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weird xperience im Januar 2016: FRANKENHOOKER

FRANKENHOOKER (1990)

Am 8. Januar, 20 Uhr ist es wieder soweit, Weird Xperience ist in der Etage 3. Und zeigt eine amerikanische Version des klassischen Frankenstein-Stoffs im Fun-Splatter-Style.frankenhooker-resurrection3

Der schüchterne Hobby-Chirurg John Franken verliert durch einen Unfall den einzigen Lichtblick in seinem Leben: Seine Verlobte Elizabeth. Nur ihren Kopf kann er retten. Die Lösung liegt nah, er lädt Prostituierte auf eine Party mit Versprechen auf Geld und prima Drogen. Die Drogen gibt es auch wirklich, doch lassen sie leider die anwesenden Frauen platzen. Aus den übriggebliebenen Teilen bastelt John sich einen Körper für seine Geliebte, doch die verhält sich anders als zuvor.

1990 war die Hochzeit des Fun-Splatters. Nachdem Mitte der 80er sich der todernste, immer härter werdende Splatter sich einerseits kaum noch frankenhhoker6selbst übertreffen konnte, andererseits im Mainstream („The Silence oft the Lambs“) angekommen war, versuchten ein paar Regisseure mit Humor und exploitativen Zugaben dem Genre neues Blut zu geben. Am bekanntesten sind hier wohl die Filme von Peter Jackson („Bad Taste“, „Meet the Feebles“, „Braindead“). Doch auch Frank Henenlotter schafft hier ein Exploit-Monster. Bekannt geworden durch seine bizarren Filme „Basket Case“ und „Brain Damage“ lässt er es bei „Frankenhooker“ richtig krachen. So verstand er sich auch nie als Horror-Filmer, sondern viel mehr als Exploitationsregisseur, da er mit diesen Mitteln seine Filme rauer und ein wenig gemeiner anlegen kann, um den Zuschauer anders zu reizen. Neben seinen Filmen kümmert er sich auf seinem eigenen Videolabel um unbekannte Roughies aus den Siebzigern.

In der Hauptrolle als moderner Doktor Frankenstein begeistert James Lorenz, der trotz seiner Ausstrahlung nie den großen Durchbruch schaffte, aber einige Filme durch seine Anwesenheit veredelte: STREET TRASH, LAST EXIT TO BROOKLYN, ROBOCOP 3, KING OF NEW YORK. Des Weiteren sehen wir in der zweiten Hauptrolle Patty Mullen, Penthouse Pet des Jahres 1988, die hier alles gibt, inklusive Fat Suit.

Wir freuen uns mit euch auf eine kleine Zeitreise in die unglaubliche Welt und Phantasien ins Jahr 1990. Deutscher Untertitel: „Verschraubt und vernagelt

USA 1990, R: Frank Henenlotter, D: James Lorinz, Joanne Ritchie, Patty Mullen, J. J. Clark, Carissa Channing, Shirl Bernheim, 81 Min.

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Weird Xperience im Dezember: „Der Tod weint rote Tränen“

The-Strange-Colour-of-Your-Bodys-TearsWir zeigen DER TOD WEINT ROTE TRÄNEN (2014) („Strange Colour of your Body’s Tears“) am Freitag, den 11.12. um 20:30 Uhr im Kulturzentrum Lagerhaus.

Zum Jahresende präsentieren wir euch eine Bremen Premiere: Den neuen Film der Neo-Giallo Experten Hélène Cattet und Bruno Forzani.

Story: Dan Kristensen kehrt nach einer Geschäftsreise in seine Jugendstilvilla nach Brüssel zurück. Doch seine Frau Edwige (!!!) ist verschwunden, die Tür von innen verriegelt. Dan begibt sich auf einem Trip durch das Haus, um nach Hinweisen über den Verbleib seines geliebten Wesen zu suchen. Und es wird wahrhaftig ein Trip…

Viel weniger eine Story als eine Exposition beschrieb ich hier, das Folgende muss man gesehen haben.

