Weird Xperience im Dezember: Das Haus an der Friedhofsmauer

friedhof_bildEin Nebel legt sich über Bremen, von der Weser aus schiebt er sich über die Innenstadt, der Dom ist kaum noch zu sehen. Noch unheimlicher als das? Am 9. Dezember könnt ihr das unheimliche Haus an der Friedhofsmauer (Quella villa accanto al cimitero, 1981) sehen, um 20 Uhr (Einlass) in der Etage 3 des Kulturzentrum Lagerhaus.

Lucio Fulci schuf 1981 ein Monster des durchgeknallten Haus – Horror – Films und geht natürlich viel weiter als die amerikanischen Vorgänger wie Shining oder Amityville Horror.

Versuch einer Handlungsbeschreibung:Dr. Peterson ermordet seine Geliebte und sich selbst, was etwas mit seinen Experimenten zu tun hat. Sein Kollege, Dr. Norman (!) Boyle, möchte herausfinden, was Peterson dazu trieb, und zu diesem Zweck die Forschungen weitermachen. Dazu zieht er mit seiner Familie in ein Haus direkt neben einem Friedhof, das 100 Jahre vorher dem nicht gut beleumdeten Forscher Dr. Freudstein (!!!) gehörte. Normans Sohn Bob hat eine unsichtbare Freundin, die vor dem Haus warnt.

friedhofsmauer_schlitzAuch wir halten Dr. Boyles Plan eigentlich nicht für durchdacht, aber durch diese Ideen der Drehbuchautoren bekommen wir dieses herrliche Stück Horror. Denn Dr. Freudstein ist mitnichten tot, viel mehr benutzt er die Toten als eigenes Ersatzteillager, um im Keller eine Unsterblichkeit zu leben. Ob das so erstrebenswert ist?

Fulci lässt es krachen: In bester italienischer Tradition fügt er alten Gothic-Horror und amerikanische moderne Mythen zusammen, und garniert das mit furchtbaren Masken und viel viel Blut und Innereien. Es gelingt ihm kein artifizieller Höhenflug wie seinen Zeitgenossen Romero und Argento, doch entwickelte er seinen eigenen Stil. Er ist derber, direkter und in Sachen Explizität wohl ungeschlagen. Gut, die Logik wird an der Garderobe abgegeben, aber dafür sieht man keinen Fulci.friedhofsmauer_freudstein

Mit Sergio Salvati hat er einen ebenbürtigen Partner an der Kamera gefunden. Die Einstellungen, die Farben, die Perspektiven, wie die Szenen aufgelöst werden passt sehr gut zu Fulcis Stil und lässt ja auch andere gemeinsame Filme wie „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“, „Ein Zombie hing am Glockenseil“ und „Über dem Jenseits“ erstrahlen.

Um sich herum versammelte er eher eine unbekannte, aber sehr passende Schauspielerschar, die einzige mit weiteren bekannten Meriten ist Dagmar Lassander, die in vielen deutschen und italienischen Genre-Produktionen der 60er bis 80er die laszive Verführerin gab. Ihr habt sie bestimmt an der Seite von Bud Spencer in „Plattfuß in Afrika“ gesehen.

So freuen wir uns, dass dieses Werk seit 2014 nicht mehr indiziert ist und wir ihn euch in der dunklen Jahreszeit zeigen können. Einen noch dunkleren Film, der euch in die düstere Welt Lucio Fulcis führt, aus der es kaum ein Entkommen gibt…

Schattenlichter drückt es so aus: „Ein Schauer-Splatter-Märchen, das uns im besten Fall für 82 Minuten zu Traumwandlern werden lässt,…“ (Quelle: http://schatten-lichter.blogspot.de/2014/02/quella-villa-accanto-al-cimitero-1981.html)

Das Haus an der Friedhofsmauer, Regie: Lucio Fulci, Darsteller: Catriona MacColl, Paolo Malco, Ania Pieroni, Giovanni Frezza, Silvia Collatina, Dagmar Lassander, Giovanni De Nava, Daniela Doria, Giampaolo Saccarola, Carlo De Mejo, Kenneth A. Olsen, Teresa Rossi Passante, I 81 Minuten

Weird Xperience im November: WE ARE THE FLESH

wearetheflesh_aAm Freitag, den 11.11. verzichten wir großzügig auf närrisches Treiben und präsentieren Euch einen hammerharten Schocker, der nichts für zartbesaitete Gemüter ist: WE ARE THE FLESH! Los geht es wie immer um 20:30 Uhr (Einlass ab 20:00 Uhr) in der etage3 des Kulturzentrums Lagerhaus.

