Archiv für die Kategorie „Filme“

Weird Xperience im Februar: OPERATION DANCE SENSATION

Am Sonntag, den 18. Februar steht bei Weird Xperience ein für unsere Reihe doch recht ungewöhnlicher Film ins Haus. Wir zeigen das erste Mal seit „City Kill“ vor sechs Jahren wieder eine Komödie! Aber natürlich nicht irgendeine, sondern Thilo Gosejohanns Trash-as-trash-can-Wunderwerk OPERATION DANCE SENSATION! Kleines nutzloses Wissen am Rande: In besagtem „City Kill“ war Thilo in seiner Paraderolle als „Jackson“ auch dabei gewesen. Gezeigt wird der Film natürlich wieder im Cinema Ostertor. Los geht es wieder um 20:00 Uhr.

Fünf Jahre nach ihrem Spielfilm-Debüt „Captain Cosmotic“, der damals prompt bei VIVA2 ausgestrahlt wurde, drehten die Gosejohann-Brüder Thilo und Simon ihr Opus Magnus „Operation Dance Sensation“ für den sie u.a. Unterstützung von Bela B. und Anke Engelke bekamen. Teile des Soundtracks wurden von der Bielefelder Punkband ZZZ Hacker beigetragen. Herausgekommen ist eine extrem wilde und höchst unterhaltsame Mischung aus Action- und Tanzfilm, die „Operation Dance Sensation“ zum perfekte Party-Film macht! Und zum ultimative Beweis, dass man mit einem geringen Budget ganz wundervolle Filme machen kann. Auch wenn man aus Gütersloh-Niehorst kommt.

Jackson (Thilo Gosejohann) ist Amerikaner und kämpft heldenhaft in Vietnam an vorderster Front. Seine Widersacher aus der eigenen Truppe, ZORC (Oliver Piper) & ATLAS (Simon Gosejohann), verraten ihre Ideale und versuchen hinter den feindlichen Linien mit dem Gegner dubiose Waffengeschäfte abzuwickeln. Jacksons Versuch beide unschädlich zu machen scheitert zunächst. 20 Jahre später tauchen beide Schurken in Jacksons Heimatort auf und eröffnen scheinheilig eine Disco. Jackson, mittlerweile alleinerziehender Vater und arbeitsloser Kopfgeldjäger, misstraut den Ganoven von Anfang an. Er stürzt sich ins wilde Nachtleben um der Sache auf den Grund zu gehen. Plötzlich kommt er einem dämonischen Komplott auf die Schliche…

Hauptdarsteller Simon Gosejohann wurde zunächst als 2000 Moderator der Sendung „Zelluloid“ VIVA bekannt. 2002 und 2003 moderierte er außerdem „Film Ab“. Für diese beiden Sendungen erhielt er den Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises. Zwischen 2002 und 2013 war er Protagonist der Pro7-Sendung „Comedystreet“. Dem breiten Publikum dürfte er besten für die ebenfalls bei Pro7 gelaufene Show „Elton vs. Simon“ im Gedächtnis geblieben sein. Sein älterer Bruder Thilo dreht schon seit 1990 unzählige Filme. Zunächst mit Freunden, später dann immer professioneller. Mit Simon war er für „Comedystreet“ als Regisseur tätig und drehte die Pro7-Serie „Alles in Ordnung – Mit dem Wahnsinn auf Streife“. Derzeit realisiert er die Einspieler bei der „heute show“, schreibt Hörspiele für den WDR (in denen auch „Jackson“ und „Atlas“ immer wieder auftauchen) und ist eine wichtige Stimme in der Szene deutscher Filmfreaks, die sich mit den ebenso wundervollen, wie obskuren Genrefilmen der letzten Jahrzehnte beschäftigt. Und von daher ist er ein idealer Repräsentant für „Weird Xperience“.

„In erster Linie ist OPERATION DANCE SENSATION aber ein Partyfilm. Simon Gosejohann ist zum Totlachen als tumber Muskelprotz Atlas, der die Ninjas verbraucht wie andere Leute Socken, und sich mit Jackson in einem Fort kindische Handgreiflichkeiten liefert (dieser auf Kindergartenniveau ausgetragene Streit, wer denn nun die bessere „Einheit“ im Krieg hatte, ist alles). Schöne Ideen wie die mit dem Kindergeburtstag, bei dem sich die Kerle bei einem Kinderspiel in die Wolle kriegen, der absurde Showdown, bei dem überdimensionierte Waffen auf Stützrädern herumgekarrt werden, und die schnoddrigen Dialoge in schönster westfälischer Diktion sorgen dafür, dass der Film auch nach über zehn Jahren nichts von seinem Charme eingebüßt hat.“ – Oliver Nöding, Remember It For Later

Und hier noch ein wichtige Lektion fürs Leben:

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Weird Xperience im Januar: DAS BÖSE

Hier schon einmal die erste Vorschau auf 2018. Trotz der für alle Beteiligten bisher sehr enttäuschende Resonanz auf Weird Xperience im Cinema Ostertor, haben wir noch einmal eine drei-monatige Bewährungszeit bekommen. In der großen Hoffnung, dass sich in Punkto Zuschauerzuspruch in dieser Zeit deutlich positiv entwickelt.