Hélène Cattet und Bruno Forzani drehten nach AMER (2009) einen weiteren Film, der sich auf europäisches Genre Kino der 60er und 70er bezieht, sich dort bedient, sich inspirieren lässt.

Wir folgen nicht nur Dan durch das Haus, sondern auch Spuren von Mario Bava, Dario Argento, Alejandro Jodorowsky, Lucio Fulci. Doch der Film ist viel mehr als eine Hommage an die alten großen Meister. Aus diesen Zutaten und neuartigen fremden Schnitten und Kamerafahrten baut der Film eine eigene einzigartige Welt, bei der die Realität ein ums andere Mal auf den Kopf gestellt wird. Und so ist es nicht ein Zitierfilm eines Eli Roth oder Quentin Tarantino (der übrigens Fan der beiden ist), sondern ein höchst eigenständiges Werk, der sich als Weirdo Acid Horror bezeichnen lassen könnte.strange2

Gedreht wurde übrigens auf 16mm und alle Effekte sind handgemacht, um die einzigartige Atmosphäre herzustellen. Das der Film aus Belgien kommt, überrascht nur auf den ersten Blick überrascht. Denn von dort kommen nicht nur gute und innovative Genrebeiträge neueren Datums (EX DRUMMER, MANN BEISST HUND, JCVD, KILL ME PLEASE,…) und erfrischende Komödien (ICH BIN TOT MACH WAS DRAUS), sondern auch der Regisseur Harry Kümel, der Anfang der 70er in seinem Heimatland zwei weirde Filme (BLUT AN DEN LIPPEN, MALPERTIUS) drehte, die ebenfalls einen Einfluss auf die Arbeit von Cattet und Forzani haben.

strange1Tim Lindemann von blairwitch.de schrieb: „Dies ist ein Film, den man schon deshalb nicht deutlich genug empfehlen kann, weil er so detailverliebt und mit echter Neugier die extremen Pole filmischer Bildmanipulation auslotet, ohne zu langweilen. Genre-Hommage, psychedelisches Kaleidoskop, kühnes Experiment  –  “The Strange Colour Of Your Body’s Tears” ist kein Film für jedermann und heutzutage gerade deswegen ein so seltenes Exemplar.“

Wir freuen uns darauf, diese Filmerfahrung mit euch zu teilen.

Regie und Buch: Hélène Cattet, Bruno Forzani, Darsteller: Klaus Tange, Ursula Bedena, Joe Koener, Hans de Munter, BirgitYew, Anna D’Annunzio, Jean-Michel Vovk

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Weird Xperience im Oktober: TRUE LOVE WAYS

true-love-ways-13Am 9. Oktober ist es wieder soweitIn der Etage 3, in der wir uns jetzt schon sauwohl fühlen, im Lagerhaus (Schildstr.12-19, 28203 Bremen) zeigen wir euch um 20 Uhr eine Bremen-Premiere:

TRUE LOVE WAYS (2015)

 

Da soll noch einmal einer behaupten, aus Deutschland kommen keine guten Genrefilme! Zur Not wird auch mal eben ein Schweizer, wie den Filmemacher Mathieu Seiler, importiert, um zu zeigen, dass auch hier genremäßig die Axt kreist.

Mit „True Love Ways“ hat Seiler einen Giallo-Slasher-Thriller-Hybrid mit Retro-Charme geschaffen, der u.a. auf dem Brussels International Fantastic Film Festival lief und dort für begeisterte Kritiken sorgte. So wurde der Film in einem Atemzug mit dem frühen Polanski genannt. Was nicht nur daran liegt, dass sich Seiler für Schwarz-Weiß als Stilmittel entschieden hat. Harald Mühlbeyer schreibt beispielsweise auf kino-zeit.de: „Der ganze Film hat einen eigenen Pulp-Charme, und das latent bis akut Trashige erscheint fast als bewusstes Stilmittel.“true-love-ways-07

