Kosmos, sondern jeder Befürworter gut gemachter, unabhängiger Filmkunst sollten sich DIE FARBE nicht entgehen lassen.

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Desweiteren gibt es in diesem Film ein Wiedersehen mit Michael Kausch, der uns vor allem durch sein Mitwirken in der Heimat-Serie von Edgar Reitz und als Kompagnon von Manfred Krug in “Liebling Kreuzberg” in Erinnerung geblieben ist.

 

Die Farbe, Deutschland 2010, Regie: Huan Vu, Jan Roth. Mit Marco Leibnitz, Erik Rastetter, Michael Kausch, Marah Schneider, Ingo Heise, Ralf Lichtenberg, Friedrich Schilha, Jonah von Lingen u. v. m.

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Weird Xperience im Juni: “Im Augenblick der Angst”

Wenn es den einen Film gibt, den man im Kino gesehen haben muss, dann ist es Bigas Lunas’ “Im Augenblick der Angst”.

Und eben diesen zeigen wir am Sonntag, den 23. Juni um 18:00 Uhr, wie immer im City 46 und selbstverständlich als 35mm-Kopie.

imaugenblickderangstDer Augenarzt John Pressman lebt immer noch bei seiner zwergenhaften Mutter Alice lebt. Als eine seiner Patientinnen ihn demütigt, greift seine Mutter ein. Sie hypnotisiert ihren Sohn, damit er Rache nimmt. Doch die Dinge laufen aus dem Ruder und John beginnt in einem vollbesetzten Kino zu morden und den Zuschauern die Augen herauszuschneiden. Aber eigentlich passiert das alles nur in einem Film namens „The Mommy“, den sich zwei Freundinnen im Kino ansehen. Allerdings macht in diesem Kino ein echter, augensammelnder, Mörder seine Runde. Und so verschwimmt das Geschehen auf der Leinwand und im Kino immer mehr miteinander.

Der im April verstorbene Bigas Luna gilt als einer der prägenden und wichtigsten Filmregisseure des spanischen Kinos. Seine Filme sind bekannt für ihre explosive Mischung aus Erotik, Sex, Gewalt und Leidenschaft. Der berühmteste ist „Jamon Jamon“ von 1992 mit seinen Entdeckungen Javier Bardem und Penelope Cruz, die dort ihre erste Kinorolle hatte. 1987 unternahm Luna diesen Ausflug ins Horror-Genre.

„Im Augenblick der Angst“ ist ein KINOfilm im wahrsten Sinne des Wortes, der vor der heimischen Mattscheibe gar nicht funktionieren kann. Es geht um das Kino als Ort und die hypnotische Wirkung des Films. Wir beobachten aus unserem sicheren Kinosaal heraus ein Kinopublikum, das in einem anderen Kinosaal sitzt, durch den ein Mörder schleicht und Augen sammelt. Und dieses Publikum, welches wir beobachten, folgt gebannt dem Treiben eines Mörders auf der Leinwand, der in einem Kinosaal Augen sammelt. Genau wie wir. Sind wir vielleicht auch nur Figuren in einem Film? Sieht uns ebenfalls ein anderes Publikum zu? Und was war das da hinter uns gerade für ein merkwürdiges Geräusch?

augenblick3“Im Augenblick der Angst ist, was es im Horror-Genre viel zu selten gibt: Eine originelle, einzigartige Idee, die visuell prächtig umgesetzt ist, ein Horrorfilm, der unverdientermaßen recht obskur ist, ein narrativ brillantes Konstrukt. Kurz: Ein absoluter Mindfuck!” – Peter Osteried , kino-zeit.de

“(…) der Blick auf das Publikum und damit auch indirekt auf uns selbst sorgt in erster Linie für eine Expansion des Schreckens. Wenn im Film schon kein Verlass mehr auf die Trennung zwischen Leinwand und Zuschauerraum ist, warum sollte es dann bei uns anders sein? Das macht Im Augenblick der Angst schließlich auch zu dem Midnight Movie schlechthin. Denn abgesehen vielleicht von den Ring-Filmen hat es bisher kaum ein Genrebeitrag derart überzeugend geschafft, seinen Zuschauern zu vermitteln, dass sie sich allein durch das Sehen des Films schon in Gefahr bringen.” – Michael Kienzl, critic.de

im-augenblick-der-angst-10-Im_Au“Nur wenige Regisseure haben das Prinzip des Mise en abyme so konsequent umgesetzt wie Bigas Luna mit ANGUSTIA, einem der überzeugendsten Metafilme überhaupt – und nebenbei eine schöne Huldigung an den Horrorfilm im Speziellen und die Kraft des Kinos im Allgemeinen.” – Oliver Nöding, Remember it for later