Wir beginnen daher mit einem Klassiker, den wir am Sonntag, den 14. Januar im Cinema Ostertor zeigen. Dieses Jahr starten wir übrigens etwas eher. Statt 20:45 Uhr geht es schon um 20:00 Uhr los. Das kommt sicherlich vielen von Euch entgegen. Gezeigt wird der Film in der Originalfassung!

Nach 34 Jahren auf dem Index und 24 Jahren Beschlagnahmung wurde „Das Böse“ im Juni 2017 befreit und erneut auf die deutschen Zuschauer losgelassen. Nun darf dieser Horror-Kultfilm endlich wieder legal gezeigt werden.

Mit dem „Großen Mann“ und seinen tödlichen Silberkugeln erschuf der damals gerade 25-jährige Regisseur und Drehbuchautor Don Coscarelli eine der ganz großen Horror-Ikonen und machte aus seinem Darsteller Angus Scrimm einen vielgefragten Genre-Star.

 

Der surreale, traumartige Film „Das Böse“ wurde mit einem minimalen Budget von 300.000 US$ gedreht, spielte in den Folgejahren über 11 Millionen Dollar an der Kinokasse ein und gewann eine große Fangemeinde, zu der auch Quentin Tarantino und sein Pulp-Fiction-Co-Autor Roger Avery gehören. Letzterer schrieb Ende der 90er Jahre sogar das Drehbuch für eine epische „Das Böse“-Fortsetzung, welche dann allerdings an der Finanzierung scheiterte.

Nach dem Unfalltod seiner Eltern lebt Mike bei seinem älteren Bruder Jody. Auf dem Friedhof der Kleinstadt beobachtet Mike einen seltsamen großen Mann, der sich an den Gräbern zu schaffen macht. Niemand will Mike seine Beobachtungen glauben, also forscht er auf eigene Faust weiter. Mike findet heraus, dass der große Mann, bewacht von seinen seltsamen fliegenden Silberkugeln, in der Leichenhalle menschliche Körper schrumpft und für den Transport in eine andere Dimension vorbereitet. Bevor Mike seinen Bruder informieren kann, wird er von dem großen Mann entdeckt und verfolgt…

„Das Böse“ besticht durch seine merkwürdige, fremdartige Atmosphäre, die hervorragende Kameraarbeit, blutige Effekte und einen unvergesslichen Soundtrack, der einem auch Tage später nicht aus den Ohren will. Großes Horrorkino, welches viel zu lange von der Leinwand fern gehalten wurde.

Weird Xperience im November: PERFECT BLUE

Diesen Monat steht bei Weird Xperience eine Premiere an. Erstmals in unserer nun schon sechs-jährigen Geschichte zeigen wir einen Anime!

Und welcher japanische Animationsfilm wäre da besser geeignet als „Perfect Blue“, das Meisterwerk des legendären und leider viel zu früh verstorbenen Satoshi Kon? Immer wieder werden nämlich die Parallelen zwischen diesem Zeichentrick-Thriller und dem italienischen Giallo – vor allem dem frühen Werk Dario Argentos, dessen „Opera“ ja unsere Herbst-Saison eröffnete -, aber auch zu Hitchcock betont.

Der amerikanische Regisseur Darren Aronofsky wurde dabei ganz besonders von „Perfect Blue“ beeinflusst. Er kaufte am 21. Oktober 2011 die Rechte für diesen Film – wahrscheinlich um auf Nummer Sicher zu gehen, denn sein damals aktueller Film „Black Swan“ weist einige Ähnlichkeiten zu Satoshi Kons 13 Jahre zuvor entstanden Film auf.

Die junge Popsängerin Mima Kirigoe ist Mitglied der beliebten Girlgroup CHAM. Doch der große Durchbruch bleibt aus und Mima verlässt die Band, um eine Karriere im Filmgeschäft zu starten. Zunächst erhält sie ein kleine Nebenrolle in der Krimiserie „Double Bind“, die jedoch bald schon ausgebaut wird. Während ihre neue Karriere immer mehr Fahrt aufnimmt, erhält sie Drohbriefe enttäuschter CHAM-Fans, von denen einer sich sogar als Briefbombe entpuppt. Für die größere Rolle in der Krimiserie ist sie gezwungen eine harte Vergewaltigungsszene zu drehen und sie muss für die Karriere Aktfotografien von sich machen lassen. Gleichzeitig schafft ihre ehemalige Band CHAM schafft ohne sie den langersehnten Durchbruch. Dann muss die nervlich zerrüttete Mima auch noch entdecken, dass es eine Interetseite gibt, auf der all ihre intimsten Gedanken von einem Unbekannten in Form eines Tagesbuchs detailliert geschildert werden. Immer mehr treibt Mima auf den Wahnsinn zu, Realität und Fiktion verschwimmt. Schließlich wird der Drehbuchautor von „Double Bind“ ermordet und weitere Morde folgen, die alle in einem Bezug zu Mima stehen…

An „Perfect Blue“ waren etwa 15 Hauptzeichner beteiligt sowie 100 weitere Zeichner für einfache Bilder. Von der ersten Idee über die ersten Skizzen bis zur Umsetzung dauerte es zwei Jahre. Und Katsuhiro Otomo, Regisseur des bahnbrechenden Kultfilms „Akira“, agierte als Special Adviser. Der riesige Aufwand hat sich gelohnt. Die deutsche Erstaufführung des Films fand am 16. Februar 1998 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin statt. „Perfect Blue“ gilt heute als Meisterwerk und taucht auf unzähligen Listen mit den besten Animationsfilmen regelmäßig auf den oberen Plätzen auf.