„True Love Ways“ handelt von der jungen und selbstbewussten Séverine. Bevor sie für ein paar Tage Tage ans Meer fährt, trennt sie sich von ihrem Freund Tom. Der betrinkt dieser sich in einer Kneipe, wo er von einem Mann angesprochen wird, der eine Lösung für sein Problem anbietet. Séverine soll während ihrer Fahrt ans Meer überfallen und dann von Tom gerettet werden. So würde Tom seine Séverine zurückerobern. Doch der Plan gerät außer Kontrolle: Séverine entkommt ihren Entführern. Als sie in einer Villa im Wald Hilfe sucht, wird sie Zeugin eines brutalen Verbrechens und muss um ihr Leben kämpft…

Mathieu Seiler mischt in seinem Film Splatter und klassischen Backwood-Slasher mit einer traumgleichen, kunstvollen Atmosphäre. Seine Heldin wird von finsteren Gestalten durch labyrinthische Kellergewölbe gejagt, gerät an eine grausame Snuff-Video-Bande und wird immer tiefer in einen Strudel aus Mord und Vergewaltigung gezogen. Doch wie der Schweizer Filmkritiker Michael Sennhauser schreibt: „Severine mag die schmollende Prinzessin geben, das trotzige Kind oder auch die erschreckte oder wütende junge Frau: Wenn es dann zur Sache geht und blutig wird, handelt sie entschlossen und schnell und vor allem unzimperlich. Schliesslich ist auch der Alptraum noch immer ihr Traum, und sie hat ihn gesucht.

 

Regie: Mathieu Seiler, Darsteller:Anna Hausburg, David C. Bunners, Kai-Michael Müller, Spielzeit: 1h 45 min

 

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AKING NEWS XXX BREAKING NEWS XXX BREAKIN

Wenn ihr unverständlicherweise noch überlegen solltet, ob ihr am Samstag ins CITY 46 gehen wollt (Programm siehe unten), hier noch ein paar Argumente: Es gibt ein Tagesticket für alle vier Filme für 20 € (ermäßigt 15 €, Kino-Vereinsmitglieder 10€).
Es gibt vor jedem Film VORFILME aus dem Hause Drop Out. Und, die Bombe zum Schluß: es gibt GEWINNE GEWINNE GEWINNE! DVDs, Blu Rays! Na, jetzt überzeugt?

2015 Was passiert?

Liebe Freunde des Obskuren und Absonderlichen,
es ist 2015 und ihr habt noch nichts von uns gehört. Das liegt daran, dass im City46 das Programm aufgeräumt wurde und wir dort keinen festen Termin mehr haben. Aber ab und an wird dort noch etwas von uns zu sehen sein. Erwartet den Juni….
Ansonsten haben wir eine neue kleine Heimat gefunden, die Bremer werden es kennen: im Lagerhaus (Schildstr. 21)in der ETAGE 3 wurden wir freundlichst aufgenommen. Ab September dieses Jahres geht es dort weiter, wir haben uns schon mal auf vier Termine dort einquartiert. Dort werden wir dann Filme projizieren, es gibt einen Tresen und natürlich interessantes von uns. Das Filmprogramm wird weiterhin im bekannten Rahmen schimmern.
Weiteres erfahrt ihr natürlich hier, auf unserer facebook-Seite und auf der Lagerhaus-homepage.
Vielen Dank, dass ihr hier immer wieder hereinschaut. Ihr habt uns nicht vergessen, und wir euch auch nicht.

Als Appetitmacher und kleine Rückschau zwei unserer alten Trailer (bevor es neue gibt):

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Weird Xperience im Dezember 2014: CARNIVAL OF SOULS (1962)

Am 25. Dezember um 20:30 zeigen wir im City 46 den Low Budget Klassiker CARNIVAL OF SOULS, oder, auf Deutsch: TANZ DER TOTEN SEELEN.
Die junge Organistin Mary Henry überlebt wie durch ein Wunder einen Autounfall, bei dem jedoch zwei ihrer Freundinnen sterben. Sicarnival-of-souls-04-ge zieht nach Salt Lake City, um eine Stelle in der dortigen Kirche anzunehmen. Auf dem Weg dorthin macht sie an einem alten, verlassenen Rummelplatz halt, bei der ihr zum ersten Mal ein unheimlicher Mann, eine Mischung aus Geist und Untoten (gespielt vom Regisseur), begegnet.
Sie zieht in ein kleines Zimmer zur Untermiete, aber immer mehr Unheimliches geschieht in ihrer Umgebung, Gesichter von Untoten tauchen auf, manche Menschen scheinen sie nicht zu sehen, und der Rummelplatz zieht sie immer wieder magisch an.