In einer möglichen Post-Apokalypse treffen die Geschwister Fauna (María Evoli) und Lucio (Diego Gamaliel) auf den verwilderten Mariano (Noé Hernández), der in einem der letzten halbwegs intakt gebliebenen Gebäude haust. Als Gegenleistung für Unterkunft und Verpflegung müssen sie für ihn mit Holzlatten, Pappe und Unmengen von Paketklebeband eine Art Filmset bauen, welches an eine Mischung aus Geburtskanal und B-Movie-Hölle erinnert. Mariano hat allerdings noch mehr Pläne mit ihnen und so erleben Fauna und Lucio bald ihr ganz eigenes Inferno…

Das klingt noch recht banal, entwickelt sich aber schnell zu einem wahren Höllentrip aus Kannibalismus, Defäkationen, Geburtsmetaphern und -szenen, Menschenopfer, pornografischer Sex und Großaufnahmen von Genitalien beiderlei Geschlechts. WE ARE THE FLESH lief in diesem Jahr auch auf dem Fantasy Filmfest und vor Kurzem auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg. Hier ein paar Pressestimmen, um Euch darauf einzustimmen, was Euch erwartet.

wearetheflesh2WE ARE THE FLESH lässt das transgressive Kino der 70er- und frühen 80er-Jahre wieder aufleben und saut rum, dass es eine Freude ist. – Thorsten Hanisch, Das Manifest

Als Aktualisierung einer wichtigen Traditionslinie des Kinos, als Beitrag zu einer Poesie der Transgression und Fleischlichkeit, als Film über das Unbehagen des Geboren-Seins und die romantische Sehnsucht der Kunst danach, zu einer Zone des Erlebens jenseits der Tabus zurückzugelangen, ist „We are the Flesh“ (…) ein rundum starker, toller Film. – Thomas Groh, perlentaucher.de

Inzest, Nekrophilie und Sexszenen im Wärmebild-Look: Das ebenso skandalträchtige wie experimentelle Debüt des Mexikaners Emiliano Rocha Minter erinnert an die Filme Gaspar Noés. Und führt vor, wie limitiert die Filmsprache im alltäglichen Kinobetrieb sonst ist. – Martin Gobbin, critic.de

wearetheflesh3jpgEmiliano Rocha Minter is very much the author of all the chaos wrought here, and his thoroughly arresting vision could squat quite comfortably alongside Hieronymus Bosch’s depiction of hell. – Catherine Bray, variety.com

WE ARE THE FLESH is a singular vision unlike anything else you may experience, even if that experience is just as likely to entrance as it is to alienate. – Ken W. Hanley, fangoria.com

Das Spielfilmdebüt des 26-jährigen mexikanischen Regisseur Emiliano Rocha Minter sorgte entweder für absolute Begeisterung und wearetheflesh1unverhohlene Abscheu. Kalt lässt es niemanden. Wir freuen uns, Euch dieses kontroverse Stück Grenzüberschreitung als Bremen-Premiere zeigen zu können.

Tritt ein, wenn Du Dich traust!

OT: Tenemos la carne, R: Emiliano Rocha Minter, D: Noé Hernández, María Evoli, Diego Gamaliel, Mexiko/Frankreich 2016, 79 Minuten

Betriebsausflug: “Deliria Italiano” – 7. öffentliches Forentreffen in Düsseldorf

dift_2016Wie jedes Jahr ist es für Stefan und mich ein großer Höhepunkt, unsere Freunde und Bekannte von Deliria-Italiano.de wiederzutreffen. Um einmal zu erklären, was wir da jedes Jahr eigentlich machen (und warum dafür Weird Xperience um eine Woche verschoben wird) nutze ich mal einen Text, den ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe.

Bereits im siebten Jahr in Folge treffen sich die Mitglieder des Internetforums Deliria-Italiano.de, um gemeinsam ihrer große Leidenschaft zu frönen: Dem italienischen Genrekino. Nachdem die von den Foren-Administratoren stets mit viel Liebe und großem Engagement organisierten Treffen bereits in Hamburg, Bremen, Frankfurt, Magdeburg, Nürnberg und sogar Wien stattfanden, zieht es Deliria-Italiano.de nun erstmals in den Westen der Republik. Das diesjährige Forentreffen findet am nächsten Wochenende, dem 14. und 15. Oktober in der BLACK BOX (dem Kino des Düsseldorfer Filmmuseums) statt. In Kooperation mit „Mondo Bizarre“, einer in Düsseldorf beheimaten Filmreihe, die dort einmal im Monat bizarre Filmkost aus aller Herren Länder serviert.

di7_ddorfWie immer ist das Treffen keine geschlossene Veranstaltung, sondern jeder ist herzlich eingeladen, dabei zu sein. Wer in den vergangenen Jahren die Forentreffen besucht hat weiß, dass „Neulinge“ stets mit offenen Armen willkommen geheißen werden. Daher ist es auch kein Wunder, wenn von Treffen zu Treffen die Schar derer wächst, die auch beim nächsten Mal dabei sind. Im letzten Jahr verzeichnete das Forentreffen dann auch einen neuen Besucherrekord – und dies, obwohl der überwiegende Teil der Besucher dafür bis nach Wien reisen musste. Auch in Düsseldorf, wird wieder mit einem vollen Haus zu rechnen sein.