Auch die Presse zeigte sich begeistert. So schrieb der film-dienst: „… ein weiteres Beispiel für die japanische Meisterschaft, Themen des ‚realen Lebens‘ für ein zweidimensionales, gezeichnetes Format zu fiktionalisieren.“ Und die FAZ meinte „„Perfect Blue“ … ist ein solches Stück von erheblicher Bedeutungstiefe.“

Wir freuen uns sehr, Euch den Film am Sonntag, den 12. November um 20:45 Uhr im Cinema Ostertor zu präsentieren. Vorab gibt es von uns wie immer eine Einführung und nach dem Film stehen wir natürlich auch wieder für Fragen, Diskussionen oder allgemeinen Klönschnack zur Verfügung.

Weird Xperience im Oktober: THE EYES OF MY MOTHER

Bald ist es wieder soweit. Mit dem Horror-Thriller „The Eyes of My Mother“, den wir im Original mit deutschen Untertiteln zeigen, gehen wir am Sonntag, den 08. Oktober um 20:45 Uhr in die zweite Weird-Xperience-Runde im Cinema Ostertor.

Die kleine Francesca lebt mit ihrer Mutter und ihrem Vater auf einer Farm irgendwo im Nirgendwo, als eines nachmittags – der Vater ist gerade unterwegs – plötzlich ein Fremder vor dem Haus steht. Was an diesem Nachmittag passiert ist unfassbar grausam. Aber mit diesem Nachmittag fängt alles erst an…

Regie-Debütant Nicolas Pesce und sein Kameramann Zach Kuperstein besitzen einen hervorragenden Blick für Bilder und vor allem Ausstattung. Das zeitlose Haus in dem Francesca lebt, ist förmlich der zweite Hauptdarsteller in diesem Film. Angesiedelt ist das Geschehen irgendwo im amerikanischen Hinterland in einem diffusen, jedenfalls vor-digitalen Irgendwann. Mit der raumzeitlichen Unbestimmtheit korrespondiert das Schwarzweiß, in dem der Film gedreht wurde. Geredet wird nicht viel. Dem Sounddesign und der Musik kommen daher umso größere Bedeutungen zu. Pesce kennt sich gut aus mit den Mechanismen des Horrorgenres, mit denen er generelle Erwartungen bedient, während Details gegen den Strich gebürstet werden.

Mit „The Eyes of My Mother“ hat Nicolas Pesce auf dem Sundance Festival einen bemerkenswerten Erfolg feiern können. Kein Wunder, ist doch „The Eyes of My Mother“ einer amerikanischer Indie-Film par excellence. Pesce findet für seinen Film viele bemerkenswerte Bilder, die manchmal auch an guten J-Horror (den modernen japanischen Horrorfilm seit „Ring“) erinnert. Und er führt seine Geschichte zu einem konsequenten Ende. Gerade in den Momenten, in denen Pesce sich ganz auf seine umwerfende Hauptdarstellerin Kika Magalhães konzentriert und in ihre Gefühlswelt eintaucht, wird „The Eyes of My Mother“ ganz stark.

Roger-Ebert.com schreibt: „Ein Film, der verstört, dein Herz zum Rasen bringt, dich verwirrt und dich in deinen Träumen heimsuchen wird.“

Das Filmfest München meint: „Ein zärtlicher Alptraum. Ein filmisches Monster aus Melancholie, Mitleid und Massaker.“

Weird Xperience im September: OPERA von Dario Argento

Juchu! Am Sonntag, den 10. September starten wir endlich wieder durch! Nach einem kurzen Zwischenspiel in der Schwankhalle und zwei wunderbaren Abenden beim Open-Air-Kino am Schlachthof, zieht es uns endlich wieder dorthin, wo wir uns am Wohlsten fühlen: In einen Kinosaal!

Ab September sind wir erst einmal für vier Vorstellungen (an jedem zweiten Sonntag des Monats zur besten Sendezeit um 20:45 Uhr) im Cinema Ostertor zu Gast und hoffen auf Eure Unterstützung, damit wir dort auch 2018 bleiben dürfen. Dafür haben wir Euch ein feines Programm zusammengestellt, welches wir Euch in Kürze vorstellen werden.

Den ersten Film der „neuen Saison“ verraten wir Euch jetzt schon, denn der 10. September eilt uns mit großen Schritten entgegen. Es handelt sich um Dario Argentos „Opera“, der einst bei uns in Deutschland nur auf VHS in einer fürchterlichen Vollbildversion und obendrein brutal geschnitten seine Premiere hatte. Wir zeigen ihn natürlich in seiner ganzen Breitwand-Pracht und selbstverständlich ungekürzt!