Dieser erste und einzige Film des Regisseurs Herk Harvey kostete 33000 Dollar, davon 17 Dollar Strafe für die Beschädigung der Brücke in der Eingangsszene. Die Schauspielerr und Mitwirkenden hatten wenig Erfahrung, nur die Hauptdarstellerin Candace Hilligoss hatte eine Schauspielausbildung, wurde jedoch auch nur noch einmal in einem Film besetzt, in The Curse of the Living Corpse. Selbst der Komponist des hypnotischen Soundtracks Gene Moore wurde für keinen Langfilm mehr gebucht.

Der FilmCarnival Of Souls - Score - Inside - front floppte zu seiner Zeit an den Autokinos, entsprach er doch nicht den „Monster Feature“-Ansprüchen des jugendlichen Publikums. Aber im Laufe der Zeit und unermüdlichen Einsatzes in Programmkinos (wie eben auch unsres) fand er doch sein Publikum. Die unheimliche Atmosphäre, das Unerklärliche und das ewig Poetische durchdringen diesen Film.

Dieser Film hat viele Regisseure maßgeblich beeinflusst, George A. Romero, David Lynch und Claude Chabrol nennen ihn als Inspirationsquelle.

Lassen wir andere zu Wort kommen:
Elfriede Jelinek, Literaturnobelpreisträgerin schrieb einen wunderschönen Artikel, seht dort: http://204.200.212.100/ej/fgrusel.htm
Und der Kollege Ekkehard Knörer von der Filmzentrale schrieb: cos32„Carnival of Souls ist, so absurd das angesichts eines No-Budget-Movies klingt, ein perfekter Film. Er erreicht größtmögliche Effekte mit den einfachsten Mitteln, ohne dass diese je nur Mittel zu diesen Effekten wären. Der Mehrwert, der den Bildern das Entsetzen einjagt, ist ein Effekt des Verzichts auf die unmittelbare Verrechnung von Mitteln in Effekte. Kein Bild zielt nur auf den Schrecken, den es hat. Der Schock verliert sich in der Unerbittlichkeit, die in den Bildern steckt, von Anfang an.“

Carnival of Souls, USA 1962, Regie: Herk Harvey, mit Candace Hilligoss, Frances Feist, 81 Min, digital, OmU

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PS in eigener Sache: Das ist vorerst der letzte Film in der bewährten Weird Xperience Form, also kommt zahlreich zum Tschüß sagen und schreibt dem City 46, wie sehr es euch gefiel!

Weird Xperience im Oktober 2014: WARUM HANS WAGNER DEN STERNENHIMMEL HASST (als Gast: Lars Kokemöller, Regie und Drehbuch)

hanspi22Am Donnerstag, den 23. Oktober, um 20:30 Uhr zeigen wir euch den 2013 produzierten Film „Warum Hans Wagner den Sternenhimmel hasst“ von Lars Kokemöller. Er führte Regie, schrieb das Drehbuch und produzierte den Film mit der Hamburger Gruppe „Radikal & Arrogant“.