Neben dem geselligem Beisammensein und der fröhlichen Fachsimpelei, stehen natürlich Filme im Mittelpunkt der Veranstaltung. Diese werden von den Organisatoren mit großer Sorgfalt ausgesucht und – das ist ein ehernes Gesetz – von alten 35-Millimeter-Rollen gezeigt. In diesem Jahr wurden einige ganz besondere Leckerbissen für italophile Filmfreunde ausgegraben.

di7_ddorf2Den Auftakt macht der großartige Film „Flavia – Leidensweg einer Nonne“, der unter dem weitaus spekulativeren Alternativ-Titel „Nonnen bis auf’s Blut gequält“ größere Berühmtheit erlangte. Regie führt Gianfranco Mingozzi, die Hauptrolle spielt die wundervolle Florinda Bolkan. Weiter geht es mit einem Werk des mittlerweile zum Forentreffen-Maskottchen beförderten Bruno Mattei, der Miles O’Keeffe als „Der Kampfgigant“ ins Rennen schickt. Am nächsten Tag heißt es: „Mein Name ist Nobody“. Terence Hill trifft auf Henry Fonda, und beide lassen in einem großen Klassiker des Italo-Western die Luft vibrieren. Zu diesem Film werden Stefan und ich dann eine Einführung machen. Ihr kennt das ja von unseren Veranstaltungen.

gorilla2Den Abschluss macht eine echte Sensation. Die Jungs von Deliria-Italiano.de haben tatsächlich eine deutsche 35-Millimeter-Kopie von Tonino Valeriis Actionfilm „Der Gorilla“ mit Fabio Testi entdeckt. Von diesem Film ist bisher nicht bekannt gewesen, dass er einmal für eine deutsche Kinoauswertung vorgesehen war. Es gibt weder deutsche Plakate, noch Aushangfotos. Umso größer war die Überraschung und Freude, als die 35-Millimeter-Kopie einem Testlauf unterzogen wurde. Eine Kopie zum Träumen. Wahrscheinlich noch nie abgespielt und tatsächlich in deutscher Sprache. Recherchen haben ergeben, dass es wohl noch eine weitere Kopie zu diesem Film gab, diese aber aller Wahrscheinlichkeit nach im Müll gelandet ist. Warum es der Film nie in die deutschen Kinos geschafft hat, kann nicht rekonstruiert werden. Aber nach exakt 40 Jahren ist es jetzt soweit und „Der Gorilla“ erblickt in Düsseldorf erstmals das Licht einer deutschen Kinoleinwand!

Zu jedem Film gibt es noch weitere fachkundige Einführungen, u.a. von Oliver Nöding und Michael Cholewa. Und spannende Verlosungen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Also, wer nächstes Wochenende noch nichts vor hat: Kommt mit uns nach Düsseldorf! Es lohnt sich.

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Weird Xperience im Oktober: TRUE LOVE WAYS (zweiter Versuch)

Vor genau einem Jahr wollten wir bei Weird Xperience den Film „True Love Ways“ zeigen. Aufgrund technischer Probleme hat das leider nicht geklappt. Jetzt – ein Jahr später – holen wir die ausgefallenen Vorstellung nach. Allerdings diesmal nicht am zweiten Freitag im Monat, sondern ausnahmsweise einmal am dritten Freitag, den 21. Oktober! Grund ist ein „Betriebsausflug“ des Weird Xperience-Teams nach Düsseldorf zum 7. Öffentlichen Forentreffen von Deliria Italiano. Der Ort bleibt aber derselbe: Die Etage 3 im Lagerhaus (Schildstr.12-19, 28203 Bremen). Und „True Love Ways“ ist auch weiterhin eine Bremen-Premiere. Einlass beginnt um 20:00 Uhr, der Film startet um 20:20 Uhr.

TRUE LOVE WAYS (2015)

Da soll noch einmal einer behaupten, aus Deutschland kommen keine guten Genrefilme! Zur Not wird auch mal eben ein Schweizer, wie den Filmemacher Mathieu Seiler, importiert, um zu zeigen, dass auch hier genremäßig die Axt kreist.

Mit „True Love Ways“ hat Seiler einen Giallo-Slasher-Thriller-Hybrid mit Retro-Charme geschaffen, der u.a. auf dem Brussels International Fantastic Film Festival lief und dort für begeisterte Kritiken sorgte. So wurde der Film in einem Atemzug mit dem frühen Polanski genannt. Was nicht nur daran liegt, dass sich Seiler für Schwarz-Weiß als Stilmittel entschieden hat. Harald Mühlbeyer schreibt beispielsweise auf kino-zeit.de: „Der ganze Film hat einen eigenen Pulp-Charme, und das latent bis akut Trashige erscheint fast als bewusstes Stilmittel.“true-love-ways-07

„True Love Ways“ handelt von der jungen und selbstbewussten Séverine. Bevor sie für ein paar Tage Tage ans Meer fährt, trennt sie sich von ihrem Freund Tom. Der betrinkt dieser sich in einer Kneipe, wo er von einem Mann angesprochen wird, der eine Lösung für sein Problem anbietet. Séverine soll während ihrer Fahrt ans Meer überfallen und dann von Tom gerettet werden. So würde Tom seine Séverine zurückerobern. Doch der Plan gerät außer Kontrolle: Séverine entkommt ihren Entführern. Als sie in einer Villa im Wald Hilfe sucht, wird sie Zeugin eines brutalen Verbrechens und muss um ihr Leben kämpft…