Die junge Opernsängerin Betty bekommt die weibliche Hauptrolle in einer Aufführung der Verdi Oper „Macbeth“, nachdem die ursprüngliche Hauptdarstellerin von einem Auto überfahren wurde. Die Oper wird von Marco, einem ehemaligen Horrorfilmregisseur inszeniert. Wie in seinen Filmen, wird die Oper auch hier zu einem Ort des Grauens. Ein unbekannter Verehrer Bettys entpuppt sich als mörderischer Psychopath, der seine grausigen Morde so arrangiert, dass die Sängerin dabei zusehen muss…

Der ebenso bildgewaltige, wie blutrünstige Psychothriller des italienischen Großmeisters Dario Argento zieht mit seinen eleganten Kamerafahrten und blutigen Morden den Zuschauer von Anfang an in seinen Bann. Andreas Köhnemann schreibt anlässlich der Wiederaufführung auf kino-zeit.de: „(Dieser) Giallo-Klassiker (…) ist ein filmisches Poem, das mindestens so viel Herz- wie Kunstblut aufbietet und daher bis heute nichts von seiner Wucht und seiner herrlich-obskuren Faszinationskraft verloren hat“. Und Prof. Markus Stiglegger bringt es auf den Punkt, wenn er in dem Standardwerk „Dario Argento: Anatomie der Angst“ schreibt: „Wenn letztlich nur ein Bild von Dario Argentos Kino bleiben sollte, dann müsste es dies sein: die in purem Terror aufgerissenen Augen von Cristina Marsillach, die in ‚Opera‘ durch Nadeln unter den Augenlidern gezwungen wird, der Ermordung ihres Liebhabers beizuwohnen – die Neugier zu sehen weicht dem Zwang zu sehen. Ein Entkommen ist unmöglich. Und ebenso ist es unmöglich, die Augen von Argentos Leinwand abzuwenden, so erschreckend seine Bilder auch sein mögen.“

Ein Film, gemacht für das Kino!In diesem Sinne freuen wir uns wie Bolle auf unsere neue Spielstätte und würden uns noch mehr freuen, wenn Ihr zahlreich erscheint, um Euch diesen Leckerbissen nicht entgehen zu lassen.

 

Weird Xperience Open-Air – Teil 2: „Frankensteins Todesrennen“/“Die Gewalt bin ich“-Double-Feature am 25. Juni

Schlag auf Schlag geht es für Weird Xperience im Juni. Gerade haben wir uns noch von Godzillas Kampf gegen MechaGodzilla und dem Sternenduell rund um Stella Star erholt – da steht schon das nächste Großereignis ins Haus. Am Sonntag, den 25. Juni ab 20:00 Uhr heißt es beim Open-Air-Kino am Schlachthof ACTION!

Zuerst zeigen wir „Frankensteins Todesrennen“ von 1975 aus der Roger-Corman-Schmiede. In den faschistoiden USA der damaligen Zukunft wird die Masse mit einem gewaltverherrlichenden TV-Programm ruhig gehalten. Höhepunkt ist das „Death Race 2000“ (so auch der Originaltitel). An den Lenkern: David Carradine (bekannt aus der TV-Serie „Kung Fu“ und natürlich „Kill Bill“) und ein junger Sylvester Stallone vor seinem Durchbruch mit „Rocky“. Sly darf hier den bösen Wicht Machine Gun Joe Viterbo spielen, der förmlich über Leichen fährt, denn für das Töten von Passanten gibt es bei diesem Todesrennen schließlich Bonuspunkte, die von Geschlecht und Alter der Opfer abhängig sind. Der gefeierte Fahrer Frankenstein (Carradine) gilt als Mann der Regierung und ahnt nicht, dass seine Copilotin Annie Mitglied einer Widerstandsbewegung ist, die ihm nach dem Leben trachtet. Frankenstein ist jedoch keine Marionette des Systems und verfolgt eigene Pläne.

Trashfilm-Pionier und Kultfigur Paul Bartels (immerhin Jurymitglied der Berlinale im Jahr 1979) führte bei diese actionreichen Polit-Satire Regie. Produziert wurde sie von der Legende Roger Corman, der sich damit an den Erfolg von „Rollerball“ heften wollte. 2008 folgte ein erstes Remake mit Jason Statham in der Carradine-Rolle, welches noch zwei Direct-to-video-Sequels bekam. Eine offizielle Fortsetzung produzierte Roger Corman letztes Jahr unter dem Titel „Death Race 2050“ dann selber. Der Film kam Anfang des Jahres in den USA veröffentlicht. Seine Spuren hinterließ „Frankensteins Todesrennen“ seit Anfang der 80er Jahre auch in zahlreichen Computerspielen, dies ich von dem blutigen Treiben auf der Piste inspirieren ließen.

 

 

 

 

 

Danach geht es gleich weiter mit einem Klassiker des Poliziottesco – jener italienischen Spielart des Polizeifilms in der es immer ordentlich kracht und rumst.