“(…) wohl kaum einer hat es so verstanden, Handlungsstränge der Film-Fiktion und Film-Realität so geschickt miteinander zu verknüpfen, wie hier Bigas Luna. Teilweise geht er dabei fast sogar in eine filmische Dreidimensionalität, wenn sich ein Ereignis quasi in drei Filmebenen gleichzeitig abspielt. Würde man diesen Film dann noch in einem richtigen Kino sehen, dann wäre man selber noch Bestandteil einer zusätzlichen Dimension.” – Carsten Henkelmann, Sense of View

augenblickIm Augenblick der Angst (OT: Angustia), Spanien 1987. Regie: Bigas Luna. Mit Zelda Rubinstein, Michael Lerner, Talia Paul, Àngel Jové

Nach diesem Film geht die “Weird Xperience”-Reihe in die (leider vom Kino erzwungene) Sommerpause. Wir kehren dann im August an bekanntem Ort und zur üblichen Zeit wieder zurück – und haben ein aktuelles Werk mit einem unserer Lieblinge aus den goldenen 60ern Gepäck. Mehr wird noch nicht verraten… aber den Trailer dafür gibt es am 23. Juni vor “Im Augenblick der Angst”.

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Weird Xperience im Mai: HUMAN CENTIPEDE (FIRST SEQUENCE)

 Am Sonntag den 26. Mai um 18 Uhr zeigen wir diesen vieldiskutierten Horror – / Mad Scientist- Film.

still2Der Titel dieses 2009 entstandenen Horrorfilms führt uns in die richtige Richtung: Es geht um einen menschlichen Tausendfüßler. Aber nicht wie in einem klassischen Tiefhorrorfilm mit einem Mischwesen aus Mensch und Tier wie bei „Die Fliege“. Klassisch ist allenfalls die Rolle des verrückten Wissen- schaftlers zu nennen, der verschiedene Menschen zu einem einzigen Wesen zusammennäht. Ebenso klassisch die Exposition, bei der zwei junge Amerikanerinnen mit dem Auto liegenbleiben, Hilfe suchen und natürlich in das Haus des Wissenschaftlers geraten. Doch alles, was dann kommt, ist auf keinster Weise klassisch zu nennen….

 

Der niederländische Regisseur Tom Six schuf mit seiner ersten internationalen Produktion einen lupenreinen Autorenfilmthe-human-centipede_206249 (Regie, Buch und Produktion lagen in seiner Hand), der sich stilistsich zwischen Arthouse und Trash bewegt. Dass er dazu den deutschen Schauspieler Dieter Laser für die Hauptrolle gewinnen konnte, erweist sich als Glücksfall. Denn dieser hat in beiden Bereichen viel Erfahrung gesammelt, auf der Bühne und im Fernsehen in angesehenen Produktionen, die ihm 1975 den deutschen Filmpreis einbrachten. Aber auch in Genreproduktionen wie in der deutschen 70er TV-Mystery Serie „Das blaue Palais“ oder der Trash-Serie LEXX brillierte er.

 

Alles in allem ist „The Human Centipede“ ein Ergebnis zweier außerordentlich kreativer Köpfe, dessen Ungewöhnlichkeit the-human-centipede-the-first-sequence-7und Obskurität kaum in Worte zu fassen ist. Und so erntete er neben vielen Verrissen auch viele Preise bei verschiedenen Festivals als bester Film, u.a. Sainte Maxime International Horror Film Festival, Fantastic Fest USA, Ravenna Nightmare Film Festival, South African Horror Film Festival.

Moviepilot.de schrieb dazu am 7. Juni 2010: “Was wie alberner Trash klingt, ist ein arthausig anmutendes Gedankenspiel mit einer in der Tat bizarr-ekelhaften Prämisse. Dieter Laser spielt hier vielleicht die Rolle seines Lebens, auf den die anderen Schauspieler nur reagieren müssen. […] Es bleibt ein kranker Film, der mit Exploitation wie Kunstfilm kokettiert und letztlich wohl eher die Freunde des Obskuren als die wagemutigen Party-Horror-Gucker befriedigen wird.”

Wir freuen uns, diesen in Deutschland selten gezeigten Film vorzuführen.

 

NL 2009, Regie & Buch: Tom Six, mit Dieter Laser, Ashley C. Williams, Ashlynn Yennie, Akihiro Kitamura, Andreas Leupold, Peter Blankenstein, 89 Min. OmU

So. 26.05. / 18:00 mit Einführung Marco Koch und Stefan Mibs

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