Mathieu Seiler mischt in seinem Film Splatter und klassischen Backwood-Slasher mit einer traumgleichen, kunstvollen Atmosphäre. Seine Heldin wird von finsteren Gestalten durch labyrinthische Kellergewölbe gejagt, gerät an eine grausame Snuff-Video-Bande und wird immer tiefer in einen Strudel aus Mord und Vergewaltigung gezogen. Doch wie der Schweizer Filmkritiker Michael Sennhauser schreibt: „Severine mag die schmollende Prinzessin geben, das trotzige Kind oder auch die erschreckte oder wütende junge Frau: Wenn es dann zur Sache geht und blutig wird, handelt sie entschlossen und schnell und vor allem unzimperlich. Schliesslich ist auch der Alptraum noch immer ihr Traum, und sie hat ihn gesucht.

Regie: Mathieu Seiler, Darsteller:Anna Hausburg, David C. Bunners, Kai-Michael Müller, Spielzeit: 1h 45 min

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Weird Xperience im September: LIQUID SKY

Am 9. September 2016 (Einlass 20 Uhr, Beginn circa 20:30) ist es wieder soweit: Weird Xperience präsentiert:

LIQUID SKY (1982)

ls4Wir befinden uns in der unheimlichen Welt New Yorks Anfang der 80er Jahre.
Drogen, Modells, New Wave und Sex bestimmen das Leben in Greenwich Village. Ein UFO landet auf dem Appartement des androgynen Modells Margaret. Infolge dessen sterben ihre häufig wechselnden Sexualpartner durch kristalline Pfeile, die sich durch die Köpfe bohren.
Der West-Berliner Forscher Johann beobachtet dies, er ist den Ausserirdischen schon länger auf der Spur. Seine Theorie: Sie ernähren sich von den Endorphinen, die sich bei Sex und Drogenkonsum freisetzen.
Margaret hingegen macht sich hingegen bewusst, dass sie immer nur eine Rolle war, sucht sich selbst und fängt an zu glauben, dass die UFO-Bewohner ihr helfen, sich zu erfahren und befreien. Irgendwann kommt es zum Zusammentreffen Johanns und Margarets…ls3
Ein wilder Mix der frühen Achtziger Themen: Sex, Drogen, Selbsterfahrung, Genderdefinition. Und das alles in der präzisen Ästhetik des New Wave. Kalte Neon Farben, grelle Einstellungen, Synthesizer Musik, die pluckert und blubbert. Eine androgyne Hauptdarstellerin, die auch ein männliches Model spielt. Und tatsächlich immer noch oder wieder aktuell. Ein Film wie aus einer Mischung aus Liquid Sky (damaliges Slangwort für Heroin) und Koks.
Geschrieben wurde der Film vom Regisseur Slava Tsukerman, seiner Frau und Mitproduzentin Nina V. Kerova und Hauptdarstellerin Anne Carlisle.
Anne Carlisle war zu der Zeit noch Kunststudentin, half aber auch den Film entstehen zu lassen. So wurde auch in ihrem Appartement, sozusagen an original Schauplatz, gedreht. Später wurde sie eine bekannte Performance Künstlerin, die auch Auftritte in Desperately Seeking Susan, Miami Vice und Crocodile Dundee hatte.
Slava Tsukerman war ein erfolgreicher TV-Dokumentarfilmer in Israel, bevor er nach New York ging. Leider drehte er danach nicht mehr viel, nach Deutschland kam keiner seiner späteren Filme. Er plant aber seit 2014 einen zweiten Teil mit Anne Carlisle.
Der Film bekam Preise auf unterschiedlichsten Filmfestivals weltweit, Montreal, Sidney, Manila, Brüssel und Cartagena, Kolumbien. Und wurde zu einem Underground-Klassiker.
Die zeitgenössische Kritik war auch begeistert:
„The funniest, craziest, most perversely beautiful, science-fiction movie ever made!“ schrieb zum Beispiel NY Magazine Kritiker Danny Denby. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer:
Viel Spaß auf unserer Zeitreise!