Kaum ist „der Chinese“ (Tomas Milian) aus dem Gefängnis geflohen, lässt er umgehend den Mann exekutieren, der ihn einst hinter Gitter brachte: Den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli). Doch Tanzi überlebt den Mordanschlag. Offiziell für Tod erklärt, macht sich Tanzi auf eigene Faust daran, dem „Chinesen“ das Handwerk zu legen. Währenddessen hat dieser mit dem mächtigen Gangsterboss Di Maggio (John Saxon) einen Pakt geschlossen. Doch die Zusammenarbeiten zwischen den beiden läuft nicht reibungslos, und Tanzi gelingt es immer wieder, neuen Sand ins Getriebe zu streuen. Bald schon steuert Rom auf einen blutigen Bandenkrieg zu…

Nach dem Erfolg von „Die Viper“ drehte Umberto Lenzi 1977 diese Quasi-Fortsetzung namens „Die Gewalt bin ich“. Maurizio Merli darf dabei wieder in die Rolle des Kommissar Tanzi schlüpfen, der hier allerdings den Dienst quittiert hat und nunmehr als Privatmann die Unterwelt aufmischt. Und so pflügt der wilde Ex-Cop durch die Reihen der Gangster. Immer mit akkuratem Seitenscheitel und korrekt gestutzten Schnauzer. Das üppige Brusthaar aus dem zu weit aufgeknöpften Hemd wallen lassend und einen bedenklichen Faible für Goldkettchen zu Schau stellend.

Ebenfalls aus „Die Viper“ wurde Tomas Milian übernommen, der hier wie dort den Part des Bösewichts übernimmt. Sein „Chinese“ ist durchtrieben, skrupellos und mit einer großen Bauernschläue gesegnet. Neben Merli und Milian, ist Genre-Vertan John Saxon zu sehen. Saxon konnte schon 1977 auf eine lange und ereignisreiche Karriere zurückblicken. So war er nicht nur im „ersten“ Giallo mit von der Partie, sondern spielte auch den Hauptcharakter in „Der Mann mit der Todeskralle“. In den 70er Jahren tauchte er vermehrt in italienischen Polizeifilmen auf. 1980 war er bei Antonio Margheritis „Asphalt-Kannibalen“ dabei und ab 1984 in dem Horrorklassiker „A Nightmare on Elm Street“ nebst zwei der Sequels. In „Die Gewalt bin ich“ spielt er einen eleganten Gangsterboss, der auch schon mal selbst Hand anlegt, wenn er einen Verräter mit Golfschläge aus kurzer Distanz foltert. In einigen Szenen meint man, dass er sich einen Spaß daraus macht, Marlon Brandos „Paten“ zu parodieren.

„Die Gewalt bin ich“ ist gute alte Action-Unterhaltung aus dem sonnigen Italien mit tollen Hauptdarstellern und perfekter Musikuntermalung durch Franco Micalizzi. Da hoffen wir doch mal auf gutes Wetter, damit das südländische Flair auch so richtig rüberkommt.

Weird Xperience Open-Air: „Die Brut des Teufels“/“Star Crash“-Double-Feature am 08. Juni

Wir sind schon ganz aufgeregt, denn am Donnerstag, den 08. Juni um 20:00 Uhr geht es mit unserer Reihe Weird Xperience schon wieder weiter! Und wir sind wieder dort, wo wir uns schon in den letzten Jahren sauwohl gefühlt haben: Beim tollen Open-Air-Kino am Schlachthof! Wir hoffen, dass das Wetter wieder so toll mitspielt wie in den Vorjahren und wieder viele Filmfreunde den Weg zu finden werden.

Für dieses Jahr haben wir wieder ein kunterbuntes Programm zusammengeschnürt. Am ersten von zwei Abenden springen wir zwischen den Kontinenten hin und her und präsentieren Science Fiction aus Japan und Italien. Und eine kleine Einführung vor jedem Film gibt es natürlich auch wieder.

Die Brut des Teufels (1975)

In „King Kong gegen Godzilla“ wurde der Riesenroboter MechaGodzilla vom Original zerstört und seine Einzelteile im Meer verstreut. In „Die Brut des Teufels“ macht sich zunächst ein japanisches U-Boot auf, diese Teile zu bergen. Doch die Mission endet jäh, als das U-Boot von einem geheimnisvollen Monster zerstört wird. Interpol-Agent Murakoshi (Katsumasa Uchida) und Biologe Ichinose (Katsuhiko Sasaki) hegen den Verdacht, dass hinter dem Unglück der Titanosaurus stecken könnte…

Nach dem durchaus erfolgreichen „King Kong gegen Godzilla“ kehrte der große Ishirō Honda auf den Regiestuhl zurück. Honda hatte 1954 den ersten „Godzilla“-Film inszeniert und blieb der Serie nicht nur bis Ende der 60er treu, sondern bracht noch zahlreiche andere Kaijū-Klassiker wie „ Die fliegenden Monster von Osaka“ (mit dem Flugsaurier Rodan), „Mothra bedroht die Welt“ (mit der gleichnamigen Riesen-Motte) oder „ Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht“ auf den Weg. Es sollte sein letzter eigenständiger Spielfilm bleiben. In den 80er und 90er Jahre arbeitete er ausschließlich als enger Mitarbeiter seines guten Freundes und Kollegen Akira Kurosawa.

In einem recht geschickten Schachzug brachten die Produzenten gleich noch MechaGodzilla wieder zurück. Jenes Monster, dass beim letzten Film so gut eingeschlagen hatte. Und gerade in der zweiten Hälfte sehr temporeiche Film liefert wieder gute Monsterunterhaltung und entfernt sich deutlich von der zuvor Einzug gehaltenen Infantilisierung. Leider war 1975 die große Zeit des japanischen Monster-Films vorbei und dem Publikum stand der Sinn nach anderer Unterhaltung. Gerade mal 980.000 Besucher wollten den neuen Godzilla-Film sehen. Das war ein neuer Minus-Rekord. Toho stellte daraufhin die Produktion von Monsterfilmen ein. Erst zu seinem 30jährigen Jubiläum sollte Godzilla in „Godzilla – Die Rückkehr des Monsters“ wieder aus der Versenkung auftauchen.