Der Film führt uns in das Leben des Hans Wagner, der zumeist in seiner Wohnung sitzt und sich mit TV, Pillen und Alkohol ruhig hält. Auf dem Weg zu einem Supermarkt überfallen ihn lange unterdrückt geglaubte Gefühle, und zwei Begegnungen scheinen seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Er verliebt sich in die Kassiererin und ein Obdachloser bringt ihn dazu, sich sozial zu öffnen.
Alles scheint sich in seinem Leben zum Guten zu wenden, bis ihm eines Morgens eine Fee erscheint. Diese eröffnet ihm neue, unheimliche Welten direkt hinter seinem Kleiderschrank.
Was hier als Sozialkomödie anfängt, wird nach und nach immer mehr zum wilden Genre-Mix aus Fantasy, Horror und Musical. Hier werden Bezüge zum Cthulhu-Mythos, zur Grimmschen Märchenwelt und zum klassischen Endzeitfilm hergestellt.
Was Lars Kokemöller und sein Team mit einem Budget von nur 1500 € schaffen, ist erstaunlich. Der Film wurde in den Straßen Hamburgs und in den Kulissen eines Kindertheaters gedreht.hanspic07
Wir freuen uns, dass der Regisseur anwesend sein wird und uns für Fragen und Anmerkungen zur Verfügung steht.
Lars Kokemöller, Jahrgang 1991, dreht mit „Hans Wagner“ seinen ersten Langfilm. Das Drehbuch schrieb er während der Drehpausen bei der australischen-deutschen TV-Serie „In Your Dreams – Sommer deines Lebens“, bei der er den Schlosspraktikanten spielt. Er absolvierte eine Schauspielausbildung in Hamburg, ist in der Hamburger Theaterszene als Regisseur und Schaupieler aktiv.

 

Einige Stimmen zum Film:
„Jedes Mal wenn sich der Zuschauer in einer dieser Welten niederlassen möchte, ist der schöne, böse oder schrullige Schein schon wieder vorbei und ein neues Kapitel im Leben von Hans Wagner wird aufgeblättert. Das hebt an als depressives Milieu-Drama, reicht über ein Trash-Märchen mit Bollywood-Einlage bis hin zur Horror-Farce als würde ein Schelm das Märchen von Hans im Glück dekonstruieren.“ Ulrike Mau, Die Welt

„So eingängig und brav der Film beginnt, so desaströs, pessimistisch und kryptisch endet er. Ein Film, der auf den deutschen Film-Nachwuchs hoffen lässt.“ deadline

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D 2013, Regie und Drehbuch: Lars Kokemöller, Darsteller: Hubertus Brandt, Ulrich Bähnk, Nika Kushnir, Sarah Bellini, Jens Wesemann, Anna Berghanspic26

weird xperience im Juni: Davide Manulis THE LEGEND OF KASPAR HAUSER

Am Donnerstag, den 26. Juni , zeigen wir um 20:30 im City46:

THE LEGEND OF KASPAR HAUSER (2013)

c4c0b4af6eEin androgyner Mann wird an einen Mittelmeestrand gespült. Er trägt riesige Kopfhörer, eine Jogginghose und ein T-Shirt auf dem steht: Kaspar Hauser.

Der heroinabängige Sheriff liest ihn auf.  Kaspar versucht sich durch’s Leben auf dieser Insel zu schlagen, begleitet von lauter elektronischer Musik, schönen jungen Menschen und eben dem Sheriff und seinen Dealer. Dabei gerät er immer wieder in surreale Situationen.

Der italienische Regisseur und Drehbuchautor Davide Manuli führt uns in seinem Zweitwerk durch eine schwarz-weiße Welt, in der wir trotzdem Farben hören können. Ein unglaublich absurdes Werk. Die junge Silvia Calderoni gibt an der Seite des brillanten Vincent Gallos in der Doppelrolle des Dealers und des Sheriffs (siehe auch DAF: Der Sheriff) als Kaspar Hauser ein tolles Spielfilmdebut ab, und diesem ebenbürtig.

An den Kameraeinstellungen und den gestochenen Bildern erkennt man den experimentellen Hintergrund des ehemaligen Super8-Filmers Davide Manuli (u.a. „Mental Masturbation“). Die Musik stammt von den französischen Elektro-Star Vitalic (Pascal Arbez-Nicolas) und erschafft diese surreale Welt. Er veröffentlicht auf DJ Hells Label Gigolo Records, wie Kaspar Hauser beheimatet in Bayern.