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R: Slava Tsukerman, D: Anne Carlisle, Paula E. Sheppard, Jack Adalist, Elaine C. Grove, Otto von Wernherr, Stanley Knap, Susan Doukas, Bob Brady, M: Brenda I. Hutchinson, USA 1982, 112 Minuten

Weird Xperience im August: TOTALER SPERRBEZIRK

Am 12. August machen wir schon weiter, keine Sommerpause, um 20 Uhr (Einlass) sind wir wieder im Haus, im Lagerhaus, 3. Etage, und zeigen:

TOTALER SPERRBEZIRK (1980)
Originaltitel:
FORBIDDEN ZONE

fz2Wer kennt das nicht? Diese geheimnisvolle Tür im Keller, wo führt die eigentlich hin? Die im Keller der Hercules-Familie führt jedenfalls in die sechste Dimension, der „Forbidden Zone“. Tochter Frenchy muss da natürlich durch, der von seiner Familie genervte König verliebt sich in sie, so dass die Königin Fenchy in den Kerker werfen muss. Zum Glück sind Bruder Flash und der stumme Opa schon auf dem Weg, die Ereignisse nehmen ihren Lauf.
Was ein wilder Ritt:
Regisseur Richard Elfman gründete 1972 zusammen mit seinem Bruder Danny Elfman die Musiktheater-Gruppe The Mystical Knights Of Oingo Boingo. Danny wurde später für seine Soundtrackarbeiten für Tim Burton (von Pee Wee’s Abenteuer bis heute) und der Titelmelodie der Simpsons bekannt. 1979 verließ Richard die Band, um Filme zu drehen; Danny formte aus den Resten der Knights die New Wave Band Oingo Boingo, aber Richards Debutfilm bedient sich all der verrückten Elemente und des verrücktem Personals ihrer gemeinsamen Bühnenshows.
Filmisch gibt es hier allerhand Trashreferenzen: John Waters, Rocky Horror Picture Show, Ed Wood, die Animationen erinnern an Ralf Bakshi (Fritz The Cat), und ich bin sicher, Wenzel Storch hat da auch mal ein Blick draufgeworfen.fz1
Andererseits bedient sich die Story bei klassischem: Der Faust-Mythos, Orpheus in der Unterwelt, Alice im Wunderland, dreht sie durch den Wolf und lässt einen unglaublichen Cast darauf los: allen voran der bekannteste Kleinwüchsige Hollywood, Hervé Villechaize, bekannt als Schnickschnack aus „Der Mann mit dem goldenen Colt“, als geiler König; aus dem Warhol-Umfeld machten Viva und Susan Tyrell mit, Joe Spinell, ein vielbeschäftigter und gesichtsbekannter Nebendarsteller Hollywoods.
Die Musik ist natürlich großartig: Hier wird amerikanischer New Wave mit Wissen der Popmusik der 60er bis 80er geboten, DEVO ist eine Referenz, aber auch alter Jazz der 20er und 30er als Hommage an das Vaudeville-Theaters gibt sich sein Stelldichein , Danny Elfman hat so auch einen wunderschönen Auftritt als Satan, der „Minnie the Moocher“ trällert. Aber man hört auch schon Anklänge an seine späteren Soundtracks und sein Wissen um die Popmusik der 60er bis 80er.
Also: Folgt uns in den totalen Sperrbezirk, wer weiß, ob wir überhaupt wieder einen Weg herausfinden wollen.
R: Richard Elfman, D: Hervé Villechaize, Susan Tyrrell, Gisele Lindley, Jan Stuart Schwartz, Marie-Pascale Elfman, Virginia Rose, Ugh-Fudge Bwana, Phil Gordon, Hyman Diamond, Toshiro Boloney, Danny Elfman, Viva, Joe Spinell, The Kipper Kids, M: Danny Elfman, 74 min

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Weird Xperience Open-Air: „Invasion aus dem Inneren der Erde“ und „Die Todesgöttin des Liebescamps“ am 12. Juli

infrasupermanJetzt geht es Schlag auf Schlag! Schon am kommenden Dienstag, den 12. Juli, sind wir nochmals beim Open Air Kino am Schlachthof dabei. Und wieder haben wir uns bei der Zusammenstellung der Film viel Mühe gegeben. Wir freuen uns schon sehr darauf, wieder wundervoll obskure Filmkunst unter freien Himmel zeigen zu dürfen. Los geht es um 19:45 Uhr mit „Invasion aus dem Inneren der Erde“, einem farbenfrohen Fantasy-Superhelden-Monster-Film Mischmasch aus Hongkong, welcher mitnichten zu den „schlechtesten Filmen aller Zeiten“ gehört, wie zwei bösmeinende Herren im Fernsehen behaupten. Ganz im Gegenteil bereit dieser von japanischen Super-Robotern inspirierte Genremix unglaublich gute Laune und bietet munteres Monsterverdreschen de luxe. Vergesst die Power Rangers, nur der Infra Superman ist der wahre Jakob.

13162486_1291634464197389_1609378130_nNach 10 Millionen Jahren Tiefschlaf erwacht eine außerirdische Prinzessin im Inneren der Erde und macht sich sogleich daran, mit ihren unzähligen Mutanten die Erde zu erobern. Die Menschheit scheint dem Untergang geweiht, doch ein Projekt des Wissenschaftler Chang verspricht Hoffnung: Der Professor implantiert einem jungen Kollegen allerhand Elektronik und schafft so den Infra-Superman, der neben exzellenten Kampfsportkenntnissen auch über Röntgenblick sowie eingebaute Todesstrahlen und Raketen verfügt.