Direkt im Anschluss duellieren sich die Sterne.

Star Crash – Sterne im Duell (1978)

Die berüchtigte Schmugglerin Stella Star und ihr treuer Robotorfreund Akton werden vom Chef der galaktischen Polizei gefangen genommen. Doch der galaktische Imperator lässt sie wieder frei. Dafür sollen sie ihm helfen, seinen einzigen Sohn Simon zu finden, der auf der Suche nach dem bösen Graf Zarth Arn war, welcher eine Superwaffe entwickelt hat. Damit beginnt für Stella Star eine aufregende und gefährliche Reise kreuz und quer durchs Weltall, bei der sie auf wilde Amazonen, Höhlenmenschen und die geheime Basis des bösen Grafen trifft.

Wir schreiben das Jahr 1978. Die ganze Welt staunt noch über den phänomenalen Erfolg von George Lucas‘ Sternenoper „Star Wars“. Die ganze Welt? Nein. Die Italiener haben schon längst die Ärmel hochgekrempelt und frei nach dem Motto „Selbst ist der Mann“ damit begonnen, ihre eigenen Sternenkriege zu inszenieren. Natürlich mit einem Bruchteil des Budgets, welches Lucas zur Verfügung stand, dafür mit viel Enthusiasmus. Unter ihnen ein junger Mann,namens Luigi Cozzi, der ein riesiger Fan des phantastischen Films war und sich bei „Star Crash – Sterne im Duell“ nach Herzenslust austoben durfte. Er baut eine Hommage an den großen Stop-Motion-Künstler Ray Harryhausen mit ein, lässt quietschbunte Raumschiffe durch ein ebenso buntes All gleiten, in dem die Sterne in allen Farben leuchten.

Und mittendrin sie: STELLA STAR! Die wunderschöne, aufregende Caroline Munro. Schwerbewaffnet und im Lederbikini gibt sie die harte Schmugglerin. Da kann Han Solo einpacken. Wie vielen Heranwachsenden hat diese Überfrau wohl die Nächte geraubt? Auch Joe Spinell (als böser Graf Zarth Arn) sollte zwei Jahre später für schlaflose Nächte sorgen. Allerdings aus anderen Graden, denn da spielte er die Titelrolle im berüchtigten Slasher „Maniac“.

Des Weiteren mit am Bord des Sternenkreuzers „Star Crash“: Christopher Plummer als guter Imperator und ein blutjunger David Hasselhoff (!) als sein einziger Sohn Simon. Ja, für „The Hoff“ gab es ein Leben vor „Knight Rider“, auch wenn er da heute vielleicht nicht mehr gerne drüber spricht. Erwähnenswert auch die grandiose Musik, denn sie stammt aus der Feder des berühmten „James-Bond“-Komponisten John Barry!

Weiter geht es dann am Sonntag, den 25. Juni, wieder um 20:00 Uhr.

Mehr dazu später…

Weird Xperience im Mai: KING KONG GEGEN GODZILLA in der Schwankhalle

Darauf haben wir alle sehr lange gewartet: WEIRD XPERIENCE ist zurück. Weiter geht es am 12. Mai um 21:30 Uhr. Dann sind wir erstmals in der Schwankhalle zu Gast. Hintergrund ist das Projekt A.r.G.da.Na.ni (Aus rechtlichen Gründen darf Name nicht genannt werden) des Bremer Künstlers Jan van Hasselt, welches am 18. und 19.5. in der Schwankhalle läuft. Ein Ton-Bild-Vortrag über „eine Art Dino mit Stacheln auf dem Rücken, der eine Kulisse aus Miniaturhäusern zertrampelt und einen Schrei ausstößt, der klingt, als wäre ein Grammophon kaputt. Er darf nicht gezeigt werden, und sein Name nicht genannt. Denn die japanische Produktionsfirma Toho achtet peinlich genau auf den Schutz der Trademark. Was fasziniert so an Argdanani? Wer ist er? Und was will er eigentlich hier? Antworten sucht der Filmemacher Jan van Hasselt auf der Bühne und im Video-Interview mit Experten wie Jörg Buttgereit, Sebastian Krehl, Dietrich Kuhlbrodt, Jürgen Palmtag und Christoph Spehr.“ Im Vorfeld hatte uns Jan gefragt, ob wir von WEIRD XPERIENCE nicht einen Film mit diesem ominösen Dino zeigen könnten. Und dieser Bitte sind wir nur zu gerne nachgekommen. Und wir haben sogar dafür gesorgt, dass wir den Namen des Untieres nennen dürfen!