tk von kino.de schrieb: „Avantgardistische Allegorie? Exzentrische Techno-Performance? Davide Manulis hauser3surrealer Experimentalfilm mit Vincent Gallo sprengt alle Kategorien.
Der schwarzweiße Bilderreigen einer ausgedörrten Inselkarstlandschaft nimmt sich wie ein Techno-Videoclip zu Alejandro Jodorowskys wüsten Filmdelirien aus, zu denen der aktuell angesagte französische Electro-Act Vitalic tanzbaren Rave zwischen Daft Punkt, Jean-Michel Jarre und 90er-Jahre-Techno beisteuert. Das seltsame Schauspiel exzentrischer Figuren kreiert eine einzigartige, wunderbare Atmosphäre, bei der dem staunenden Cineasten weitere Künstler wie Béla Tarr, Roy Andersson oder Jim Jarmusch in den Sinn kommen.“

Wir freuen uns, dass wir euch diesen Film als Bremen-Premiere zeigen können.

Regie: Davide Manuli, Drehbuch: Davide Manuli, Darsteller: Silvia Calderoni, Vincent Gallo, Elisa Sednaoui, CLaudia Gerini, Fabrizio Gifuni, Marco Lampis, Musik: Vitalic, Italien 2013, 95 Min, OmU

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Weird Xperience im Mai: Shin’ya Tsukamotos TETSUO – THE IRON MAN

Am Donnerstag, den 29. Mai um 20:30 Uhr zeigen wir:

 

TETSUO: THE IRON MAN (1989)

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Ein Metallfetischist implantiert sich selbst Industriemetall unter die Haut. Das Experiment geht leider schief und in der Wunde sammeln sich Maden, er schreit vor Schmerzen und läuft davon.

Ein anderer Mann wird von Alpträumen geplagt, in denen sich Menschen in Metallwesen verwandeln. Eines morgens schneidet er sich beim Rasieren und entdeckt Glänzendes unter seiner Haut. Auf dem Weg zu seiner Arbeit wird er von einer Frau angegriffen, deren Arme aus Industrieabfall bestehen. Innerhalb von Stunden verwandelt sich der Büroangestellte immer mehr zu einem Metallwesen und es kommt zu einem Show-Down mit dem Fetischisten.

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Der Film wechselt zwischen Real-, Wunsch- und Traumsequenzen, wobei die Unterscheidung nicht immer eindeutig ist. Er spielt mit unterdrückten Ängsten, versteckten Sehnsüchten und realen Zwängen.

Auf 16mm in schwarz/weiß gedreht kommt er fast ohne Dialoge aus, es läuft Industrial-Music von Chu Ishikawa, inspieriert von den Einstürzenden Neubauten und DAF. Ungewöhnlich für die Zeit ist die ständig sich bewegende Kamera.

Thematische Inspirationsquelle waren Cronenberg-Filme wie „Videodrome“ (Long live the new flesh, 1983) und „Die Fliege“ (1986). Doch die Ent-1980er waren wohl die interessanteste Zeit der künstlerischen Körperhorrorfilme, neben Cronenbergs Arbeiten wären da Buttgereits „Nekromantik“ (1987), Nekromantik 2 (1991) und Clive Barkers „Hellraiser“ (1987) zu nennen. Unter diesen ist Shin’ya Tsukamotos Film der wohl radikalste. 1992 und 2010 folgten zwei Fortsetzungen.

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Er gewann als bester Film den FantaFestival in Rom 1989 und den Audience Award beim Fantastic Film Festival in Schweden.

Als Vorfilm zeigen wir den früher entstandenen Futsu saizu no kaijin (The Phantom of regular size) der als Vorübung für Tetsuo verstanden werden könnte.

TETSUO – THE IRON MAN, Japan 1989, 67 Min, OmU

Regie: Shin’ya Tsukamoto, Darsteller: Tomorowo Taguchi, Kei Fujiwara, Nobu Kanaoka, Renji Ishibashi, Naomasa Musaka, Musik: Chu Ishikawa

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WEIRD XPERIENCE IM MAI AM FÜNFTEN, NICHT AM HEUTIGEN DONNERSTAG

Wir zeigen diesen Monat TETSUO, aber nicht heute, sondern nächsten Donnerstag, den 29. Mai. Später mehr dazu.
Ich freu‘ mich.