13219687_1291634480864054_1517528311_nBodo Traber in der Splatting Image: „Visuelle und narrative Motivik springen ein bisschen zwischen Martial Arts, Fetischerotik, SF und Fantasy, der vor allem die heiße Unterweltfürstin Dämona (im Original: Prinzessin Elzibub), die dringenden Anspruch auf die Weltherrschaft erhebt, und ihr Hofstaat zu entstammen scheinen. Überhaupt liefert der Film einen grandiosen Best-of-Mix aus allen zeitüblichen Motiven, die das fernöstliche Genrekino der 70er Jahre erschüttert haben.“ Gezeigt wird die ungekürzte Fassung, da die alte deutsche Kinofassung aus Jugendschutzgründen um fast 9 Minuten gekürzt war.

 

plakatWeiter geht es um 21:50 Uhr mit einem Film, für den man nicht nur das ausgelutsche Wort vom „Kult“ in den Mund nehmen darf, sondern der auch bereits durch eine Ausstrahlung beim Kultursender Arte geadelt wurde. Die Leute dort erkennen eben wahre Kunst, wenn sie ihnen in Gestalt des „deutschen Bruce Lee“ Christian Anders ins Gesicht springt. Moment! Christian Anders? Genau: Der deutsche Schlagersänger, in dessen größtem Hit ein Zug nach Nirgendwo fahren durfte, hatte Ende der 70er große Pläne. Er wollte sich als Actionfilmstar etablieren und schuf so in Personalunion als Produzent, Drehbuchautor, Regisseur, Hauptdarsteller und Filmmusikkomponist (eben ein total filmmaker) zwei Klassiker der deutschen psychotronischen Films: Den Martial-Arts-Klopper „Die Brut des Bösen“ und „Die Todesgöttin des Liebescamps“, den wir diesmal zeigen.

todesgttin-des-liebescampsChristian Anders hat sich selbst die Rolle des Dorian auf den blondgelockten Leib geschrieben. Er ist der Chef-Jünger einer Frau, die sich „Die Göttliche“ nennt (gespielt von einer echten Göttin, nämlich dem Erotik-Superstar Laura Gemser). Sie ist das Oberhaupt einer „Liebessekte“. Dorians Aufgabe ist es neue, junge, und vor allem hübsche weibliche Mitglieder für die Sekte zu rekrutieren. Doch wie das so mit Sekten ist: Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Wer sich weigert mit anderen Sektenmitgliedern Sex zu haben, wird ausgepeitscht und wer das Camp verlassen will, wird umgebracht. Doch irgendwann verliebt sich ausgerechnet Dorian in eine weibliche Neuanwerbung und will aussteigen. Keine gute Idee.

Die-Todesgoettin-des-Liebescamps_Heinz Klett vom Geheimen Filmclub Buio Omega schreibt: „DIE TODESGÖTTIN DES LIEBESCAMPS ist einer der Filme, deren Qualitäten durch eine Nacherzählung des Inhalts nicht zu vermitteln sind. Es sind vielmehr einige unglaubliche Musical-Nummern und Kabinettstückchen, wie eine derbe Entjungferungsszene, die den Film unvergesslich machen. Anders schauspielerische Leistung, seine Blicke, die Frisur… – dies alles brennt sich unauslöschlich ins Hirn des Betrachters.“ Wir zeigen die deutlich längere Exportfassung. Kleines Detail am Rande: Christian Anders spricht sich in diesem Film nicht selber, sondern wurde von Heiner Lauterbach (!) nachsynchronisiert.

OTTO, or Up with Dead People

Weird Xperience woanders:
Galerie onetwothree, Steffensweg 123, 28217 Bremen
20:30 Uhr, Eintritt frei

OTTO, or Up with Dead People (CAN, GER 2008)

OttobenchOtto, ein frischer Zombie, macht das, was viele junge Leute aus aller Welt gerade machen. Auf nach Berlin: Günstig, aufregend und voll mit andere interessanten Leuten. Auf seinem Streifzug durch die Stadt trifft er die Filmemacherin Medea, die eine Dokumentation über ihn drehen will. Zusammen mit ihr taucht er in die wilde Nacht voller Sex, Musik und Zombies und entdeckt so nach und nach seine Vergangenheit.
Bruce LaBruce heißt der Regisseur dieses politischen pornographischen Zombie-Films. LaBruce war bis dahin bekannt für artifizielle und politische Gay-Pornos, der sich auch immer wieder an deutschen Themen abarbeitete und dabei feststellte, dass diese gar nicht so deutsch sind. Kontrovers die Szene z. B. in Skin Flick, in der ein Skinhead auf „Mein Kampf“ onaniert und seine Verarbeitung der R.A.F.-Geschichte in „The Rasperry Reich“.
In „OTTO“ entführt er uns in das vermeintlich freie nächtliche Berlin, in der gefickt, gebissen und philosophiert wird. In körnigen heftigen und poetischen Bildern. Ein außergewöhnlicher Reigen von Bildern einer außergewöhnlichen Geschichte. Zum Soundtrack steuerten Künstler wie Coco Rosie, Anthony and the Johnsons, Theotto-review-01 Homophones und Ernesto Tomasini Songs und Sounds bei.
Wir freuen uns, dass die Galerie onetwothree diesen Film in ihrer Reihe „Just Freitags“ mit uns zeigt, in Zusammenhang mit der Ausstellung der mexikanischen Künstlerin Rurru Mipanochia, die sich wie Bruce LaBruce in einem Kosmos der Lust und sexuellen Uneindeutigkeit bewegt.
R: Bruce LaBruce, D: Jey Crisfar, Marcel Schlutt, Nicholas Fox Ricciardi, Keith Boehm, Olivia Barth, Christophe Chemin, Katharina Klewinghaus, Gio Black Peter, 95 Minuten