Laut einer alten Legende aus Okinawa, soll wenn ein schwarzer Berg in den Bergen hoch über die Wolken hinaus ragt, ein Monster auftauchen und versuchen, die Welt zu zerstören. Als diese Prophezeiung eintrifft ist es zum allgemeinen Erstaunen Godzilla, der dort als Weltenzerstörer agiert. Erst zertrümmert Godzilla einige Häuser, dann bringt er fast seinen alten Kumpel, den Igel-ähnlichen Anguirus, um. Doch schnell ist das Geheimnis gelüftet. Dieser Godzilla ist gar nicht der echte Godzilla, sondern ein riesiger Roboter namens „King Kong“ (zumindest in der deutschen Fassung), der von Außerirdischen hergestellt wurde, um ihnen zu helfen, die Erde zu unterjochen. Da hat die Menschheit Glück, dass bald schon der echte Godzilla auftaucht und sich schließlich zusammen mit Okinawas Schutz-Gottheit King Caesar dem stählernen Unhold stellt…

Der Ruf der in den 70er Jahren unter der Regie von Jun Fukuda entstanden Godzilla-Streifen mag nicht der beste sein. Tatsächlich sind sie sehr viel bunter, kindischer und lustiger als jene Filme aus den 50er und 60er, für die noch Godzilla-Schöpfer Ishirô Honda verantwortlich war. Wer darüber hinwegsehen kann und sich ein junges Gemüt bewahrt hat, wird aber besonders mit „King Kong gegen Godzilla“ seine Freude haben. Insbesondere, da hier auf nervige Kinderdarsteller verzichtet wurde und mit Mech-Godzilla einer der coolsten Gegner Godzillas seinen ersten Auftritt hat. GoMecha-Godzilla hört in der deutschen Fassung – wie vor ihm schon der Roboter Jet Jaguar – auf den Namen „King Kong“. Ob man in Deutschland – wo der Film am 20. Dezember 1974 anlief – darauf spekulierte, dass er von dem damals erwarteten Erfolg des amerikanischen „King Kong“-Remakes, partizipieren könne oder einfach eine Kontinuität zum Vorgänger herstellen sollte (die 60er Filme waren ja in Deutschland durch einen imaginären „Frankenstein“ im Titel miteinander verbunden) sei dahingestellt.

 

 

 

 

 

Trailer für A.r.G.da.Na.ni

Weird Xperience im März: Ein geheimnisvoller Vampirfilme und „Unknown Pleasures“-Party

Aller guter Dinge sind drei. Nachdem ja sowohl die Januar- als auch die Februarvorstellung zu unserer großen Enttäuschung kurzfristig ausfallen mussten, hoffen wir sehr, dass es diesmal endlich wieder klappt. Die Vorzeichen sind auf jeden Fall gut.

Weird Xperience kehrt am 10. März in die etage3 im Kulturzentrum Lagerhaus zurück. Eintritt ist wie immer ab 20:00 Uhr. Der Film beginnt um 20:30 Uhr – wieder mit einer Einführung von uns.

Diesmal haben wir einen Kooperationspartner dabei. Die Jungs von „Unknown Pleasures“ bieten in Anschluss an den Film „ein apokalyptisches Abendprogramm“. Das erweiterte UP-DJ-Team bestehend aus A.I., Slow Pulse Boy und Deaster Area (Souterrain Bizarre) auch einen musikalischen Horrortripp durch verschiedene Genres, wie Postpunk, EBM, Darkwave, Gothic Rock, Folk Noir und Artverwandtem.

 

 

Dafür haben wir dann den passenden Film im Gepäck. Aus gewissen Gründen können wir den Titel des Filmes hier nicht nennen. Darum nur einige Hinweise. Es handelt sich um einen Vampirfilm des großen französischen Meisters Jean Rollin. Rollin wurde vor allem durch seine erotisch-surrealen Vampirfilme bekannt und schuf in den 70ern seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil, der leider allzu häufig auf das Schlagwort „Sexvampire“ reduziert wird. Tatsächlich sind seine Filme traumwandlerische Meisterwerke, die einem langsam unter die Haut kriechen und Elemente von Märchen, Groschenromanen und diesen merkwürdigen Träumen kurz vor dem Aufwachen vermischen.

Dies gilt auch für den von uns gezeigten Film, der 1982 entstand. Erhandelt von der tragisch-blutigen Liebesgeschichte zwischen der unfreiwillig von den Toten auferstandenen Catherine, die sich nun von Blut ernähren muss, und ihrer besten Freundin Hélène, die sich weigert an dem Tod des geliebten Menschen zu glauben und sie mit immer neuen Opfern versorgt. Leider sah man in Deutschland den Film nicht als melancholisches und tieftrauriges Märchen, sondern starrte lediglich auf die zugeben teilweise recht deftigen Splatterszenen. So dass der Film derart in Ungnade fiel, dass wir die Geschichte um das „lebende tote Mädchen“ hier nicht beim Namen nennen können.

Im Ausland hat man seine Qualitäten sehr viel besser erkannt.

„(Titel des Filmes) stands out as one of Rollin’s most powerfully acted films, with Blanchard’s doll-like demon in particular resonating with the memory of an earlier French heroine of horror cinema: Catherine Deneuve in Roman Polanski’s REPULSION (1965)“ Tim Lucas, Video Watchdog

„(Titel des Films) stands as a near masterpiece of gothic horror filmmaking. It combines just the right amount of horror, sexuality and sensuality, and social commentary overtop of a few bookends that tie everything into a sense of childhood naivety which does manage to get under your skin and into your head at the same time.“ – Ian Jane, Rock! Pop! Shock!

„(Titel des Films) is something that I didn’t expect. I knew that it was one of Rollin’s bloodier films, and I knew that it was technically a zombie film, but I didn’t expect it to be so touching (…) a great film more spite of its gore than because of it. Definitely worth checking out.“ – Charlie Hobbs, Screen Anarchy

Wir denken, der Film passt perfekt in diesen Abend mit den Freunden von Unknown Pleasures und freuen uns sehr auf den 10. März, wenn es dann endlich wieder „Willkommen bei Weird Xperience“ heißt.

Weird Xperience im Februar: MOTORPSYCHO… WIE WILDE HENGSTE + 60s Party

Nachdem wir die letzte Veranstaltung leider kurzfristig absagen mussten, startet das neue Weird-Xperience-Jahr jetzt wirklich am 17. Februar. Und das gleich mit einem Doppelkracher. Zunächst zeigen wir einen Film unseres Hausgotts Russ Meyer und zwar seinen tollen MOTORPSYCHO – WIE WILDE HENGSTE. Eintritt ab 20:00 Uhr, der Film beginnt um 20:30 Uhr. ACHTUNG: Diesmal sind wir aus organisatorischen Gründen nicht am 2., sondern erst am 3. Freitag in Aktion!

Der Film geht dann dann nahtlos in die 60s Party unseres diesmaligen Kooperationspartners über:  A Tribute To Sir Mindbubbles Lightshow Experience vol. 2. Ein akustischer und optischer Trip durch Raum und Zeit! Alte und neue Perlen des Mod- und Freakbeat, Garage-Punk & Psychedelic… mit Ex Agent Wolfinger, Lord Becker und reklovski. Darauf freuen wir uns schon sehr!

Russ Meyers „Motorpsycho… wie wilde Hengste“ ist eine Vorstudie zu seinem Opus Magnum „Faster Pussycat, kill, kill“. In „Motorpsycho“machen drei junge Männer, unter der Führung des traumatisierten Vietnam-Veteranen Brahmin, auf ihren Motorrädern die Gegend unsicher und vergewaltigen die hübsche junge Frau des liebenswerten Veterinärs Maddox. Da der zynische Sheriff – Regisseur Russ Meyer höchstpersönlich als Ausbund von gefühlskalter Ekelhaftigkeit – mehr Interesse an den Geschlechtsteilen des Opfers, als in der Verfolgung der Übertäter hat, macht sich Maddox selber auf den Weg, die drei „wilden Hengste“ zu stellen. Auf der Jagd nach den Dreien findet er eine junge Frau namens Ruby, gespielt von der späteren „Pussycat“ Haji.

In diesem für Meyers Verhältnisse ungewöhnlich männerzentrierten und frauenarmen Film ist Haji die Überfrau Ruby, die voller Energie und Selbstbewusstsein zunächst vehement ihren schwächlichen Ehemann beschimpft und dann später mit vollem Körpereinsatz versucht, sich mittels Verführungskunst aus der Schlinge zu befreien. Kein Wunder, dass den drei Rowdys bei soviel geballter Weiblichkeit nichts weiter einfällt, als Ruby über den Haufen zu schießen. Überhaupt zeigen die Drei nichts von der gefährlichen Stärke und dem Selbstbewusstsein, welches ihre drei weiblichen Nachfolger auszeichnet. Brahmin und seine Jungs vergreifen sich grundsätzlich an Schwächeren und scheuen den offen Kampf. Sie sind gefährliche Feiglinge, die sich am Ende nur mit Flucht oder Waffengewalt zu wehren wissen.

In dem nachfolgenden Film „Faster Pussycat, kill, kill“ wird Meyer dann die Geschlechter seiner Antagonisten einfach umdrehen und Aus den drei feigen Rowdys werden drei starke Frauen. Aus den leichten Motorrädern schwere Autos. Andere Dinge bleiben aber gleich. So sind Varla und Rosie die Spiegelbilder von Brahmin und Dante in „Motorpsycho“. Besonders deutlich werden die Parallelen bei dem bzw. der Dritten im Bunde. Billie und Slick sind jeweils die Außenseiter in der Gruppe, und werde von den anderen beiden nicht für voll genommen. Auffälligerweise benutzen beiden dasselbe Taschenradio, aus dem der jazzig-swingende Soundtrack der Filme plärrt. Allerdings ist Slick ein naiver Idiot, während Billie eine eigenwillige, unabhängige Frau ist, die trotz der Dominanz ihrer Partnerinnen ihr eigenes Ding durchzieht.

„Motorpsycho“ zog bei seiner Deutschlandpremiere gleich den Zorn des Evangelischen Filmbeobachters auf sich, der schrieb: „Amerikanischer Film unterster Machart, der mit drei Motorradgangstern und durch Vergewaltigung und Mord gern ein Geschäft machen möchte. Abzulehnen.“ Schön, dass sich diese christlich-konservative Meinung nicht durchsetzte, denn „Motorpsycho“ ist heute ein Kultfilm (sowie Namensgeber einer der legendären Band) und ein wichtiger Film der sechziger Jahre. War er doch einer der ersten, der die Traumatisierung amerikanischer Soldaten im Vietnamkrieg thematisierte.