 

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Weird Xperience Open-Air: „Return of the Living Dead“/“Street Trash“-Double-Feature am 23. Juni

RotLDSchon am nächsten Donnerstag, den 23. Juni, ist es soweit: Unsere sommerliche Tournee beginnt mit dem großen Open-Air-Kino am Schlachthof, welches von den netten Menschen von der Schlachthof-Kneipe organisiert wird. Letztes Jahr hatten wir schon sehr viel Spaß dort und umso mehr freuen wir uns, auch diesmal wieder dabei sein zu dürfen. Und das nicht nur ein-, sondern gleich zweimal!

Für unsere erste Station haben wir Euch ein schönes 80er-Jahre-Fun-Splatter-Paket geschnürt. Los geht es um 19:45 Uhr mit einem echten Klassiker: „Return of the Living Dead“ von 1985. Der junge Freddy hat als Hilfskraft in einem medizinischen Versandhaus angefangen. Sein älterer Kollegen erzählt der ihm eine unglaubliche Geschichte: Der Film „Night of the Living Dead“ beruht auf Tatsachen und nur weil die Army Druck gemacht habe, sei die Geschichte ein wenig verändert worden. Als Beweis zeigt er ihm im Keller einige Fässer, in denen mumifizierte Zombies liegen. Vor schrecks tösst Freddy gegen einen der Behälter, woraufhin aus diesem Gas ausströmt. Kurz darauf bricht die Hölle los.

Der Film beruhte ursprünglich auf einem Roman des „Night of the Living Dead“-Co-Autoren John Russo und sollte von Tobe „Kettensägenmassaker“ Hooper verfilmt werden. Doch dann kam alles anders: Drehbuchautor Dan O’Bannon – der mit seinen Drehbüchern zu „Alien“ und John return_of_the_living_dead_Bild2Carpenters Spielfilmdebüt „Dark Star“ bereits für reichlich Furore gesorgt hatte – nahm auf dem Regiestuhl Platz, krempelte den Stoff ordentlich um und fügte Punkmusik, nackte Brüste, schleimig-schöne Effekte und jede Menge schwarzen Humor hinzu. Außerdem kreierte er für seine Zombies den unsterblichen Zombie-Ruf nach „BRAAAAAAAINS“. Kurzum, der Wechsel hinter den Kulissen erwies sich als Glücksfall und ein Kultfilm war geboren. Wer könnte je Linnea Quigleys Punkerin Trash und ihren legendären Striptease auf dem Friedhof vergessen? Den „Tar-Man“ im Keller? Oder die Bitte „Send in more cops!“? Der „Splattick“-Spaß war auch an den Kinokassen erfolgreich und bis 2005 sollten noch vier Fortsetzungen folgen, von denen aber – vielleicht mit Ausnahme des ernsthaften dritten Teils mit Mandy Clarke, dem erotischsten Zombie der Filmgeschichte – keiner dem Original auch nur im Entferntesten das Wasser reichen konnte.

return_of_the_living_dead_Bild3„THE RETURN OF THE LIVING DEAD ist ein Glücksfall, der in dieser Form nur während eines äußerst kurzen Moments zu Beginn der Achtzigerjahre möglich war: Er ist blutig, ohne jedoch monothematisch die unstillbare Lust der selbsternannten Gorehounds zu befriedigen, er ist lustig, ohne allzu albern zu werden, er ist parodistisch, ohne jedoch nur noch als „Film zweiter Ordnung“ wahrgenommen werden zu können und seine Wurzeln im Horrorfilm völlig zu kappen.“ – Oliver Nöding, Remember It For Later

“‘The Return of the Living Dead’ is a very well written film that ties together it’s influences and wraps them up in one package that is distinctly 80s feeling but timeless at the same time.” – Ian Jane, Rock! Pop! Shock!

STREET-TRASHDanach geht es um 21:50 Uhr gleich weiter mit den zwei Jahre später entstanden Underground-Klassiker „Street Trash“, der ebenfalls Humor mit ekligen Spezialeffekten kombiniert. Angeführt von dem Vietnamveteran Bronson lebt eine Gruppe Obdachloser auf einem New Yorker Schrottplatz. Diesen werden von dem Besitzer eines nahegelegenen Spirituosengeschäft Flaschen mit der Aufschrift „Viper“ verkauft, die dieser ins einem Keller gefunden hat. Doch schnell stellt sich heraus, dass „Viper“ eine fiese Nebenwirkung hat: Wer davon trinkt, der schmilzt..

„Street Trash“ stellt die bisher einzige Regiearbeit des Kameramannes James Muro dar, der u.a. Filme wie den oscar-prämierten „L.A. Crash“ oder den Western „Open Range“ fotografiert hat. Zusammen mit Filmen wie „Planet Saturn lässt street_trash_bildschön grüßen“, „Slime City“ und „Body Melt“ gehört er zum sehr überschaubaren Subgenre der Melt Movies. Ekelige Spezialeffekte, fliegende Penisse, in Toiletten zerfließende Menschen, derber Humor, gleichzeitig aber eben auch viel Liebe zum Detail und eine gute Geschichte zeichnen diesen – auf beste Art und Weise – „geschmacklosen“ Film aus. Zudem ist er eine wunderbare Ergänzung zu „Planet Saturn lässt schön grüßen“, den wir ja erst am Anfang des Monats in unserer regulären Reihe gezeigt haben.

„Kein Filmtitel war je passender als dieser. ’Street Trash’ ist genau das: Straßenmüll! Und zwar die Sorte, die ihr mit nach Hause nehmt, um sie euren kaputten Kumpeln zu zeigen. Für normale … ach kommt, die würden den Film nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Der Rest weiß bescheid. Und falls es dem aufmerksamkeitsdefizitären Trashhasen nicht aufgefallen ist: Hier hat’s Gore & Glotter, Vietnam & Sprüche, Sex, Gewalt und abbe Pimmel! Schnaps holen, anschalten, abgehen!“ – Hudson, filmflausen.de

„Was für ein krankes Stück Film! Street Trash strotzt vor einem schrägen Humor, der teilweise schon echt heftig ist. Die kruden Splattereffekte unterstreichen das noch zusätzlich, denn wo sonst bekommt man einen Pathologen zu sehen, der aus seinen zu untersuchenden Objekten Skulpturen baut?“ – Carsten Henkelmann, Sense of View

Weird Xperience im Juni: DER PLANET SATURN LÄßT SCHÖN GRÜßEN (1977)

testWeird Xperience präsentiert am 10. Juni um 20 Uhr im Lagerhaus, Etage 3.
PLANET SATURN LÄßT SCHÖN GRÜßEN (1977)

Diesen Monat zeigen wir euch einen klassischen Kracher aus dem Hause American International Pictures.
Story: Drei Astronauten fliegen zum Saturn, werden aber starker radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Anders als die Fantastischen Vier sind sie daraufhin nicht mit Superkräften gesegnet, sondern zwei sterben und einer, Steve West, kommt komatös und schwer verletzt zur Erde zurück. Er wird bandagiert, wacht irgendwann auf und stellt zu seinem Erschrecken fest, dass sich sein Fleisch auflöst. Unschön. Panisch zieht er von dannen und hinterlässt eine Spur Radioaktivität und Leichen hinter sich….
Exploitativ werden hier Themen der Zeit ausgenutzt, um einen blutigen Film an das Publikum zu bringen: Angst vor radioaktiver Strahlung, Zweifel an der Sinnhaftigkeit bemannter Raumflüge. Diese Ängste kulminieren in der Figur des „Incredible Melting Man“, wie er im original heißt. Oder, unter Liebhabern des Genres: Der Schmelzmann.
Die Low-Budget- / Autokino- Filmproduktionsfirma AIP gab hier William Sachs die Chance sein eigenes Drehbuch zu verfilmen. Dies tat er auf schnelle und geradlinige Weise mit einem Gefühl für skurrile Einfälle. Bei früheren Filmen aus dem Hause war das der Start zu einer Weltkarriere: Roger Corman, Peter Bogdanovich, Jack Nicholson und Peter Fonda machten hier ihre ersten Schritte. Bei William Sachs klappte das leider nicht; er begeisterte uns später nur noch mit dem schönen GALAXINA (1980), auch nach plsat5eigenem Buch.
Aber zwei andere Filmschaffende zeigen ihr Können in diesem Film, die beide später einen Oscar in ihr Regal stellten: Jonathan Baker ist hier als Schauspieler zu sehen, prämiert wird er später als Regisseur für „Das Schweigen der Lämmer“. Und für die sehr fiesen Masken ist Rick Baker zuständig, der insgesamt sieben Mal den kleinen goldenen Mann in Empfang nehmen durfte, u. a. für „American Werewolf“ und „Ed Wood“.
Der wunderschöne deutsche Kino-Verleihtitel erfuhr zur VHS-Zeit auch hübsche Umbenennungen: In der Videothek stand er auch unter den Titeln „Bluthitze“ und „Der Zombie aus dem Weltall“.
Wir hoffen, dass wir in diesem Sommer nicht selbst zerfließen, und freuen uns, mit euch diesen Schlocker anzusehen und damit unsere Sommerfestwochen (open air Kino, Kooperation mit Galerie OneTwoThree) einzuläuten.

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